sunshine71
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nachdem ich nun tagelang verschiedene Foren durchforstet habe, möchte ich gerne mein eigenes Anliegen schildern.
Ich (W, 25) habe Ende letzten Jahres und Anfang diesen Jahres eine längere Zeit im Ausland im Rahmen meines Studiums verbracht. Anfang des Jahres habe ich dort meinen jetzigen Freund (30) kennengelernt. Der erste Monat war sehr harmonisch, wir haben tolle Momente erlebt. Ab dem zweiten Monat hat dann die Realität eingesetzt und die Beziehung lief nicht mehr so rund. Er hatte starke Stimmungsschwankungen und war beruflich sehr eingespannt. Mein Auslandssemester sollte eigentlich nur bis Ende März gehen, weshalb wir beide nicht wussten, in wieweit eine Beziehung, die dann als Fernbeziehung weitergeführt werden würde, funktionieren würde. Ich konnte den Aufenthalt dann nochmal um drei weitere Monate verlängern, was uns noch mehr Zeit gegeben hat. In der Zwischenzeit hatten wir neben schönen Momenten allerdings auch viele schwierige, die mich an der Beziehung haben zweifeln lassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Heimat bin ich wieder ins Ausland zurückgekehrt. Dort musste ich dann innerhalb der Stadt umziehen, was meine Routine der vorherigen Monate ziemlich über den Haufen geworfen hat. Ich war in der neuen Gegend sehr unglücklich, ich konnte meinen Freund nicht mehr so einfach sehen und ich fühlte mich allgemein total einsam, da ich sonst keine Kontakte hatte.
Ich habe mich also im Fitnessstudio angemeldet und nach einiger Zeit wurde ich dort von einem Mann angesprochen. Erst war das reiner smalltalk über den Sport im Allgemeinen, irgendwann haben wir dann Nummern ausgetauscht, jedoch habe ich ihm klar gemacht, dass ich vergeben bin. Meinem Freund habe ich davon auch erzählt. Nachdem mich dieser Mann dann gefragt hat, ob wir mal einen Kaffee trinken gehen wollte - und ich das einfach nett fand und ich suchte ja auch neue Freunde - hatten mein Freund und ich eine sehr große Auseinandersetzung, weil er das nicht wollte, da er ihm nicht traute. Das habe ich dem Mann auch kommuniziert und meinte, dass wir es einfach bei dieser Gym Bekanntschaft belassen sollten. Er hat mich jedoch immer wieder gefragt und mir versichert, dass alles rein freundschaftlich ist. Nachdem er mir dann auch noch erzählt hat, dass er gleichgeschlechtlich1 ist, bestand für mich kein Grund zur Sorge mehr. Also traf ich mich mit ihm auf einen Kaffee, ohne meinem Freund davon zu erzählen. Wir haben uns gut verstanden und uns gut unterhalten. Jedoch beichtete er mir, dass die gleichgeschlechtlich1 eine Lüge war, da ich mich sonst ja nie mit ihm getroffen hätte. Das hat mich schon sehr wütend gemacht. Trotzdem war es ein schönes Treffen, aber für mich rein freundschaftlich.
Mit meinem Freund hatte ich während dieser Zeit immer wieder schwierige Momente. Er war sehr schlecht drauf, ich hatte keine Möglichkeit, ihm bei seinen Problemen beizustehen, außer eben Beistand zu leisten, was ich auch getan habe. Trotzdem wurde meine Unzufriedenheit immer größer.
Ein paar Wochen später traf ich mich wieder mit dem Mann. Für mich war das eine Chance, mich mal mit einer anderen Person zu unterhalten, ein wenig Abwechslung zu haben, aber alles nur rein freundschaftlich und das habe ich ihm auch immer wieder gesagt.
Bei dem Treffen hat er mich dann jedoch geküsst. Ich habe mich dagegen gewehrt und wollte das nicht, ich habe mich mehrmals abgewandt, doch er hat nicht locker gelassen. Schließlich habe ich den Kuss dann leider erwidert. Ich glaube, in dem Moment hat sich diese kurzfristige Anerkennung für mich gut angefühlt. Direkt danach bin ich gegangen, weil ich total bestürzt von mir selbst war und das nichts ist, was ich jemals tun wollte. Ich hatte keinerlei Gefühle für diesen Mann, mir hat das nichts bedeutet. Ich habe ihn daraufhin auch direkt blockiert und jeglichen Kontakt abgebrochen. Er hat diesen schwachen Moment von mir ausgenutzt, um auf seine Kosten zu kommen.
Meinem Freund habe ich davon nichts erzählt, weil wir eben vorher schon das Streitgespräch hatten und er auf keinen Fall wollte, dass ich mich mit ihm treffe.
Nun, ein paar Monate später, nachdem ich wieder in der Heimat bin, hatten mein Freund und ich eine sehr große Krise wegen einer anderen Situation, aufgrund derer ich mich kurzzeitig von ihm trennte. Nach langen Gesprächen haben wir uns nun dazu entschieden, uns eine zweite Chance zu geben.
Nun holt mich jedoch das schlechte Gewissen ein. Ich schäme mich, dass ich mich damals ohne Wissen meines Freundes mit diesem Mann getroffen habe und es zu diesem Kuss kam. Ich weiß, dass er sich von mir trennen würde, wenn ich es ihm erzählen würde. Vor allem weil das Vertrauen sowieso schon etwas angeknackst ist. Doch mein schlechtes Gewissen frisst mich auf. Ich habe seit Tagen Herzrasen, kann an nichts anderes mehr denken, habe keinen Appetit und fühle mich extrem schlecht.
Wir haben unserer Beziehung nach der Trennung gerade eben erst eine zweite Chance gegeben und ich möchte diese nicht zerstören. Ich möchte mit dem, was passiert ist, abschließen, das hinter mir lassen und als großen Fehler abhaken, vor allem weil es für mich keinerlei Bedeutung hatte. Ich möchte diese zweite Chance für unsere Beziehung nutzen. Doch jedes Mal, wenn auf FaceTime sein Gesicht aufploppt, muss ich an diese Untreue denken. Ich fühle mich unglaublich schlecht und denke mir, dass ich ihn gar nicht verdient habe. Er gibt sich seit der zweiten Chance extrem viel Mühe und ist sehr liebevoll, was mein schlechtes Gewissen noch mehr befeuert. Wir haben lange und intensiv über die Probleme in unserer Beziehung gesprochen und woran wir individuell arbeiten müssen. Trotzdem fühle ich mich so schuldig, dass er nicht die ganze Wahrheit weiß. Ich weiß, dass sie ihn extrem verletzen würde. Und ich möchte mein schlechtes Gewissen nicht auf seine Kosten erleichtern, das wäre nicht fair. Trotzdem komme ich mit diesen Gewissensbissen überhaupt nicht zurecht. Ich fühle mich so unwürdig und als schlechter Mensch.
Ich verurteile mich selbst so sehr für diese Situation und kann mir nicht verzeihen. Ich weiß, dass ich nun mit diesem schlechten Gewissen leben muss, doch es fällt mir im Moment sehr schwer.
Ich würde mich freuen, eure Gedanken zu dieser Situation zu lesen.