Aprilwetter
Gast
Es war für mich sehr schwer, erkennen zu müssen, dass ich im Grunde das Beziehungsverhalten meiner Mama wiederhole. Um des lieben Friedens willen hat sie nicht aufgemuckt, immer versucht, ihm alles recht zu machen. Wohin verschwand ihre Energie? Im schwarzen Loch eines emotional Unersättlichen. Mir fallen gerade wieder so viele Dinge ein, mein Vater hat sich den kleinen Zeh gebrochen. Er lag 10! Wochen totsterbenskrank auf der Couch. Wir haben damals (1985-DDR) im Haus meiner Großeltern gewohnt. Meine Omi fragte ihn, wann er denn wieder arbeiten gehe. Antwort: IM betrieb ist momentan soviel zu tun, da lasse ich mich von der Betriebsärztin lieber noch krank schreiben. Die habe ich auf meiner Seite. Als ich aus der Schule nach Hause geschickt wurde, weil zusammengeklappt mit Diagnose Virusgrippe, hat er mich nach drei Tagen wieder zu Schule geschickt. Gegen hinhaltenden Widerstand meiner Mama und meiner Omi wurde ich ins Auto gesteckt und quasi persönlich abgegeben. Begründung seinerseits: ich ziehe keine Faulenzer und Schmarotzer groß!
Weil es so schön passt, mein Vater geht mit Fremdwörtern geradezu inflationär um, ohne deren Bdeutung wirklich zu kennen. Irgendwer wollte nicht nach seiner Pfeife tanzen und er sagte, dass Betreffender für ihn gestorben sei und da ist er ganz konsonant. Bei diesem Auisspruch war mein Ex-Ehemann dabei, wir haben uns im Auto ausgeschüttet vor lachen.

Ich hatte das Glück, dass wir bis zu meinem 15. Lebensjahr dank der sozialistischen Wohnungspolitik zusammen mit meinen Großeltern in einem Haus gewohnt haben. Ca. 60 m² für 5 Personen, Küche wurde gemeinsam genutzt, Baden im Waschhaus übern Hof, Zinkbadewanne in der Woche hochgeklappt. Meine Großeltern haben vieles kompensiert, mich an viele Sachen herangeführt, die mir sonst verschlossen geblieben wären. Für mich war es unendlich traurig, als meine Oma ins Pflegeheim kam und ihre Hausärztin damals zu mir sagte, es sei ein ganz großes Glück gewesen, dass mich sozusagen Oma und Opa erzogen haben. Es wollte sich keiner ausmalen, was aus mir geworden wäre, wenn meine Eltern früher eine Wohnung bekommen hätten. Oma und Opa habe ich unendlich viel zu verdanken und dafür bin ich sehr dankbar. Und genau dieses Abwerten Deines Vaters, was Du auch beschreibst, ist immer noch eine "herausragende" Eigenschaft meines Vaters. Nu stell Dich doch nicht so an! Ich sehe ihn gerade vor mir und höre ihn. Mama sitzt völlig verschüchtert im Sessel und wagt nicht einmal den Blick zu heben, er könnte ja mich treffen und sie hätte es noch tagelang auszubaden, dass sie, sein Weib, es gewagt hat, nicht seine Partei zu ergreifen. Lieblingssprüche meines Vaters: "Das Weib sei dem Manne untertan" und "Wenn Du zum Weib gehst, vergiss die Peitsche nicht.