Honey82
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ich bin neu hier. Ich habe mich schon durch die hilfreichen Seiten hier gelesen, aber dachte, vielleicht hilft es mir auch, wenn ich hier kurz meine Geschichte "loswerde". Eigentlich könnte ich Seiten darüber schreiben, aber ich versuche es kurz zu fassen.
Ich muss vorab sagen, dass es mir, aufgrund meiner früheren Erfahrungen sehr schwer fällt, mich überhaupt emotional zu öffnen und auf etwas einzulassen. Dann kam er. Wir lernten uns im Internet kennen,aber es war so eine "Begegnung", wo man an Schicksal glaubt. Wir wollten uns zu dem Zeitpunkt beide gerade abmelden. Wir wohnten sogar in der Nähe zueinander.Wir schickten uns Anfangs nur Sprachnachrichten per Whatsapp und es war unglaublich, wie sehr die Chemie stimmte. Derselbe Humor, oft gleichzeitig dieselben Texte. Er verriet mir sogar direkt am Anfang,dass er keine Kinder mehr zeugen kann,weil er das Gefühl hat,er müsse da fair sein und er sich sehr zu mir hingezogen fühlt und mit offenen Karten spielen will,bevor sich etwas entwickelt. Und es entwickelte sich etwas.Nach einem anfänglichen Rückzug seinerseits,nach dem 1.Kuss und meiner scheinbar angebrachten Reaktion hierauf,gab er Vollgas. Er knallt voll in mein Leben und zog mich in seins. Ich habe so etwas vorher noch nicht erlebt, wie ein Mann einer Frau gegenüber sein kann.Ich hatte Angst und Zweifel.Meine Freundinnen beneideten mich um diesen Mann und sagten immer, er macht doch alles richtig, sei einfach glücklich. Und ja, er erfüllte jeden Punkt eines jeden Ratgebers, woran man die ernsten Absichten eines Mannes erkennt. Er verstand sich hervorragend mit meiner Familie und Freunden. Er gab mir seinen Wohnungsschlüssel,er kochte für mich, er stellte mich seinen Freunden vor, wir verbrachten viel Zeit mit seinem Sohn.Er kümmerte sich um meinen Hund. Er nahm mich mit zu seinen Hobbys. Ihm sprangen die Herzchen aus den Augen,wenn er mich ansah.Es kribbelte extrem zwischen uns und ich ließ es nach und nach zu. Es ist eigentlich lächerlich,weil es insgesamt nur 3 Monate waren,aber das Ende jetzt ist schwer zu verkraften. Der Dezember war ein perfekter Monat.Ich war so glücklich. Ich war so verliebt. Es fühlte sich an, wie angekommen zu sein. Kaum war er wach,hatte ich eine Sprachnachricht wie glücklich er ist. Er wollte mich jeden Tag sehen, besuchte mich bei der Arbeit usw. Ich war so glücklich.
Im Januar irgendwann nach einem romantischen Wochenende, an dem ich auch etwas emotionaler wurde, änderte sich etwas. Mein Bauch sagte mir deutlich, da stimmt was nicht, aber mein Kopf sagte immer, du hast einfach Angst, genieß es doch und beschwer dich nicht. Es kam etwas Distanz in die Sache. Er war aber trotzdem immer noch jederzeit in Kontakt von sich aus und sehr liebevoll und 2 Tage vor dem Ende schickte er mir nachts noch eine betrunkene Sprachnachricht, in der er sagte, wie glücklich er sei und was für eine tolle Frau ich doch wäre. Ich wusste bis dato, dass er Probleme mit seinem Arm hatte und die Ärzte im Dez Ödeme an den Sehnen festgestellt haben, wegen denen er zu einer Bestrahlungstherapie sollte. Das erzählte er mir noch offen. Generell reagierte er bei Krankheitsthemen immer sofort abweisend. Ich habe ihm anfangs zB von meiner Krankheit (MS) erzählt und er unterbrach mich direkt und bat mich nur, ihm zu sagen, was das Schlimmste sei. Damit würde er klarkommen,aber er will das nicht an sich ranlassen, um nicht darunter zu leiden.
Am 30.01. kam er morgens zu mir und wir frühstückten. Es gab auch noch s.uelle Nähe an dem Tag und alles war in Ordnung. Wir fuhren gemeinsam zu Ikea. Ich war nicht super gut drauf an dem Tag, weil ich seit Tagen krank war und mir die Decke auf den Kopf fiel und er sich etwas distanziert hatte, aber es war trotzdem ein schöner Tag. Im Auto sagte er mir noch, wie heiß und innig er mich will. Abends waren wir bei mir und 5 Minuten bevor alles sich ändern sollte, küssten wir uns noch und lachten.
Dann gab es einen Vorfall, wo er meinen Hund sehr grob anfasste und das Tier daraufhin laut schrie und ich stoppte ihn und sagte ihm in einem deutlichen Ton, dass er das lassen solle. Sein Blick machte deutlich, dass das im Streit enden würde und so verließ ich erstmal für ein paar Minuten den Raum. Als ich zurückkam war er weg. Ich fuhr ihm hinterher und fand ihn völlig apathisch in seiner Wohnung. Er hatte alle Fenster aufgerissen, um sich scheinbar abzukühlen. Er schickte mich weg und sagte, er könne jetzt nicht reden. Am nächsten Tag kam eine Nachricht, dass er gemerkt hat, dass er innerlich zu kaputt sei für eine Beziehung und ihm fast die Sicherung durchgeknallt wäre. Ich solle seine Sachen packen und ihn gehen lassen. Ich brachte ihm seine Sachen und war an dem Tag noch ca. 1 Stunde bei ihm. Ich weinte und er hielt dabei meine Hand und sah unfassbar traurig aus. Auch ihm liefen die Tränen irgendwann übers Gesicht und er sagte, dass das sehr weh tut. Darauf folgte ein Moment in dem er sich umdrehte und einen völlig anderen Blick und Stimme hatte und mir fast drohte. Er sagte mir, dass es kein Zurück gibt in diesem Moment, weil er mich ab morgen nicht mehr achten könnte und mich so respektlos behandeln würde, wie ich es mir kaum vorstellen könnte. Der Vorfall hätte etwas in ihm ausgelöst und er müsse jetzt wieder zu seinem Psychologen. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, er wolle mich vor sich warnen. Dann gab es wieder einen Moment wo er mich liebevoll und mit Tränen ansah. Irgendwann ging ich.
Ich hielt es 8 Tage aus, mich nicht zu melden. Auch von ihm kam in dieser Zeit nichts. Dann bat ich ihn um ein Gespräch, um abschließen zu können. Vor 2 Wochen war er bei mir. Da erzählte er mir, dass es laut seinem Arzt ein Ausbruch der Angst gewesen sei. Weil er wahrscheinlich Knochenkrebs hätte. Er würde aber erst in 4 Wochen genau wissen, ob die erste Bestrahlungstherapie geholfen hat oder ob es mit härteren Methoden weitergehen würde. Er wurde zwischendurch laut und hatte wirklich so etwas wie Angst in seinen Augen und maulte mich an, ob mir klar wäre, was eine Chemotherapie aus ihm machen würde und auch, wenn das jetzt weh tut, dass das, was kommen kann noch viel schlimmer wäre. Er sagte, dass er mir keine Wahl lässt ob ich das mitmachen will, weil es seine Einstellung wäre, dass er kein Leid über seine Partnerin bringen will. Als ich weinte, nahm er mich in den Arm. Er war fast 3 Stunden hier. Wieder gab es Tränen, seltsame Geschichten und Worte, Flirtereien. Ich stand in dieser Zeit völlig neben mir.
Seitdem haben wir hin und wieder Kontakt. Meistens schickt er mir irgendwelche Komplimente über mein Foto oder auch mal eine Sprachnachricht. Wenn ich frage wie es ihm geht, wird diese Frage ignoriert. Manchmal höre ich ein paar Tage garnichts. Auch jetzt sitze ich wieder hier und weiß nicht, ob er sich nochmal melden wird. Ich habe jetzt 4 Wochen hinter mir. 4 Wochen Hölle. Ich habe 10 Tage weder gegessen noch ohne Tabletten geschlafen, weil es mich so geschockt hat. Inzwischen haben ich gute Tage und falle dann wieder in ein Loch. Im Moment bin ich wieder drin, weshalb ich mich entschieden habe, es mir von der Seele zu schreiben. Ich habe die Trennung akzeptiert. Ich weiß, dass ich akzeptieren muss, dass er krank ist. Ich weiß nur nicht, ob es tatsächlich sein Körper ist (was daran liegt, dass er hier sehr schwammig und widersprüchlich erzählt hat) oder aber sein Kopf (er wirkte an dem 1.Tag auf mich wirklich wie eine andere Person). Ich weiß nur, dass ich es nicht schaffe loszulassen, weil ich immer festhänge zwischen, es war doch so perfekt und vielleicht habe ich mich auch falsch verhalten und dann wieder was ist, wenn dieser Mann wirklich Krebs hat.
Meine Neurologin hat mir gesagt, dass sein Verhalten sehr unfair ist. Und es brutal ist, jemandem nahestehenden so etwas mitzuteilen und ihn dann wegzuschubsen. Und ja, das ist es tatsächlich. Mein Psychologe hat gesagt, der Mann hat scheinbar einfach Angst. Mich zerreißt es. Ich sehe, dass er dauernd online ist, aber ich höre nichts. Sobald der Kontakt etwas lockerer ist, aber ich nur irgendwas in seine Richtung wie zB wie gehts frage, herrscht Stille.
Ich habe mich wieder hochgehievt. Ich habe mich zurück ins Leben gestürzt an den guten Tagen. Ich lache zwischendurch sogar wieder, ich habe tolle Freunde und auch andere Männer um mich herum, die meinem Selbstbewusstsein guttun. Aber er fehlt mir. Er fehlt mir so sehr. Ich war so glücklich und habe immer gedacht, dass ist zu schön, um wahr zu sein.
War es scheinbar auch. Ich stehe oft immer noch neben mir und kann nicht glauben, was da eigentlich passiert ist. Das war nicht der Mann, in den ich mich verliebt habe.
Ich würde mir so sehr noch ein letztes Gespräch wünschen um eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen. Vor allem die Frage, ob er mich vielleicht doch die ganze Zeit mit seinen Gefühlen am Anfang verarscht hat, tut unheimlich weh. Woran soll man noch glauben, wenn das nicht gestimmt hätte?
Ich muss loslassen. Ich muss mich selbst schützen. Das ist so eine Belastung, dass seit einigen Tagen schon meine Beine Kribbeln. Ich habe eine Nervenkrankheit und muss an mich denken. Aber ich schaffe es nicht einfach so. Der MIx aus Sehnsucht und Sorge ist kaum zu ertragen.
Ich habe mir für mich überlegt, ihm einen Brief zu schreiben. In dem ich ihm klarmache, was da mit mir gemacht hat, aber auch, dass ich die Trennung akzeptiere und ihn als Mensch nicht fallenlassen will, wenn es ihm schlecht geht. Dass ich loslasse, aber da bin, wenn er mich braucht.
Oder alternativ, dass ich ihn nochmal um ein Gespräch bitte.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin völlig durcheinander.
schei., er fehlt mir. Das tut so unglaublich weh
Es tut mir leid, es ist doch mega lang geworden
Ich danke jedem , der es sich durchgelesen hat und mir eventuell etwas dazu sagt.
