Justus33
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Ich (M33) wende mich heute an euch, da ich irgendwie nicht mehr weiter weiß. Gewissermaßen habe ich das Gefühl ich komme aus diesem Gedankenstrudel ohne Ergebnis nicht mehr raus. Ich hatte auch schon ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten dazu.
Ich bin mit meiner Freundin seit 10 Jahren zusammen und wir wollen diesen Sommer heiraten. Ich liebe sie wirklich über alles und kann mir niemand anders mehr an meiner Seite vorstellen.
Nun war das leider nicht immer so und ich habe Mist gebaut in der Vergangenheit, ich schaffe es nicht mir selber zu verzeihen.
Als wir uns ca. ein halbes Jahr kannten, aber schon offiziell zusammen waren, war ich feiern. Ich war bereits zu Hause, als meine damalige Ex klingelte und bei uns in der WG schlafen wollte. Ende vom Lied wir lagen zusammen im Wohnzimmer auf der Couch. Ich nehme an aus alter Vertrautheit und Restalkohol haben wir etwas gefummelt, allerdings ohne Kuss und ohne wirklich Intim zu werden.
Dann 3 und 4 Jahre später habe ich je einmal betrunken in einer Disco mit einer unbekannten rumgeknutscht. Keine Gefühle, aber ich hab es nicht fertig gebracht es meiner Freundin zu sagen. Bereut habe ich es damals schon sehr.
All die Jahre habe ich das verdrängt, aus heutiger Sicht - keine Ahnung wie. Ich glaube, dass ich immer so beschäftigt war mit Job etc.
Dann kam Corona und ich habe gemerkt was mir eigentlich wirklich wichtig ist. Seit dem ist unsere Beziehung so viel schöner geworden und ich liebe sie jeden Tag mehr.
Ich habe versucht mein damaliges Verhalten zu reflektieren auch naturlich um mich selbst zu verstehen und ggf. zu verzeihen.
* Ich glaube, dass ich damals nicht wirklich glücklich war in der Beziehung. Mal mehr mal weniger. Aus heutiger Sicht für mich nicht nachvollziehbar, aber ich bin mir recht sicher, dass es so war. Das soll mein Verhalten nicht rechtfertigen, aber ist für mich eine Erklärung.
* irgendwie war es früher normal als single, in den Club zu gehen und mit jemand zu tanzen/küssen und irgendwie war die Hemmschwelle deshalb glaube ich niedriger (zumindest im Suff). Trotzdem war das naturlich mehr als respektlos in der Beziehung. Ich glaube, dass Ich das viel zu spät erst klar gesehen habe.
Immer wieder habe ich mich damit beschäftigt, ob ich ihr das sagen soll. Hab mich jedoch immer dagegen entschieden , weil ich es nicht fertig gebracht habe sie zu verletzen. Sie ist ohnehin jemand, der Angst vor Betrug hat (wodurch ich mich selbst als noch viel schlimmerer Mensch sehe).
Nun, da die Hochzeit ansteht - es ist kaum auszuhalten. Ich schaue in ihre glücklichen Augen und möchte so gerne mit ihr eine Zukunft aufbauen. Aber ich empfinde mich selbst als so großer Lügner, dass ich das nicht verdient habe.
Ich drehe mich um folgenden Gedankenkreis:
* meistens denke ich, dass ich nichts sagen sollte um mein schlechtes Gewissen nicht bei ihr abzuladen. Um ehrlich zu sein, wenn sie mir sowas nach all den Jahren erzählen würde, ich würde denken was soll ich jetzt mit der Info. Mir wäre im Wesentlichen wichtig, ob es einen Einfluss auf unsere aktuelle Beziehung hat. Aber ich weiß, sie wäre absolut fertig - keine Ahnung mit welchen Konsequenzen.
* dann andererseits möchte ich ehrlich sein und sie entscheiden lassen mit wem sie ihr Leben verbringen möchte. Da fühlt es sich jetzt kurz vor der Ehe wirklich wie allerletzte Station an. Ich weiß nicht, ob das je vergeht oder ob ich diese schwere Last immer mit mir tragen muss. Ich fühle mich als Riesen Lügner ihr das zu verheimlichen.
Und so komme ich zu keinem Entschluss zwischen diesen beiden Punkten.
Ich glaube ehrlich gesagt, dass die Beziehung vielleicht anders verlaufen wäre, wären diese Sachen nicht passiert. Irgendwie haben sie mich zu dem gemacht, der ich heute bin und meinen moralischen Kompass gedreht. Aber das kann ich ihr leider nicht sagen.
Ich fühle mich wie gefangen in dieser Situation, wie in einem schlechten Traum. Ich weiß, dass ich selbst schuld bin und ihr könnt sagen, das hättest du dir früher überlegen sollen. Aber nun steh ich jetzt hier, die letzten 5 Jahre war ich treu, und weiß nichts mit mir anzufangen. Ich kenne die richtige Antwort auf die Situation einfach nicht und deshalb kann ich keinen Frieden finden. Ich gehe teilweise über die Straße, schaue Leute an und denke „der sieht aus als hätte er keinen Mist gemacht, der führt sicherlich ein glückliches und reines Leben“
Der Zeitpunkt ist denkbar schlecht, ein paar Monate vor der Hochzeit. Vielleicht habt ihr ja ein paar Worte für mich. Denkt ihr ich übertreibe und Steiger mich da rein oder ist mein Bauchgefühl angebracht? Danke euch.