Hallo liebe Community.
Ich habe lange still mitgelesen, und endlich den Mut gefasst, meine Geschichte aufzuschreiben. Ich würde mich über Feedback freuen, denn zur Zeit kann ich auf wenig Ressourcen zurück greifen, da mir der Austausch über das Erlebte fehlt. Neue Denkimpulse wären super, da sich mein Denken zur Zeit in endlosen Kreisen dreht.
Zur Einordnung, ich bin seit 10 Jahren alleinerziehend, ohne jegliche Unterstützung durch den Kindesvater. Weder finanziell, noch betreuungstechnisch, werden wir von ihm unterstützt. Viele Jahre habe ich diese kraftraubende Aufgabe angenommen und versucht, das positive in der Situation zu sehen.
Nach 7 Jahren, habe ich den Versuch gewagt, einen neuen Mann in unser Leben zu holen. Anfangs alles prima, haben unsere Leben recht schnell zusammen gelegt. Es stellte sich schon am ersten Tag des Umzugs heraus, das ich einen großen Fehler begangen hatte. Alle Formen der Gewalt trafen mich mit voller Wucht. Es war für mich und meine Tochter, die Hölle auf Erden. Nach 2 Jahren schaffte ich den Absprung. Ich bin mit meiner Tochter ausgezogen. Wir standen bei 0. Keine Möbel, kein soziales Umfeld, nur die Gewissheit, dass wir es auch zu zweit schaffen können, weil wir das bereits 7 Jahre geschafft haben.
Wir haben alles zu zweit neu aufgebaut, mit der Kraft der Verbundeheit und Liebe zueinander. Ein neuer , sicherer Rückzugsort ist entstanden.
Durch einen Zufall traf ich einen Menschen, der recht schnell Teil diesen neuen Lebens wurde. Ich war vorsichtig, stellte klar, dass ich dieses Leben für uns mit allem was ich habe, schützen möchte. Ich traf auf Verständnis, auf einen echten Austausch mit der Bereitschaft, gemeinsam zu wachsen. Mein Kind zuerst ablehnend, nach wenigen Monaten Feuer und Flamme für diesen neuen Menschen in unserem Leben. Alles verlief ruhig, schön, mein Kopf und Körper konnten zur Ruhe kommen. Er hat 2 Kinder, etwa im ähnlichen Alter, wie meine Tochter. Er sieht sie an den Wochenenden und täglich für einen kurzen Zeitraum, um sie etwa zur Schule zu bringen, oder beim Sport zuzuschauen. Wir haben uns Zeit gelassen, um das zusammen zu bringen, mit dem gemeinsamen Ziel, es langsam wachsen zu lassen, unter der Berücksichtigung, dass jeder von uns 5, eigene Bedürfnisse hat, denen wir Freiraum lassen wollen. Eine Zeit lang, lief das gut. Dann habe ich begonnen, nach mehr Zeit zu zweit zu fragen, da wir uns aufgrund einer räumlichen Entfernung und der Versorgung der Kinder und Arbeit im Schichtdienst maximal 2 Tage in der Woche für wenige Stunden sehen können. Mir war es vom Gefühl her zu wenig, um eine emotionale Verbindung halten zu können. Mit diesem Wunsch nach mehr gemeinsamer Zeit im Gepäck, knallte ich wie gegen eine Mauer aus Wut, Unverständnis und letztlich Schweigen. Die Verbindung zwischen uns wurde einfach durchtrennt mit der Begründung, Priorität in seinem Leben haben ausschließlich seine Kinder. Er würde nur für seine Kinder leben, weil das schon immer so war und seine Partnerin sich anpassen müsse.
Eines Abends kam er zu uns, brüllte mich vor meiner Tochter an, packte seine Sachen und verließ die Wohnung. Seitdem herrscht Funkstille und ich bin völlig aus dem Leben gerissen. Er wusste um die Situation, dass meine Tochter und ich häusliche Gewalt erfahren haben, dass dies alles in unserem geschützten Raum bereits stattgefunden hatte. Ich schäme mich, dass meiner Tochter erneut angetan zu haben. Erlaubt zu haben, dass mich jemand erneut in ihrem Beisein abwertet und letztlich verlässt.
Dabei dachte ich doch, indem ich die Grenzen und Wünsche von Anfang an kommuniziere, dass mein Partner respektvoll damit umgehen würde.
Wir waren bei allen Themen auf einer Wellenlänge, nur der Wunsch, nach mehr Zeit, ließ die Situation dermaßen kippen. Ich verstehe die Welt nicht mehr, bin verletzt und habe das Vertrauen in eine Partnerschaft und in mich selbst verloren.
Vielleicht ist gerade jemand in einer ähnlichen Situation. Ich freue mich über Austausch.
S.