Ich hatte mehrere ernste Beziehungen im Leben.
Für meine Jugendliebe bin ich bis heute dankbar, aber es war halt die Jugendliebe. Von allen Partnern bis auf den aktuellen, läge er mir heute am meisten am Herzen. Das ging damals zuende, weil ich mich in jemand anderen verliebt habe. Finde ich heute sehr schade, aber ich bin dankbar für alles, was wir hatten.
Mit dem nächsten Partner war ich 8 Jahre zusammen, von den letzten Schuljahren übers Studium bis in den Berufseinstieg hinein. Für die Zeit, die wir zusammen waren, waren wir richtig füreinander, aber haben uns dann zu weit auseinander entwickelt.
Danach kam der Mann, den ich geheiratet habe und der der Vater meiner Tochter war. Mit ihm dachte ich anfangs, jetzt wäre es perfekt, war es aber nicht. Im Grunde passten wir überhaupt nicht gut zusammen und fanden einander aber (anfangs) so toll. Während der Ehe hatte ich eine Affäre, in die ich auch sehr verliebt war; heute weiß ich, dass das mit ihm als Person übrrhaupt nichts zu tun hatte, da hätte "jeder" kommen können, der mir nur das hätte geben müssen, was ich bei meinem Mann so vermisst habe.
Von meinem Mann habe ich mich nach 10 Jahren Beziehung getrennt, aus der Affäre wurde zum Glück nichts. Mein Exmann ist dieses Jahr gestorben, meine Tochter ist jetzt also voll bei mir.
Aus der Ehe und der Affäre habe ich wahnsinnig viel gelernt über mich und meine Bedürfnisse. Und kurz nach der Trennung habe ich meinen heutigen Partner kennengelernt. Ich "wollte" keinen Mann bzw habe nicht "gesucht", habe mich maximal unabhängig gefühlt und aufs Singlesein gefreut. Aber als er des Weges kam, war irgendwie schnell klar, dass ich, wenn ich suchen würde, jemanden genau wie ihn suche. Habe mich drauf eingelassen und bin jetzt über 5 Jahre mit ihm zusammen und überglücklich.
Was ich meinem früheren Ich heute mitgeben würde: geh nicht in eine Beziehung mit dem, den du am Tollsten findest, sondern finde heraus, wer du bist, was du brauchst und wer zu dir passt. Und bleib in keiner Beziehung, in der du dich nicht zu jeder Sekunde zu 100% erwünscht, geborgen und geliebt fühlst. Ich darf diese Erfahrung jetzt glücklicherweise noch machen, aber werde auch nie mehr darauf verzichten. Im Vergleich dazu war alles davor zwar wilder und aufregender in der Schwärmerei, aber jetzt weiß ich, wie sich echte emotionale Nähe und Intimität anfühlt, das kannte ich vorher nicht. Obwohl ich mir mit 35 einbildete, den Durchblick zu haben.
Das Gefühl, nie mehr "so" lieben zu können, hatte ich nie. Meine Trennungen waren traurig, keine Frage, aber es war immer klar, dass das temporär ist und ich wieder glücklich sein werde. Was das angeht, war es wahrscheinlich sehr hilfreich, dass meine Eltern sich getrennt hatten, denn dadurch habe ich früh gelernt, dass das Leben weiter geht und man nicht um jeden Preis in einer Beziehung bleiben muss.
Heute sehe ich es sogar so, dass eine Trennung der Eltern, wenn die Beziehung nicht absolut glücklich und erfüllend ist, für Kinder das bessere Vorbild darstellt als sich zu "arrangieren" und in einer nur so halb-okayen Beziehung zu bleiben.
So halbgare Beziehungen, zu schlecht um glücklich zu sein und nicht schlecht genug um sich zu trennen, finde ich heute ganz schlimm, glaube aber leider, dass die meisten Beziehungen so sind. Ich wünsche jedem, 1x die Erfahrung einer wirklich guten und gesunden Beziehung zu machen. Dann wäre die Welt ein besserer Ort. Ich werde so eine Beziehung jedenfalls nie wieder führen, werde mich trennen wenn ich nicht mehr glücklich bin und bleibe lieber alleine als in einer halbgaren Sache auszuharren. Und ich bin dankbar für diese Erfahrung und alle davor, dle mich dorthin gebracht haben. Es word cool werden, so oder so. Mit meinem Partner, oder allein, oder mit jemand anderem, der ebenso gut passt. Jetzt ist es zu 100% perfekt und es wird nie wieder schlechter sein.