@elisabeth123
Es ist ja nicht so, daß ich Dich nicht verstehen könnte, daß Du nach einer langjährigen zerstörerischen Beziehung Beziehungs- und Bindungsprobleme hast (hattest).
Aber dennoch stellen sich mir, wenn ich das lese, verschiedene Fragen.
Z. B. vor allem diese: Warum bleibt man so lange in einer schlimmen Beziehung, bis nahezu nichts mehr von einem übrigbleibt? Auch da muß ja schon irgendwo ein Hund begraben liegen. Denn zumindest heutzutage ist das keine Notwendigkeit mehr.
Ich bin auch nicht der Meinung, daß man dann "Beziehungsversuche" starten muß, um zu merken, ob die Schäden, die die letzte Beziehung hinterlassen hat, wieder überwunden sind. Das merkt man nämlich auch an seinem eigenen Selbstgefühl, wenn man wirklich hineinhört in sich, und braucht sich nicht auf Experimente einzulassen, die ja nicht nur einem anderen schaden können (ich stelle mir vor, jemand liebt Dich ernsthaft, und Du sagst dann aus blauem Himmel heraus einfach: "Tut mir leid, aber ich bin noch nicht beziehungsfähig - danke, tschüß!"), sondern auch Deine eigenen Verwundungen sogar noch vertiefen können.
Ob Du es nun glaubst oder nicht, aber auch als Mann kann einem durchaus bewußt sein, daß eine Schwangerschaft IMMER die Ausnahme ist und von sehr vielen Faktoren abhängt. Allein ein Schuß zur rechten Zeit reicht bei weitem noch nicht. Und ebenso ist mir klar, daß die Fruchtbarkeit mit den Jahren abnimmt. Im Wildschweintümpel der völligen Ahnungslosigkeit habe ich mich auch nicht gerade mein Leben lang gesuhlt

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Aber darum ist es ja nicht gegangen. Sondern allein um die Absicht. Das ist für mich unbegreiflich. Ob es dann klappt oder nicht, ist hier gar nicht die Frage.
Das zu durchschauen ist nun einmal auch nicht so einfach. Denn einerseits sagst Du, es war ursprünglich sein Wunsch, d. h., auf den Punkt gebracht, Du warst bereit, für ihn ein Kind auszutragen, weil er sich offenbar ein Kind wünscht (wie alt ist er eigentlich?, nebenbei gefragt). Anderseits sagst Du aber auch, daß Du für das Kind auch alleine sorgen kannst. Und nun? Was hat denn dann er von dem erwünschten Kind? Nur die befreiende Gewißheit, daß er sich fortgepflanzt hat?
Ich habe auch nicht behauptet, daß Kinder nur gezeugt werden sollten unter einer lebenslangen Beziehungsgarantie. Denn das wäre auch ein völliger Unfug. Was ich aber gesagt habe, war, daß zum Zeitpunkt der Zeugung zumindest die Hoffnung auf eine familiäre Zukunft bestehen sollte (also die Beziehung intakt und zukunftsträchtig sein sollte). Und die besteht bei Euch gegenwärtig einfach nicht.
Das mit dem "Hochkriegen" jenseits der 50 ist halt so eine Sache ... Nach einer langen Beziehung liegen entsprechende Probleme nicht immer am körperlichen Verfall, sondern des öfteren auch ganz einfach an der mangelnden Erregung, nachdem ero. und Sinnlichkeit schon längst den Bach runtergegangen sind.
Zugegeben: Frauen haben es da leichter - die können nebenher auch fernsehen, stricken oder die Zeitung lesen (falls ihnen der Mann nicht im Weg liegt).
Und zu meiner ausgemachten Frechheit kann ich nur sagen: Ich unterstelle Dir nichts, sondern das entspricht lediglich meiner Erfahrung. Ich habe auch nicht gesagt, daß es Deine bewußte Absicht wäre, durch ein Kind in eine Machtposition zu kommen, die Dir beziehungsmäßig mehr Sicherheit gibt. Aber man sollte manchmal vielleicht auch darüber nachdenken, was hier unbewußt alles ablaufen kann und was dem Unbewußten alles einfällt, um z. B. Verlustängste zu kompensieren. (Du wirst doch zumindest zugestehen müssen, daß es etwas eigentümlich wirkt, in einer solch mehr als labilen Beziehungssituation nahezu mit dem Brecheisen ein Kind zustande bringen zu wollen.)
Auch bei Deiner langjährigen schlimmen Beziehung wird ein Kind schon eine wesentliche Rolle gespielt haben. Und allein deshalb wirst Du durch eigene Erfahrung wissen, welche mächtige Bindungskraft ein gemeinsames Kind hervorrufen kann.
Schöne Weihnachten!