andie000
Gast
Aber wann der Punkt kommt, muss man natürlich entscheiden.
Es ist sehr wichtig, gerade wenn man verlassen wird, was auch bei mir gerade der Fall ist, dass man für sich ergründet, warum das geschieht. Ich hatte als junge Frau schon einmal eine 12-jährige Beziehung. Dort gab es kein 'verlassen werden', sondern einen gemeinsamen Beschluss, dass man den Weg nach vorne nicht mehr zusammen gehen kann und möchte. Das tat trotzdem gewaltig weh und war schwer zu akzeptieren. Ich erinnere mich auch, das bei mir der Punkt kam, wo ich meinem damaligen Ex sagen musste, ruf mich bitte jetzt nicht mehr an. Nämlich als der schon eine neue Freundin hatte und bei mir das Gefühl entstand, er kommt besser mit der Trennung zu recht als ich. Ich wollte dann die Freundschaft irgendwann nicht mehr.
Diesmal bin ich am Ende einer 5-jährigen Beziehung und der Trennungswunsch kommt einseitig von ihm. Ich sehe, dass hier viele dabei sind, die auch verlassen wurden. Ich würde allen raten, mit dem Partner so lange im Kontakt zu bleiben, bis er/sie euch Antworten gibt, die euch helfen, die Trennung zu verstehen. Es ist nicht ok, jemanden den man geliebt hat, einfach so zu 'entlieben' ohne die Verbindlichkeit, dem anderen diesen Prozess zu erklären (kommt natürlich darauf an, wie sehr man schon verbunden war, ob man zusammengelebt hat, usw.). Wenn dieser Prozess ausgeblieben ist, macht sich der andere natürlich immer noch die Hoffnung, dass man die Probleme irgendwie bewältigen kann und versucht, die Beziehung zu retten. Das bringt nicht immer etwas. Mein Partner schrieb mir dann, obwohl wir zusammenleben, eine sehr verletzende Email, was sehr sehr weh tut. Es ging mir damit sehr schlecht - der Punkt ist wohl, dass man einfach die Tatsache, dass man einseitig verlassen wird und nicht in gemeinsamer Entscheidung einfach auch nicht weg reden kann. Den Schlusspunkt habe ich damit aber erkannt.
Ich denke aber trotzdem, dass es wichtig ist, von seiner Seite das Gefühl zu haben, alles gesagt und alles versucht zu haben. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, den er auch gelesen hat und in dem ich ihm erklärt habe, wie ich gefühlt habe und fühle und was mich an der Einseitigkeit der Situation verletzt. Für mich war das wichtig - in dem Punkt fand ich nicht, dass meine Position als Verlassene mich hier erniedrigt. Ich fand es wichtig, zu sagen 'hey, ich habe die so geliebt, ich finde es nicht ok, dass du ich mich 'entliebt' hast, ohne mich an dem Prozess zu beteiligen. Mach das mal besser in Zukunft, so geht man nicht mit anderen Menschen um'. Ich fühle mich seit dem Schreiben dieses Briefs besser, denn irgendwo habe ich ihm dadurch meine Grenzen gesetzt. Wir wohnen noch zusammen, das geht manchmal ja nicht so schnell anders, aber ich fühle mich jetzt besser. Ich würde allen raten, eure Grenzen auch so für Euch zu definieren. Nicht aller 'Kontakt' muss ja auch das Ziel haben, den anderen zurück zu gewinnen, sich zu 'rächen', oder sich zu erniedrigen. Einfach nur emotional ehrlich zu sein. Ich glaube, erst dann findet man einen Weg, mit der Erfahrung auch besser fertig zu werden.
Allen viel Glück auf dem Weg eurer Verarbeitung und auch damit, vielleicht doch noch eine bessere Liebe zu finden.
