Maxx22
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es tut mir ehrlich leid, wenn ich hier meine kleinteiligen Gedanken hinterlasse, aber ich weiß gerade nicht wohin mit diesen.
Eigentlich bin ich glücklich vergeben, habe Kinder, Job und die üblichen Ehekrisen, welche mit etwas Seelenstreicheln zu überstehen sind. Manche Hürde ist vielleicht etwas höher, aber solange alle Glücklich sind, finde ich nichts zu beklagen.
Arglos bin ich bis vor einigen Monaten so stets durch meinen Alltag gewandert.
Ohne es zu merken habe ich mich dennoch neu verliebt. In eine Kollegin. Es ist nicht so, dass ich meine Familie nicht mehr lieben würde. Die Liebe zu meiner Familie ist nach wie vor da. Geändert hat sich für mich eigentlich gar nichts. Erst hatte ich meine Begeisterung für diesen anderen Menschen immer wieder ignoriert. Zum einen, weil ich immer dachte, wenn ich mich neu verliebe, dann erlöschen die alten Gefühle oder würden verdrängt. Zum anderen, weil ich mir nicht zugestehen wollte, eine glückliche, funktionierende Beziehung aus egoistischen Empfindungen zerstören zu können. Als Mann mache ich mir ohnehin schon zu wenige Gedanken über die Empfindungen meiner Mitmenschen. Jedoch hatte ich bislang auch immer den Luxus, aus der dritten Reihe über die Gefühle und Entscheidungen anderer urteilen zu können.
Umso größer war mein Entsetzen über mich selbst, mich unversehens verliebt zu haben, ohne dies überhaupt zu wollen. Ich habe versucht, diese Gefühle wegzuschieben. Knapp ein halbes Jahr hatte ich das schon so gehalten und das hätte auch sicherlich noch eine Weile wunderbar funktioniert, wenn ich mich nicht im genau falschen Moment meiner Kollegin gegenüber verplappert hätte. War es im ersten Augenblick noch wunderbar, das ausgesprochen zu haben, ergriff mich Angst und Reue im nächsten.
Ich fühle mich grässlich, schäbig. Zugleich fasziniert mich, dass ich mich mit bald vierzig wie ein Jugendliche fühle. Ich entdecke Seiten an mir, welche ich nie haben wollte. Ich habe nicht einmal ein schlechtes Gewissen, für mein Verliebtsein. Das Gefühl ist zu wunderbar. Zugleich werfe ich mir aber vor, es nicht zu schaffen, dieses Gefühl zu kontrollieren.
Normalerweise spreche ich Probleme an, rede darüber, will meine Angelegenheiten schnell selbst klären. Aber in diesem Fall fühle ich mich, als stünde ich mit einem Fuß im Familiengericht, sobald ich ein Wort darüber verliere. Die Reaktionen der wenigen, mit denen ich bislang andeutungsweise darüber sprach, fallen wenig hilfreich und unisono immer gleich aus, von wegen mit Vorsatz Fremdgehen oder Lustmolch und so fort.
Eine Beichte gegenüber meinem Schatz traue ich mir ohnehin aus zweierlei Gründen nicht zu. Zum einen hat sie gerade begonnen, eine schwere Zeit hinter sich zu lassen. Sie braucht mich. Zum anderen, weil ich nicht mal weiß, was ich mit einem solchen Eingeständnis alles zerstören würde. Denn ich brauche auch meinen Schatz. Es ist nichts, was ich aufgeben könnte oder gar wollte.
Ich liebe meine Familie. Entsprechend frustriert bin ich überhaupt erst darüber, dass ausgerechnet mir so eine dumme Geschichte widerfährt. Ich ahne zudem, dass meine Schwärmerei, welche in dieser Geschichte bis jetzt noch viel zu kurz gekommen ist, diese Gefühle erwidert. Ich verdränge jeden Gedanken, der in diese Richtung geht. Entkommen kann ich ihr und dieser Situation nicht, da ich auf meinen Job angewiesen bin. Mit dem Vorgesetzten sprechen fällt auch weg, da hier wieder das alte Männerklischee greift. Baut der Mann Mist, muss die Frau dafür büßen. Das kann ich meiner Kollegin niemals antun.
Mit der umschwärmten Kollegin habe ich immerhin gesprochen. Ich kann nicht behaupten, dass dies eine gute Idee gewesen wäre. Sie blieb dabei zunächst völlig cool. Alles schien - auch für sie - absolut in Ordnung zu sein. Jedoch verschlechterte sich ihre Laune in den darauffolgenden zwei Wochen zusehends. Sie wurde sprunghaft, scheinbar grundlos böse und extrem launisch. Dann versuchte sie mich zu ignorieren - so gut das, getrennt durch eine halbhohe Rigipswand, eben möglich ist. Ein paar Mal hatte ich versucht, ihre Blockade zu brechen, mit ihr zu reden, aber mir jedes Mal eine harsche Abfuhr abgeholt. Blöderweise müssen wir zusammenarbeiten, da unsere Arbeitsbereiche zusammenliegen. Wir können uns schlicht nicht aus dem Weg gehen.
Einer anderen Kollegin fiel unser seltsamer Umgang nach kurzer Zeit schon auf. Sie versuchte zu vermitteln und brachte uns zu einem klärenden Gespräch in einem Raum zusammen. Am Ende saß ich sodann ziemlich aufgelöst vor meiner vor Wut schäumenden Kollegin. Sie hielt mir dabei vor, meine Familie, meine Kinder zu hintergehen. Auch was ich mir einbilden würde, etwas von ihr zu wollen. Ratlos und zugleich fasziniert verfolgte ich ihre Äußerungen und versuchte irgendwie ihre Angriffe und Herabwürdigungen aufzufangen und zu entschärfen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie mich versteht, denn im Grunde will ich tatsächlich nichts von ihr. Ich war im falschen Moment ehrlich und würde wohl nun dafür zurecht bestraft. So erniedrigt habe mich jedenfalls bis dahin noch nie gefühlt. Ich versuche mir einzureden, dass sei vielleicht nur ihre Art, mir helfen zu wollen. Ich weiß es nicht.
Würde sie meine Gefühle erwidern, würde mich das völlig zerreißen. So habe ich immerhin die Luft, mich mehr auf meine Familie zu konzentrieren.
Nicht zuletzt wegen den Erfahrungen während meiner Kindheit durch das sorglose Zwischenleben meiner Eltern habe ich immer gehofft, dass dieser Kelch an mir vorrübergehen würde. Nun hat es mich doch getroffen. Es fällt mir sehr schwer mit dieser Situation umzugehen. Diese unnötige Sehnsucht nach meiner Kollegin zugleich ersaufe ich im Selbstmitleid, warum ausgerechnet ich in so eine dumme Situation kommen muss. Denn eigentlich bin ich nicht so jammerig. Dazu habe ich auch schon zu viele beschissene Erfahrungen gesammelt und auch stets irgendwie überstanden, als dass mich so etwas runterziehen sollte.
Diese Krise jedoch gegenüber meinen Liebsten verschweigen zu müssen, macht mich echt fertig.
Sry für den Wortschwall.
LG