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Freund sagt, er kann nichts mehr fühlen

KeineAhnung2019

Guten morgen zusammen,
ich bin in einer für mich neuen Situation, die ich weder einschätzen noch interpretieren kann :cry: ich hoffe hier kann mir der ein oder andere einen Tipp geben, oder einfach eine objektive Sicht auf die Dinge, oder einfach Erfahrungen die damit gemacht wurden.

Ich bin jetzt mit meinem Partner ca 1 Jahr zusammen. Wir haben bzw. hatten eine wunderschöne Zeit - Urlaube, Ausflüge und und und. Wir verstehen uns "blind", klar gibt es hin und wieder Reiberein. wo nicht? aber alles in allem ist es entspannt und wir passen gut zusammen.

Bis zum November war auch alles in Ordnung. Ab Dezember habe ich gemerkt, das er sich zurückzieht! er wurde ruhiger und in sich gekehrter. Natürlich fragt man nach, da die Gedanken und das Bauchgefühl verrückt spielen. Ist es wegen mir? hab ich was falsch gemacht? und der Helferinstinkt meldet sich.
er ist kein großer Redner, umso überraschter war ich, als er dann doch über sein Gefühlsleben mit mir gesprochen hat.

Er hatte eine sehr schwere Kindheit - somit war er immer ein Kandidat für "Depression" (in Gänsefüßchen, da es nie offiziell diagnostiziert wurde, er vermutet nur. Ich hab keine Ahnung, bin schließlich kein Arzt oder Therapeut). Laut ihm hat er das so einmal im Jahr, wo es ihm so richtig den Schalter raushaut und er nicht mehr weiterweiß oder nicht mehr kann. Er wollte nie Hilfe deswegen, er hat es immer selbst geschafft aus seinem Loch.
Er braucht nur Zeit.
Aber er ist so froh mich zu haben, ich wäre sein Lichtblick und und und. Es hätte nichts mit mir zu tun, er ist glücklich. oder war.

denn Anfang Januar dann der Knaller: ich wache auf und habe von der Familie zig Anrufe und Mails was mit ihm los sei. (Wir wohnen nicht zusammen und ich war an diesem Tag zu hause). Habe versucht ihn anzurufen und geschrieben - nichts! Habe dann von allen die Mails bekommen, die er Nachts noch geschrieben hatte.
er will mit niemandem mehr was zu tun haben, kann nicht mehr fühlen, nichts mehr. weiß nicht was er will. Bedankt sich für alles aber er packt das alles nicht mehr.
Ich habe keine Nachricht bekommen, dementsprechend wusste ich nicht was los ist. Am Mittag kam nur ein kurzes: mach dir keinen Kopf, ich brauche Zeit zum klarkommen.

Jetzt habe ich versucht ihm genau diesen Raum zu geben. Natürlich frage ich mich, was los ist. ich vermute die "Dunkelheit" bzw. "Depression" hat ihn wieder. Habe jetzt ein wenig recherchiert. Habe einiges gefunden, aber ob es nun stimmt oder nicht, kann ich wie gesagt nicht beurteilen. Es hört sich zumindest danach an.

Wir haben vorgestern kurz telefoniert, war eher ein Monolog meinerseits, aber er ging wenigstens hin. Habe ihm keine Vorwürfe gemacht, nur angeboten wenn er mich braucht bin ich da. Er hat sich bedankt.
Seit dem nichts.
das gute alte Inet rät einem ja unterschiedliche Dinge:
1. Gib ihm Raum
2. er hat einfach eine neue
3. er ist psychisch krank
4. verlass ihn
usw.

Ich weiß nicht was wahr ist! daher bin ich hier

Hab ich mich richtig verhalten? ist Zeit u Raum geben das richtige? Mach ich mich zum Affen? wenn es wirklich eine Depression ist, weiß ich nicht weiter. Ich hatte noch nie Berührungspunkte damit. nur darüber gelesen. Und das klingt nach echt viel Arbeit und Nerven und Zeit für den Partner und alle Gefühle fahren Achterbahn.
Ob ich das schaffe? keine Ahnung
ob ich das will? keine Ahnung

er sagte mir, es ist ihm egal ob ich mich weiterhin melde. (habe ja gelesen, dieses Verhalten ist typisch - Verletzung durch worte und Nicht-taten). Im laufe des Gesprächs jedoch meinte er, wenn ich dich loswerden wollte, hätte ich dir auch geschrieben in der Nacht.

Tut mir leid wenn es etwas wirr ist, aber ich weiß gerade auch nicht was richtig ist.
Vielleicht kann mir wie gesagt jemand einfach einen Tipp geben.

danke schon mal fürs lesen

07.01.2019 08:50 • #1


NochEine

NochEine

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Hallo und willkommen,

ich bin auch kein Doc, weiß auch nicht weiter, aber ich denke es werde sich noch einige User auf Deinen Thread melden.

Was mir aber sofort in den Sinn kam als ich Deinen Thread gelesen habe, Vitamin D Mangel, google das mal. Bei einem Mangel davon ist u.a. Depression ein Symptom, gerade in dieser dunklen Jahreszeit.
Alles gute für Dich

07.01.2019 08:57 • x 1 #2


mcteapot

Zitat von KeineAhnung2019:
Und das klingt nach echt viel Arbeit und Nerven und Zeit für den Partner und alle Gefühle fahren Achterbahn.
Ob ich das schaffe? keine Ahnung

Wenn dein Partner in dieser Problematik festhängt, sollte er sich um Hilfe bemühen, du kannst dies nicht leisten. Wenn er aktiv was für sich ändern will.
Jedoch wenn er dies nicht will, kannst du ihm auch nicht helfen. So sehr du dies auch willst. Bitte ihn zum Hausarzt zu gehen, abzuklären ob es eine körperliche Symptomatik gibt, die ihn nieder zwingt. Damit er da schon mal was an der Hand hat - aber er muss dies selbst wollen - da beisst die Maus keinen Faden ab

07.01.2019 09:02 • x 2 #3


KeineAhnung2019

Hallo ihr beiden, vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

Wie gesagt, ich vermute auch nur. Symptome und Verhalten würden passen, ABER man lernt ja nie aus, es kann somit auch einfach das übliche "er steht einfach nicht mehr auf dich" sein, wobei... dann hätte er es einfach beendet können (denke ich zumindest)

Er will sich nicht helfen lassen, habe ihm im Tele auch dazu geraten. Hat er zu Kenntnis genommen, mehr nicht.
Daher weiß ich was ihr meint, mit ich kann und will keine Therapeuten ersetzen. Kann ihm nur Hilfestellung geben.

Aber selbst wenn er sich Hilfe holt, wäre es ein hartes Stück arbeit (auch von mir).
Es ist nicht einfach den Partner so leiden zu sehen, der gute alte Helferkomplex :seufzen:
ich kann ihn doch nicht einfach hängen lassen, oder mit Vorwürfen bombadieren.

da ist halt noch die Hoffnung, der Mann der mich liebt ist irgendwo da drin.

07.01.2019 09:08 • x 1 #4


mcteapot

Zitat von KeineAhnung2019:
ich kann ihn doch nicht einfach hängen lassen, oder mit Vorwürfen bombadieren.

da ist halt noch die Hoffnung, der Mann der mich liebt ist irgendwo da drin.

Möglich ist alles, nur wenn er nicht will - hilfst du dich sprichwörtlich selbst in eine Depression

07.01.2019 09:10 • x 1 #5


Kummerkasten007

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Zitat von KeineAhnung2019:
ich kann ihn doch nicht einfach hängen lassen


Naja, er will keinen Kontakt, wie kommst Du dann auf den Gedanken von wegen hängen lassen? Du kannst nur unterstützen, wenn er darum bittet, aber auch da würde ich höllisch aufpassen, nicht zur Co-Therapeutin und Mutti zu mutieren (das geht schneller als Du denkst!)

Eine Frage: wie alt seid ihr beiden? Und war es eine Fernbeziehung?

07.01.2019 09:15 • x 2 #6


mitsubi

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Tut mir leid, dass Du sowas erleben musst. Im Internet finden sich ganz viele Angebote für Angehörige von Depressiven. Dort solltest Du Dich einlesen, da dort Experten am Werk sind.

Am schwersten ist es wohl, sich nicht selbst zu verlieren. Wenn er sich also nicht helfen lassen will, wird es ihm auch auf lange Sicht nicht besser gehen.

Mir scheint, seine temporäre Depression einmal im Jahr, ist eher quasi ein Ausbruch dessen, was grundsätzlich in ihm vorgeht. Wenn Du sagst, er hat eine schwierige Kindheit gehabt. Möglicherweise knabbert er mehr daran, als es den Anschein gemacht hat bisher. Insbesondere Männer haben ein Problem mit der Krankheit Depression, da die Symptome nicht mit dem Rollenbild des Mannes kompatibel sind. In der Psychologie rückt daher die Männliche Depression mehr in den Fokus der Forschung.
Weiterhin kennt ihr euch erst ein Jahr. Das Kennenlernen, das Verliebtsein hat ihm lange gut getan. Möglicherweise findet nun keine Kompensation mehr statt, d h. die guten Gefühle der Partnerschaft können die schlechten Gefühle in ihm nicht mehr überdecken. Und nichts anderes ist es: es wird überdeckt, kompensiert und ignoriert solange es eben geht. Aber an der Grundproblematik ändert es nichts, solange er sich nicht professionelle Hilfe sucht. Und diese Entscheidung muss von ihm kommen. Im Moment scheint er noch in der Abwehr zu sein, was sich auch daran zeigt, dass er den Kontakt abbrechen will zur Familie, die er ggf für schuldig hält. Diese Maßnahmen im Außen werden nichts bewirken, da er im Inneren anfangen muss zu arbeiten.

Grundsätzlich musst Du verstehen, dass Du nichts falsch gemacht hast und sein Verhalten nichts mit Dir zu tun hat. Sein Problem war schon vor Dir da. Du hättest auch nichts machen können, um die jetzige Situation zu vermeiden.

07.01.2019 09:34 • x 3 #7


KeineAhnung2019

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So hab mich mal angemeldet :-)

@kummerkasten: ja hängenlassen im Sinne von jetzt trennen und einfach alleine lassen. das er keinen Kontakt will momentan akzeptiere ich und ich halte mich auch dran. Aber das Angebot zur Hilfe steht. Wir sind beide Mitte 30 und nein keine Fernbeziehung, nur getrennte Wohnungen, ist ja auch erst ein Jahr :wink:

@mitsubi: ja, davor habe ich am meisten Angst. Selbst in diese Situation zu kommen. Habe wie gesagt schon viel gelesen darüber. Und was und wie man sich verhalten soll. Mein Problem ist, ich weiß ja nicht ob es wirklich so ist. sprich bin kein Arzt und mit Diagnosen wird ja schnell um sich geworfen.
Seine Kindheit gehört definitiv aufgearbeitet, aber wie ihr alle sagt, das muss er selber wollen und vorallem durchstehen.

Und danke für den weitern Denkanstoß, mit der Verliebtheit, das hab ich noch gar nicht so gesehn... aber macht sinn.
der Endorphin schock ist also vorbei und die Realität wieder da :traurig:

07.01.2019 09:48 • x 1 #8




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