Zitat von lene79:Du sprichst von dem Klassischen Modell "narzisstischer Vater/Borderlinemutter" - ziehst du da Parallelen zwischen Co-Abhängikeit und Borderline?
Ich bin kein Experte für Persönlichkeitsstörungen, deswegen kann ich hier nur meine unqualifizierte Meinung wiedergeben.
Die meisten Borderliner sind narzisstisch, hinzu kommt noch die Impulsivität und das Splitting, die Anhänglichkeit, die Bedürftigkeit. Der Prototypische Borderliner ist an sich relativ "pflegeleicht", braucht nur viel Bestätigung und Stabilität, allerdings sind sehr viele Borderliner eben auch narzisstisch.
Es gibt diese Theorie, dass es sich ergänzende, bzw. komplementäre PS gibt. So gibt es nach Vaknin viele lange und glückliche Partnerschaften zwischen zwei Narzissten, allerdings nur von unterschiedlichen Typs, also z.B. "Somatic" (Body-Narzisst) und "Celebral" (intellektuell, as.uell) als Paar. Der eine geht ständig fremd, der andere braucht gar keinen S. in der Beziehung und ignoriert das Fremdgehen des "somatischen" Partners, blendet es einfach aus. Die beiden kommen sich nicht in die Quere, weil sie grundverschiedene narzisstische Zufuhr benötigen: der eine will für sein(en) Aussehen/Körper/S.ualität bewundert werden, der andere für seine intellektuelle/kreative Leistung. Eine Beziehung zwischen zwei gleichartigen Narzissten funktioniert hingegen NICHT, weil sie Praktisch um die gleiche narzisstische Zufuhr gegeneinander konkurrieren. Aber ist es dann nicht ein Nebeneinander und nicht ein Miteinander? Ja klar, etwas anderes ist mir dem Narzissten auch nicht möglich.
Nach Sam Vaknin gibt es die primäre und die sekundäre Narzisstische Zufuhr.
Primäre Zufuhr ist sein Lebensstil, sein Vermögen/Besitz, sein Karriere, Bewunderung der Kollegen, Bekannten, seine Fähigkeit eine Frau zu verführen, sein Aussehen, Gesundheit, Fitness usw. wenn er "Somatic" ist; oder jemanden mit seinem Intellekt, Dr.-Titel, Buch-Veröffentlichungen, Auszeichnungen usw. zu beeindrucken, wenn er "Celebral" ist usw. - man könnte vielleicht auch sagen das Tag-tägliche oder Alltägliche, was den Narzissten als etwas Besonderes erscheinen lässt.
Sekundäre Zufuhr hat ausschließlich die Aufgabe den Narzissten daran zu erinnern, wie besonders er in der Vergangenheit gewesen ist. Diese Rolle ist dem narz. Partner vorbehalten, sie ist so eine Art persönlicher Biograf oder Gedächtnis des Narzissten.
Weil der Narzisst kein Selbst hat und ausschließlich als Spiegelbild in der Wahrnehmung anderer Menschen existiert, ist er ständig bemüht dieses präzise ausbalancierte Spiegelbild aufrecht zu erhalten und wenn aktuell keine primäre Zufuhr in ausreichender Menge vorhanden ist, tut es die Erinnerung an vergangene Erfolge in Form von sekundärer Zufuhr = der Erinnerung des Partners. Der Partner eines Narzissten hat lediglich die Aufgabe die narz. Zufuhr zu regulieren, denn der Narzisst existiert NUR als Wahrnehmung/Erinnerung anderer Menschen und wo nichts ist, kann auch nichts werden, oder?