Geschafft! Es war nicht einfach für mich, aber geschafft. Habe mich so gesetzt, dass sie nicht in meinem Blickfeld war, habe nicht ein einziges Mal zu ihr geschaut, sie keines Blickes gewürdigt – auch als wir danach noch mit etlichen Leuten zusammen gestanden haben.
Es war ein Gefühl wie bei der Kontaktsperre. Irgendwie dieses Unwohlsein und gleichzeitig Stolz und ein gutes Gefühl, es durchzuziehen.
Ich weiß nicht, wie sie reagiert hat, ob sie mal zu mir geschaut hat, fröhlich oder angespannt war – keine Ahnung. Ist mir auch egal gewesen, wie es ihr geht. Es geht jetzt nur um mich.
Etliche haben mir dann nach der Probe, weil Sommerpause war, ganz herzlich nachträglich zum Geburtstag gratuliert. Und da hatte ich wirklich das Gefühl, dass es ihr sehr unangenehm war, weil sie mir nicht gratuliert hat.
Ich war, für mich schon überraschend, ziemlich gut drauf, die anderen haben es mir aber auch leicht gemacht. Die Stimmung in der Gruppe war locker und es wurde gelacht. Und komischerweise hat es keine 5 Minuten gedauert und sie ist dann schon weggegangen. Habe dann ohne gefragt zu haben, von den anderen viel Lob bekommen, weil ich mich wie immer verhalten hätte. Ich hatte das erste Mal das Gefühl, stärker wie sie zu sein und das tut richtig gut. Das mir gestern Abend dann noch viel durch den Kopf gegangen ist, war mir sowieso schon vorher klar.
Und sie soll nicht auf die Idee kommen, sich noch mal bei mir zu melden und sich vielleicht wie letzten Samstag, als wir uns das erste Mal wieder gesehen haben, erneut darüber zu beschweren, dass ich sie ignoriere und sie nicht anspreche.
Was denken sich eigentlich solche Verlasser, fügen einem tieftes Leid zu und glauben allen Ernstes, auch nach wochenlanger Kontaktsperre, man müsste doch in der Lage sein, ganz normal mit ihnen umzugehen und zu reden oder wie in meinem Fall, sogar für eine Freundschaft bereit zu sein.
