Lana_84
Gast
mein Freund (27) hat mich (29) gestern - ganz unerwartet - verlassen. Wir waren auf einer Geburtstagsfeier von Freunden, beide angetrunken, hatten einen Streit und dann platzt auf einmal alles aus ihm heraus:
Er könne so nicht mehr weitermachen, schiebt das schon länger vor sich her, wollte Rücksicht nehmen und bis kurz nach Weihnachten mit dem Schluss machen warten. Er habe aber solche Gewissensbisse und Konflikte mit sich selbst, dass er nicht mehr kann und mir jetzt die Karten offen auf den Tisch legen muss.
Ich verstehe die Welt gerade nicht mehr. Eigentlich sehe ich überhaupt keinen Grund für die Trennung. Von meiner Sichtweise war 2013 das beste Jahr, das wir je hatten (wir waren 9 Jahre zusammen). Ich habe gemerkt, dass es ab Mitte November bei uns nicht mehr so toll lief, dachte der Grund läge bei ihm am Arbeitsstress und habe noch versucht extra fürsorglich und rücksichtsvoll zu sein und ihm unsere Zeit zu Hause so schön wie ich konnte zu machen - aber das schien ihm alles schon egal zu sein.
Er sagt er liebt mich nicht mehr. Etwa seit Dezember. Das war vor 2 Jahren schon mal so, dass er das nicht mehr wusste. Nur habe ich damals mit allen Kräften um die Beziehung gekämpft.
Dazu kommt noch, dass er mit sich selbst psychische Probleme / Selbstzweifel hat und es jedem Mensch recht machen möchte. Er hat mir Anfang des Jahres mal davon erzählt. War bei einigen Ärzten, die ihm zwar zu irgendwas geraten haben. Aber dann ist das wieder in Vergessenheit geraten und ich habe angenommen, ihm ginge es wieder gut.
Er sagt, er halte diesen Druck in seinem Kopf nicht mehr aus, hätte das Problem die ganze Zeit mit geschleppt und kann manchmal garnicht mehr klar denken. Er geht seit Herbst fast jedes Wochenende feiern um diesen Druck zu "ertränken". Dann kommt er manchmal nachts oder erst am nächsten Tag nach Hause. Ich bin schon oft aufgewacht und erschrocken, weil er nicht neben mir im Bett gelegen hat. Aus lauter Sorge, dass er total betrunken ist und ihm etwas passieren könnte, konnte ich keine Sekunde mehr schlafen. Habe auch versucht ihn auf dem Handy zu erreichen, wo er nicht ran gegangen ist und dann hatte ich totale Panik, weil ich überhaupt nicht bescheid wusste, wo er ist und was los ist.
Diese Zeit hat sich bis jetzt fortgesetzt und auch an der o. g. Geburtstagsfeier hat er sich betrunken und das war auch der Auslöser für den Streit.
Ich kann verstehen, dass er psychische Probleme hat. Ich kann verstehen, dass er die Probleme irgendwie los werden will. Aber Alk. ist keine Lösung. Stattdessen meinte er, dass ich das Problem bin, weil er mir weh tut in dem Verhalten, dass er an den Tag legt. Er wisse, dass ich die beste Freundin der Welt wäre und das nicht verdient habe. Aber er hätte aus Rücksicht auf mich ein "zweites Leben" (Partyleben) ohne mich begonnen. Das ist sogar wahr, denn er wollte mich bei den Feiereien nicht dabei haben, weil er nicht wollte, dass ich ihn so sehe und er sich dann nicht mehr unter Kontrolle hat und mich schlecht behandelt. Das würde gegen dieses "ich will es jedem recht machen" widersprechen. Un damit er sowas vermeiden kann, sollte ich nicht dabei sein.
Das hat er gestern zu mir gesagt, als wir geredet haben. Ich verstehe die Welt überhaupt nicht mehr. Er glaubt an dieses Partyleben und seine oberflächlichen Saufkumpanen mehr als an mich - wobei ich ihn schon die ganzen Jahre immer bei egal was unterstützt habe und er genau weiß, dass ich immer das Beste für ihn wollte und auch diesmal hinter ihm stehen würde. Ich habe vorgeschlagen, dass er professionelle Hilfe annehmen soll. Ob er das nun tut, weiß ich nicht. Ich kann es ja nicht mehr beeinflussen. Sorgen mache ich mir sehr große, weil er gemeint hat, dass die Probleme oder Gedanken, die ihn verfolgen so schlimm wären, dass er sich manchmal am liebsten vor einen Zug werfen würde. Als ich das gehört habe, war ich total schockiert.
Er meint, er ist auch teilweise unzufrieden, weil ihm die Gegend (das hier bei mir sein / unsere Wohnung) nicht mehr gefällt. Er möchte raus von dort und geht auch deshalb oft feiern. Aber für mich ist es unvorstellbar weg zu ziehen. Noch dazu wusste ich davon auch überhaupt nichts.
Ich bin gerade so entsetzt, dass er mit mir darüber nicht schon viel eher geredet hat. Er ist so einer, der erstmal alles mit sich selbst ausmachen muss und nicht gern über Probleme spricht. Irgendwie hat er schon längst mit allem abgeschlossen und sich für einen neuen Weg entschieden. Die Krise vor 2 Jahren hat mir damals auch so viel Kraft geraubt, dass ich nicht mehr weiß, ob ich es jetzt nochmal schaffen würde darum zu kämpfen.
Und das komische ist dieses Mal auch, dass er mir das so klar gesagt hat, und ich mir hilflos vor komme. Ich kann ihm bei seinem Problem nicht helfen - außer ihn unterstützen. Aber das geht nur, wenn ich noch Teil von seinem Leben wäre.
Ich bin so schockiert, dass das alles so unerwartet passiert, dass ich es garnicht glauben kann. Alles läuft einfach wie ein Film an mir vorbei. Ich habe kaum geweint, die Fassung bewahrt und nur einfach nichts gesagt. So habe ich noch nie reagiert.
Das letzte was mich umgehauen hat, war dass er gesagt hat, dass er nie heiraten und auch keine Kinder will. Er sieht sich nicht in so einer Position und glaubt nicht mal, dass er 30 wird, wenn das alles so weiter geht. Ich bin einfach enttäuscht darüber.
Er war immer ein Mensch, dem seine Familie wichtig war und in letzter Zeit ist er zu seinen Verwandten nur noch richtig patzig und unfreundlich, wenn mal jemand bei uns anruft.
Wie kann man sich nur so verändern? Ich versuche das Ganze jetzt schon nicht mehr aus meiner Sicht, sondern von Außenstehenden zu sehen und so langsam wird mir klar, dass das nicht mehr der Mann ist, in den ich mich damals verliebt habe.
Es ist nur so schwer das vom Verstand auf das Herz zu übertragen. Denn ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist. Er fehlt. Manchmal hoffe ich, dass er nochmal drüber nachdenkt und diesem blöden Partyleben einen Schlussstrich zieht. Ich glaube aber nicht daran, weil ich auf der einen Seite stehe und ganz viele Feier-Idioten auf der anderen.
Vielleicht sieht er es irgendwann ein, aber dann ist es für mich sicher zu spät und für ihn auch. Ich hätte nie gedacht, dass unsere Beziehung mal so endet.
Jetzt versuche ich darüber hinweg zu kommen und bin froh, dass ich noch nicht in ein Loch gefallen bin. Ich versuche momentan immer noch klar zu denken und Haltung zu bewahren. Ich habe nur Angst davor, dass irgendwann alles ganz schlimm hoch kommt und ich die schlimme Zeit, die ich vor 2 Jahren hatte, nochmal durch machen muss.
Ich zwinge mich zu essen, habe mir eine Liste mit all den schlimmen Dingen geschrieben, die in letzter Zeit passiert sind, damit ich immer nachlesen kann, wenn ich doch wieder ins Zweifeln gerate. Und ich versuche meine Zeit so gut es geht mit Freundinnen zu verplanen.
Angst habe ich nur vor den Weihnachtsfeiertagen, weil ich da mit niemandem etwas unternehmen kann
