Raupe
Gast
Zitat von Alena-52:dennoch halte ich es auch für die kinderseelen besser in einem harmonischen, ehrlichen elternhaus aufzuwachsen. kinder spüren genau wenn es anders ist in wirklichkeit als es ihnen im aussen vorgespielt wird und es kann die kinder sehr verwirren, weil sie das emotional wahrnehmen, gedanklich können sie das nicht zuordnen - sie machen sich ihre eigenen und speichern diese in sich.
Kinder spüren vieles und beziehen es naturgemäß häufig auf sich (sie sind halt der Nabel ihrer Welt..). Dennoch geht es hier nicht um eine dysfunktionale Eltern-Kind-Beziehung, sondern um ein Problem in der Paarbeziehung, und solche sind per definitionem a) unvermeidbar und b) zunächst einmal die Privatsache der Eltern.
Beim Thema Ehrlichkeit sind wir wohl alle einer Meinung, inklusive Fddi3. Er hat bereits vor einigen Seiten eingeräumt, dass offene Kommunikation zwischen ihm und seiner Frau eine Baustelle sei - und dass er daran arbeitet.
Ständige Harmonie in elterlichen Beziehungen ist dagegen eine lebensferne Illusion, die ich keinem Kind wünsche. Wo sonst außer im Elternhaus soll es lernen, dass Beziehungen kein Selbstläufer, sondern mit Arbeit verbunden sind, dass und wie man Konflikte konstruktiv lösen kann und was kleine Menschen sich sonst noch so vom Umgang der Großen mit ihren Problemen abgucken?
Ehen stellen den Anspruch, ihre Partner bis zum Tod aneinander binden, in guten wie in schlechten Zeiten. Doch wenn die schlechte Zeit dann tatsächlich in Gestalt einer Affäre vor ihnen steht, fällt Betroffenen auffallend oft wenig mehr dazu ein als Verzichtserpressung (durch Trennungsandrohung) oder Trennung.
Kinder sind tagtäglich mit solchem und ähnlichem fehlendem Einklang von innerem Anspruch und äußerer Realität konfrontiert, das ist ein Phänomen, dass sich von der Wiege bis zur Bahre durch unser Menschenleben zieht. Es schadet ihnen nicht, sich diesbezüglich frühzeitig ein bisschen Ambiguitätstoleranz anzugewöhnen. Konflikte zwischen ihren Eltern sind für Kinder kurz gesagt nur dann schädlich, wenn ihre Eltern es nicht geregelt kriegen, regelmäßige Win-Win-Lösungen zu generieren.
Diesen Exkurs abschließend, erlaube ich mir noch den folgenden Gedanken hier abzuladen: Trennungen wegen Untreue haben oft eine den Fremdgänger bestrafende Komponente ("du bist fremdgegangen, deshalb muss ich dich verlassen"). Das kann für die Kinder einen massiv verschärfenden Einfluss auf den ohnehin unvermeidbaren Loyalitätskonflikt zwischen ihren geliebten, aber nun getrennten Eltern haben. Einer der beiden ist schließlich "schuld" an der Trennung, und verletzte, trauernde Eltern sind naturgemäß nicht immer in Topform, was das Kaschieren ihrer Schuldzuweisungen betrifft.
Ich finde es nicht zuletzt deshalb grundsätzlich gut und richtig, dass Betroffene erstmal alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um ihre Beziehungen zu stabilisieren. Wenn sie dabei willens sind, auch ungewohnte Pfade und kreative Lösungen auszuprobieren, umso besser! So eine Trennung läuft ja nicht weg, falls man am Ende doch darauf zurückgreifen muss, kann man das schließlich immer noch tun.
Apropos neue Pfade und kreative Ideen - Franc, unsere Grundeinstellungen mögen sehr verschieden sein, aber diese Idee ist an Einfallsreichtum kaum zu überbieten, das hat ja Drehbuchqualitäten