Ihr Lieben,
ich lese hier schon seit einigen Wochen mit, danke euch, eure Erfahrungsberichte haben mir die Augen darüber geöffnet, dass ich schon ein paar Mal in einer destruktiven Beziehung gelandet bin. Ich arbeite daran endlich meine Muster zu durchbrechen (sehr, sehr harte Arbeit)...
Der Liebeskummer danach ist wirklich nicht mit normalem vergleichbar, weil einem eben vorsätzlich das Gehirn verdreht wurde, und am Schluss weiß man nicht mehr wo oben und unten ist, was man noch glauben kann, ob man tatsächlich selbst an allem Schuld war.
Es wird einfach alles ins Gegenteil verkehrt. Ein Ex-Ex-Ex meinte als Trennungsgrund angeben zu müssen, dass ich einfach zu empathielos sei, und es immer nach meinem Willen ginge.
6 Monate zuvor kannte er das Wort nichtmal, er musste es googlen, als ich ihm vorwarf keine Empathie zu zeigen...
Zum Glück gibt es gute Freunde, die fast einen Lach-Flash gekriegt haben. "Duuuu empathielos? Und es geht doch ständig ALLES nach seiner Nase! Wat ein Idiot!"
Das hat geholfen!
@all
Ich möchte auch noch was zum Thema Therapeuten sagen. Ganz schön schwierig herauszufinden, was da gut funktioniert. Vor allem weil man sich ja in einer Notlage befindet, und in dieser nicht auch noch besonnen und relaxt suchen und suchen kann, ein Dilemma. Auf jeden Fall teile ich die Meinung, dass sich nicht alles in der Komfortzone abspielen kann, wenn man im Leben weiterkommen will. Aber es ist auch total wichtig, dass es erstmal ein Vertrauensfundament gibt. Das man grundsätzlich mit der Person, der man sich anvertraut, klar kommt, dass man das Gefühl hat, dass sie FÜR und nicht GEGEN einen ist. Das gilt eigentlich sogar generell bei Ärzten, wenn es ums "Eingemachte" geht.
Was ich sagen will, es ist nicht jeder Therapie automatisch gut und richtig, es gibt auch für einen persönlich ungeeignete Therapeut/innen. Und an dieser Stelle ist auch Selbstbewusstsein gefragt, wenn man merkt, eher schlecht als gut behandelt zu werden, und sich jemand Neuen zu suchen.
Ich habe eine sehr gute Freundin die 5 Jahre (!) Therapie nach einer Gewaltbeziehung mit jemanden verschwendet hat. Keine Besserung. Nur Psychopharmaka. Dann hat sie gewechselt wegen Umzug. Die neue Therapeutin hat nach einem Jahr erreichen können, dass meine Freundin wieder ohne Antidepressiva klar kam. Und sagte tatsächlich, dass der 1. Th. den Schaden noch größer gemacht hat. Also nicht nur Zeitverschwendung, sondern Leiden vergrößert...
Bei dieser Therapeutin war sie dann insgesamt ebenfalls ca. 5 Jahre, mittlerweile führt sie ein ganz normales Leben, und kommt ohne Therapie klar.
Also, liebe Mit-Betroffene, hört auch an dieser Stelle auf euer Bauchgefühl. Wenn man seinem Therapeuten/in nicht vertrauen kann, wenn die Chemie nicht stimmt, kann auch die Therapie nicht ganz aufgehen. Denn erst dann lässt man es auch zu, dass sie "schneiden" dürfen. Das sagen auch die Therapeuten und Psychologen selbst.
Zitat:Wie finde ich eine passende Psychotherapeutin?
Wie auch in anderen Bereichen ist die örtliche Frauenberatungsstelle die beste Informationsquelle um zu erfahren, welche Psychotherapeut*innen in Deiner Gegend in der Lage sind, kompetent mit dem Thema umzugehen.
Eine allgemeine Psychotherapeut*innensuche bietet die Datenbank zur Psychotherapeutinnensuche der Bundespsychotherapeut*innenkammer.
Wichtig: Du musst nicht die erstbeste Therapeutin annehmen, nur weil sie willens ist, mit Dir zu arbeiten. Wähle die Therapeutin, mit der Du arbeiten möchtest.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel (vorher nachfragen – und insistieren) die Kosten für fünf Probesitzungen. Erst danach muss von der Therapeutin ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden. Voraussetzung: Die Therapeutin hat eine Kassenzulassung. Sonst könnte in Ausnahmefällen nach dem Kostenerstattungsverfahren vorgegangen werden, Einzelheiten hierzu kannst du bei Deiner Krankenkasse erfragen.
Während dieser fünf Probesitzungen ist genügend Zeit für ein gegenseitiges Kennenlernen, für eine grundsätzliche Diagnostik und ein Besprechen des potentiellen “Weges”.
Scheue Dich nicht, Fragen zu stellen: Hat die Therapeutin Erfahrungen mit Partnerschaftsgewalt, insbesondere mit psychischer Partnerschaftsgewalt? Wie arbeitet sie? Frage Dich selbst: Kann ich mit dieser Person ein von Vertrauen geprägtes Arbeitsverhältnis aufbauen? Fühle ich mich wertgeschätzt und in meinem Schmerz anerkannt? Stimmt die Chemie?
