Zitat von Zerrissener: Mein Punkt war aber etwas anders gemeint. Soll wirklich jeder der ein Mal etwas anstellt sein Leben lang gebrandmarkt bleiben?
Meiner Meinung nach: Ganz sicher nicht.
Allerdings ist es wünschenswert, dass derjenige, der etwas "angestellt" hat, sich auch darüber bewusst wird und sich vornimmt, in Zukunft anders zu handeln.
Du sagst ja selbst: 90% der Gefängnisinsassen sind "unschuldig". Einfach nur blöd gelaufen

Dann kann das natürlich nichts werden.
Zitat von Zerrissener: Ich meine nicht dass allen alles vergeben werden muss - ich meine nur dass man schon differenzieren muss ob jemand stiehlt weil er Geld machen will oder weil er Hunger hat.
Auch das ist absolut richtig. Es gibt durchaus Unterschiede der Beweggründe. Und nicht alle sind moralisch gleichermaßen verwerflich. Manche sind es gar nicht.
Zitat von Zerrissener: Oder anders/persönlicher gefragt, würde dein Partner Dir Beichten, dass er sich zu jemand anders hingezogen fühlt und derzeit wer ein noch aus weiß was er tun soll.
Wäre Deine Antwort dann „ok es gibt jemand anderen - klar du kannst nichts dafür, ich weiß, aber trotzdem, das war’s jetzt mit uns!“
Und dennoch:
Würde mir mein Partner sagen, dass er sich zu einer anderen hingezogen fühlt (und zwar ernsthaft), dann würde ich ihm genau das sagen: Das war's jetzt mit uns.
Nicht, weil ich ihn moralisch (oder sonstwie) verurteilen würde und auch nicht, weil ich ihn nicht verstehen könnte. Er kann ja wirklich nichts dafür.
Ich selbst wäre mir allerdings zu schade dafür, neben und mit jemandem zu leben, der sich nach einer anderen sehnt. Und dies nicht aus Stolz, sondern aus der inzwischen schon sprichwörtlichen Selbstliebe und Selbstwertschätzung heraus.
Ich möchte mit jemandem leben, der mich liebt, so wie ich ihn. Und wenn mein Partner das nicht mehr kann, dann ist er eben nicht mehr der richtige Partner.
Also würde ich die Beziehung beenden. Vielleicht traurig darüber, aber ohne Groll und ohne Verurteilung des anderen.
Und ich würde es ihm hoch anrechnen, dass er mir die Wahrheit gesagt hat, obwohl er deswegen womöglich Konsequenzen zu befürchten hat.
Ich würde es sozusagen als letzten Liebesdienst betrachten, dass mein Partner mich nicht im Unklaren lässt über etwas, das ich höchstwahrscheinlich sowieso spüre, aber bisher vielleicht nicht so richtig einordnen konnte. Ich würde ein Geständnis als einen Akt des Respekts und der Achtung vor mir interpretieren.
Kann auch sein, dass das Leben uns dann eines Tages wieder zusammenführt. Wer weiß das schon? Aber die alte Beziehung, die wir einmal hatten, wäre für mich auf jeden Fall vorbei.
Auf jeden Fall mindestens so lange, bis der andere sich völlig klar darüber ist, wen er tatsächlich liebt.
Und das findet der sicher nicht in fünf Minuten und wahrscheinlich auch nicht in fünf Monaten heraus. So etwas braucht Zeit, weil meistens viel mehr dranhängt, als man zunächst meint.
Eine Frage an dich:
Wolltest du ernsthaft mit einer Partnerin zusammensein, die sich in ihren Tagträumen nach einem anderen sehnt und deren Gefühle nicht mehr bei dir sind?
Einfach nur, damit du sie nicht verlierst?
Denn auf einer sehr wichtigen Ebene (der wichtigsten, meiner Ansicht nach) hast du sie ja bereits verloren.