bolamba
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Es war Nacht, der Vollmond schien. Ein leichter Wind kam auf, das Meer begann sich leise zu kräuseln. Noch kein Grund zur Sorge, dachte sich der Mann. Der Wind wurde langsam etwas heftiger und kleinere Wellen formten sich auf dem Wasser und liesen das Boot ein wenig Schwanken. Der Mann hatte aber weiterhin seinen Blick auf diese Insel, dieses neue Land gerichtet. Und die freudige Erwartung, lies ihn nicht zurückblicken.
Vielleicht hätte er dann die Welle gesehn die sich von hinten dem Boot näherte. Eine große, unüberwindliche Welle erfasste das Boot, brachte es zum kentern und der Mann verlor seinen Halt. Der Schatz mit dem er so lange auf See war verschwand unter ihm in der Tiefe. Durch den Mondschein sah er das Schimmern all der wundervollen Dinge in der Truhe, die sich durch den Aufprall auf dem Meeresgrund weit geöffnet hatte. In Panik schwamm der Mann nach unten. Es war ein weiter Weg, doch mit viel Mühe schaffte er es seinen Schatz zu erreichen. Doch er war zu schwach, er konnte die Truhe nicht anheben und so entschloss er sich, wenigstens die schönsten und wundervollsten Dinge in seine Tasche zu stecken. Es wurden immer mehr und er wurde immer schwerer. So langsam hatte er keine Luft mehr und es begann vor seinen Augen zu flimmern, aber er wollte nicht weg. Er wollte bei seinem Schatz bleiben, vielleicht sogar bei ihm sterben. Doch plötzlich nahm sein Überlebensinstinkt überhand. Er schwamm nach oben, doch der Schmuck den er eingesteckt hatte, lies ihn nur langsam voran kommen und so lies er ein Stück nach dem anderen von sich gleiten.
Und endlich kam er an der Oberfläche an, schwamm auf den Strand der Insel zu und nach einiger Zeit erreichte er ihn. Er war erschöpft, fast zu erschöpft um an seinen Schatz zu denken. Er musste neue Kräfte sammeln und dann wollte er erneut hinausschwimmen, es nocheinmal versuchen, noch etwas mehr mitnehmen. Er schaute aufs Meer und sah, durch den Mondschein leuchtend, seinen Schatz. Er fasste all seinen Mut zusammen, doch als er die ersten Schritte in das kalte Wasser getan hatte, überkamen ihn Zweifel. Sollte er nochmal soweit schwimmen, sein Leben riskieren, das Risiko eingehen zu ertrinken. Und als er da stand und aus den Zweifeln Verzweiflung wurde brach so langsam der neue Tag an. Die Sonne löste den Mond in seinem Glanz ab, sie verbreitete ihre wohltuende Wärme auf seinem Körper.
Der Himmel war blau und spiegelte sich auf dem ruhigen Wasser. Er begann Ausschau zu halten, doch er konnte seinen Schatz am Tage nicht finden. So beschloss er nach einiger Zeit den Strand zu verlassen. Ging landeinwärts, ohne ein Ziel, ohne darüber nachzudenken, was morgen sein könnte, was er mit der Zeit anfangen sollte die ihm gegeben war. Beim gehen betrachtet er die paar Edelsteine, welche er an die Oberfläche hatte retten können. Er betrachtete sie wehmütig. Tränen rannen ihm über seine Wangen. Er bemerkte gar nicht das er die ersten Meter des Hügels hochgestiegen war, den er von seinem Boot aus in der Ferne ausgemacht hatte. Ein wenig Neugier erwachte in ihm. Was mag sich wohl hinter dem Hügel befinden. Vielleicht sogar ein neuer Schatz?
Kurz bevor er die Spitze des Hügels erreicht hatte, begann es wieder dunkel zu werden. Der Mann drehte sich nocheinmal um, sah auf das Meer hinaus und sah ganz klein und dennoch strahlend seinen unerreichbaren Schatz, wie er vom Mondlicht angestrahlt wurde, dort unten in der Tiefe. Hätte er vielleicht doch noch mal den Mut zurückzugehen, sollte er nicht alles versuchen diesen Schatz wiederzubekommen, wollte er vielleicht doch lieber sein Leben aufs Spiel setzten...um am Ende dann doch enttäuscht zu werden. Oder sollte er den Hügel erklimmen und schauen was ihn dahinter erwartet? Wehmütig betrachtete er nocheinmal die Edelsteine in seiner Hand. Es war einmal...