Liebe zuversicht&stärke,
ich habe derzeit auch manchmal regelrechte Essattacken. Habe mir gestern Abend eine, naja, zugegebenermaßen kleine Wassermelone reingezogen. Da ich wieder verstärkt auf dem Sporttrip bin, wird sich wohl der Stressappetit bald wieder in Sportappetit wandeln. Ich habe mich in der Arbeit bewusst die letzten Wochen in das Schreibzimmer verzogen. Dass mir noch andauernd Mandanten sagen, um Himmels willen, wie sehen Sie denn aus? Geht es Ihnen nicht gut? - das hätte mir gerade noch gefehlt. Nächste Woche ist nach innerer Entrümplung dann die Fassadenreko dran, sozusagen von Kopf bis Fuß.
Liebe Tascha,
ich bin ein Mensch, der sehr gut und auch sehr laut über sich lachen kann. Sarkasmus ist mein dritter Vorname, Ironie mag ich sehr gerne. Es gibt allerdings einen nicht zu unterschätzenden Unterschied zwischen Ironie und Zynismus. Meiner war/ist komplett humorlos. Lediglich wenn er meinte, sich über mich lustig machen zu können, konnte er schallend lachen. Über sich selber überhaupt nicht. Beispiel: wir hatten letztes Jahr eine Radtour gemacht. Auf dem Parkplatz stellte er sein Fahrrad in die Halterung am Auto. Ich saß noch auf meinem Rad, stieg nasch rechts ab (mache ich sonst nie) und kippte prompt um. Ein junger Mann, der das aus seinem Fenster gesehen hatte, kam aus dem Haus gerannt, fragte mich, ob etwas passiert sei und half mir beim Aufstehen. Bein blau, Ellenborgen rechts lädiert. Mr. Evil guckte zu. Ich sagte dann zu dem jungen Mann, wenn er erzählt, dass er einer alternden

Frau aufgeholfen hat, möchte er bitte dazu sagen, dass ich mit dem fahrrad um- und nicht hingefallen bin. Ich konnte mich über meine eigene Grobmotorik kaum halten vor Lachen. Als er einmal Pfeffer statt Salz auf sein Frühstücksei kippte, hat er sich ÜBER MICH den ganzen Vormittag aufgeregt. Anmerkung: er hatte ausnahmsweise den Tisch gedeckt = sein Verschulden. Wie gesagt, no brain, no pain.
Tascha, wenn ich einen Menschen gern habe/verliebt bin/ihn liebe, möchte ich ihn auch meinen Freunden vorstellen. Er hat keine Freunde, nur Arbeitskollegen. Bis vor kurzem wussten noch nicht einmal die von meiner Existenz. Ausgeplaudert hat es ein Nachbar. Offiziell ist er getrennt und allein lebend

Er hat eine "Freundin", zu der er immer gefahren ist, wenn er keinen Ausweg mehr wusste. Ich nenne es heute emotionale Affäre. Er hat mich dieser Frau nie vorgestellt. Meine Freunde/Freundinnen waren ihm entweder zu intellektuell oder zu primitiv oder haben sich nur mit abgegeben, weil es Schmarotzer sind... "Ich musste Dich ja anlügen, damit Du keinen Stress machst" - vom Alter her könnte Deiner der Sohn von meinem sein. Diesen geistigen Dünnpfiff musste ich mir auch anhören. Der Stress, als die Lügen herauskamen, war natürlich schlimm - für ihn. Wie immer, wie Saxana sagte, die Schleifspur des Verbrechens. Ich war 17 Jahre verheiratet mit einem durch und druch bodenständigen, reflektierten, "normalen" Mann. So eine Heimlichtuerei und Rumlügerei gab es in den 17 Jahren Ehe nie - von beiden Seiten nicht. Klar sind die dreist, aber nur so lange, wie wir es mit uns machen lassen. Ich hatte in der letzten Zeit dann bewusst sein Verhalten gespiegelt, rate mal, was er diesbezüglich zu mir gesagt hat: "Mit so einer mürrischen, nörgeligen Frau kann man nicht zusammenleben, ewig dieses Gejammere, immer sind die anderen Schuld - such doch mal die Ursachen bei Dir!" Als ich ihm dann sagte, dass das genau sein Verhalten ist, war er beleidigt und ist verschwunden. Wie ein bockiger 4jähriger. Bockwurst eben.