Zitat von xmariex:vielleicht rolle ich es mal allgemeinen auf...laut Theorie sind die PS ja nichts später erworbenes sondern bereits in der Kindheit ievtl mit durch genetische Komponente entstandenes. Aber ist es nicht auch "normal" dass man mit einem Partner der einen über Idealisierung und Entwertung usw emotionale Achterbahn fahren lässt Velustangste, Selbstwertprobleme usw. entwickelt oder verstärkt? Wie erkennt man ob es eine PS ist oder noch eine normale Folge der Traumatisierung? Sind alle Therapeuten hierbei Experte genug?
Das sind sehr gute Fragen, ich wünschte ich hätte da auch nur eine halbwegs vernünftige Antwort drauf, aber ich bin ja auch nur bestenfalls möchtegern Hobby-Psychologe, wie wohl die meisten hier.
Genetische Dispositionen können im der Kindheit durch die Elten und durch Erfahrungen in der Jugend entweder verstärkt oder abgemildert werden. Soweit ich weiß geht man aber davon aus, dass Narzissmus (NPS) auch durch extremes Mobbing in der (frühen) Jugend entstehen kann. Auch können PS an sich als extreme Ausprägungen normaler Persönlichkeitsstile angesehen werden.
Narzisstischer Missbrauch durch den Partner kann zu Posttraumatischer Belastungsstörung oder sogar "erworbenem Narzissmus" beim Opfer führen. Erworbener Narzissmus oder posttraumatische Belastungsstörung durch narzisstischen Missbrauch sind oft behandlungsbedürftig, lassen aber mit der Zeit nach bzw. verschwinden wieder, das ist bei "echten" PS nicht der Fall.
Viele Psychologen und noch mehr Psychoanalytiker gehen davon aus, dass es so etwas wie komplementäre Störungen gibt, die sich gegenseitig anziehen/ergänzen. So als könnten sich Borderliner und Narzissten oder Abhängige und Narzissten gegenseitig "riechen", solche Paare aktivieren dann wiederholt gegenseitig das ursprüngliche (Kindheits-)Trauma oder die "innere Wunde", was immer das auch sein mag.
Viele chaotische Histrioniker/Borderliner suchen sich z.B. zwangsgestörte, kontrollierende Narzissten aus, weil sie diese "Stabilität" und Kontrolle brauchen, weil sie es selbst scheinbar nicht schaffen Ordnung in ihr Leben zu bringen.
Abhängige Persönlichkeiten können oft nur mit einem Partner an ihrer Seite richtig funktionieren und können für andere Menschen mit Leichtigkeit dinge meistern, die sie für sich selber nicht hinkriegen. Wahrscheinlich neigen die Persönlichkeitssgestörten eher dazu, sich "ergänzende" Partner auszusuchen und normale Menschen eher gleichartige, wobei hier die Frage wäre, ob nicht der Abhängige einfach nur nach einem "starken" Partner sucht und durch Zufall sozusagen an einen Narzissten gerät, weil er seinen Narzissmus fälschlicherweise als Stärke interpretiert und wiederum NUR ein sich selbst verleugnender, gestörter Mensch es an der Seite eines Narzissten aushält.
Es gibt ja auch diese Theorie, dass gestörte Persönlichkeiten unbewusst sich genau die Partner "aussuchen", die ihren Primärobjekten (Eltern) ähneln, um den ursprünglichen Konflikt in der Beziehung mit diesem Primärobjekt endgültig aufzulösen, viele Therapiemodelle setzen genau hier an, der Therapeut übernimmt bewusst die Rolle/Aufgabe des Primärobjekts.
Persönlichkeitsstörungen sind nicht "heilbar" weil sie grundlegende Bestandteile der Persönlichkeit beinhalten, die den Menschen ausmachen, man ist also die eigene Persönlichkeit und damit auch die Störung, allerdings können Verhaltensweisen und Denken angepasst und damit die Lebensqualität verbessert werden, die Aufklärung über die PS bei Borderlinern beispielsweise bringt in vielen Fällen an sich schon deutliche Verbesserungen. Leider fallen die meisten Menschen mit PS immer wieder in alte Verhaltens- und Denkmuster zurück, das gilt insbesondere für Narzissten, wobei es die Therapie dort durch Kognitive Abwehrmechanismen und Wahrnehmungsstörungen schon an der Einsicht scheitert. Benjamin schreibt z.B. davon, dass Menschen mit Antisozialer PS eigentlich erst eine Therapie zur Therapiebereitschaft brauchen, also eine spezielle Therapie (samt Zwangsmaßnahmen!), damit sie den Therapeuten zumindest halbwegs als solchen wahrnehmen können.
Ich würde ja behaupten, dass die meisten Therapeuten in Sachen Narzissmus durchaus gute Grundkenntnisse verfügen, vom narz. Missbrauch und dessen Folgen aber wenig bis keine Ahnung haben, aber das ist nur Spekulatius, ich kann das nicht objektiv beurteilen. Wenns nach mir ginge, müsste man allen Therapeuten Sam Vaknins Buch zu lesen geben
