So ich versuche es mal. Ich kenne Deine Geschichte nicht und nehme mal an Dein Ex-Partner trennte sich nach einer funktionalen Beziehung von Dir. Sollte es eine dysfunktionale Beziehung gewesen sein, kann es nochmals andere Auswirkungen auf den Verarbeitungsprozess und die Symptome haben.
Zitat von Tia:1. ist es nach 5 Monaten nicht langsam an der Zeit, nach vorne zu schauen?
Das entscheidest nur Du ganz allein. Wichtig ist es aus meiner Sicht sich nicht selbst zu verurteilen und sich zu sagen, ich muss jetzt funktionieren. Es braucht so lange, wie es eben braucht.
Bei mir war es ca. 1 Jahr bis ich meine dysfunktionale Beziehung so aufgearbeitet hatte, dass ich auch eine Veränderung in mir spürte. Jetzt fällt sie auch anderen auf.
Wenn Du Dir dennoch eine Zeitspanne geben möchtest, dann halte Dich an das klassische Trauerjahr und sage Dir in 7 Monaten möchte ich eine bewusste Veränderung spüren. Dann kannst Du Dir überlegen, wie Du da hingelangen kannst. Dir den Weg ausmalen und vielleicht schon wieder kleine Visionen entwickeln. Der Weg ist das Ziel.

Zitat von Tia:2. Geduld. Hatte ich - jetzt geht sie weg. Warum?
Ich denke, dass ist nicht unüblich, dass man immer wieder kleine Rückschritte macht, die aber keine Rückschritte sind, da zwischen dem ersten und dem letzten etwas in Dir passiert. Bei mir hat sich zum Beispiel das Gefühl verändert beim Weinen, erst war es anstrengend und ich wollte das nicht. Ich war im Widerstand. Dann war es irgendwann ein Ventil und ich fühlte mich befreit.
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht allen Emotionen und Gefühlen, die da so kommen, Raum zu geben, sie nicht wegzudrücken, sondern da sein zu lassen und zuzulassen für den Moment. Es ging dann auch immer schneller, dass ich mich wieder besser gefühlt habe. Das fand ich interessant, es bewusst zu reflektieren und irgendwann die Gewissheit zu haben, es bleibt nicht, sondern es geht auch wieder.
Bei mir folgten auf Hochs meistens das ein oder andere Tief. Stimmungsschwankungen sozusagen, kam mir erst schräg vor und ich dachte meh das ist anstrengend. Aber ich denke es ist eine übliche Reaktion, der Körper befindet sich nach einer Trennung in einem Ausnahmezustand und memoriert die negativen Gefühle zunächst. Es braucht Zeit und wie eine andere Userin hier im Thread schrieb Achtsamkeit, ich würde Wiederholung ergänzen.
Versuche Dich im bewussten Umgang mit den Dingen zu üben, also Hirnen aber nicht absichtslos. Übe ein anderes Denken ein, gebe Deinem Gehirn die Möglichkeit Deine Nervenenden neu zu verschalten.

Da gibt es eine Reihe von Techniken, die hier auch immer wieder genannt werden: Meditation, Sport, insbesondere Yoga, NLP, The work, neue Routinen und Rituale.
Zitat von Tia:3. Wieso denkt man als Verlassener, dass der andere (Verlasser) irgendwie der bessere Part ist?
Und ich meine nicht seine Situation im Moment der Trennung.
Weil Verlassen etwas Starkes hat, man entscheidet sich bewusst für die Trennung von einem Mensch, den man liebt oder geliebt hat. Es ist eine Entscheidung für sich/mich. Als Verlassender wird diese Entscheidung als gegen einen selbst empfunden. Es trifft einen auf einer sehr persönlichen Ebene, denn wen lassen wir so nah und gleichzeitig intim an uns ran, wie den eigenen Partner. Eigentlich nur uns selbst. Er hat uns möglicherweise tief im inneren berührt. Das schmerzt unglaublich, weil uns der andere zu sagen scheint, so wie Du bist, liebe ich Dich nicht, passt Du nicht mehr, finde ich was passenderes etc. pp.. Und klar ein bisschen Ego ist auch dabei.

Ich denke im Grunde überwindet man auch diese Phase gut, denn es wird irgendwann unwichtig, welches Motiv der andere jetzt hatte oder warum er sich gegen einen entschieden hat. Mit dem Fokus auf Dich, merkst Du erst mal, was für Dich wichtig ist und das Du Dich genauso jeden Tag für Dich entscheiden kannst. Trennungen können eine Fundgrube an wahnsinnig mächtigen Self-Empowerment-Strategien sein.
Zitat von Tia:4. Kann man den Punkt, ab dem es einem egal wird, beeinflussen?
Ich glaube nicht, dass man das bewusst steuern kann. Es wird irgendwann kommen. Vielleicht kann man es üben, aber dann wäre man meiner Meinung nach wieder im Widerstand und der erzeugt meist Fokus auf das, was man ablehnt und einen Gegendruck.
Zitat von Tia:5. Welche Mittel sind ok?
Die anderen schrieben bereits, alles womit es Dir besser geht und Du weder Dir, noch jemand anderen schadest. Trostbeziehungen zähle ich zu den Dingen, die schaden. Aber das war evtl. nicht Deine Intention. Mittel können ja auch etwas stoffliches sein oder eine Sache wie Sport. Vielleicht kannst Du da nochmals drauf eingehen, wovon Du hier sprichst?
Zitat von Tia:6. Kann es sein, dass man durch Selbstreflektion genau das Gegenteil erreicht? Man fühlt sich immer schlechter? Vor lauter Analyse fast gar nichts mehr weiß?
Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung und in Gesprächen mit anderen, sowie aus vielen Podcasts, Blogs, Büchern und Artikeln, die ich gelesen habe, kann ich sagen, dass Selbstreflexion ein Geschenk sein kann. Damit meine ich bewusste Schattenarbeit. Jupp, ich kann nicht umhin, da eine spirituelle Rhetorik zu bemühen, aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und sich diese mal anzusehen, kann einen erheblich weiterbringen. Du musst Dich nicht im Leid suhlen, obwohl es auch solche Phasen gibt, aber Dir selbst bewusst machen, dass diese Trennung und die daraus entstandenen Schmerzen eine Chance für Weiterentwicklung, Wachstum, Neuausrichtung, mehr Selbst-Bewusstsein sein kann, hilft die ganze Sache neu zu bewerten.
Nicht als Niederlage, sondern als Teil des Lebens und so kannst Du in die Annahme eines natürlichen Prozesses kommen. Im besten Fall verändert sich Deine Perspektive auf ganz viele Dinge grundlegend, was Dir mehr innere Zufriedenheit, Gelassenheit und, das fand ich so faszinierend, ein tieferes Erleben von Dingen ermöglicht.
Und als Ergänzung: Wenn wir uns etwas anschauen, was bisher im Verborgenen blieb, tut es erst mal mehr weh. Es kann auch sein, dass da eben Urwunden auftauchen. Es wird erst schlimmer, um dann evtl. anders oder besser als vorher zu werden. Du wächst jeden Tag und eine Trennung als ungenutzte Chance verstreichen zu lassen, wäre doch eigentlich schade.
[quote="Tia"]7. wann ist es nur Ego? Wann ist es Immer-noch-Liebe? [quote]
Das finde ich persönlich schwer zu beantworten, weil das Ego sich nicht auflösen lässt, auch wenn manche das behaupten. Da kann man wieder mit Bewusstheit arbeiten, wann meine ich spricht das Ego in mir, wann nicht, wie kann ich das beeinflussen, damit es nicht mehr ganz so laut schreit.
Soviel dazu. Ich hoffe du kannst mit den ganzen guten Tipps hier in Deinem Thread etwas anfangen und dass sie Dir helfen.