Freundin hat Agoraphobie - Sie ist unsicher in der Beziehung

dannycologne

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Hallo,

vor einigen Monaten lernte ich ein Mädel kennen, wobei ich von Anfang an von ihr erfuhr, dass sie Agoraphobie hat ... also eine angst- und Panikstörung, was eine psychische Erkrankung ist. Sie lebt seit Kindsalter damit, erfolgreich therapiert wird das ganze seit über einem Jahr ... dort wurde nun wohl "generalisierte Angst" diagnostiziert. Teils hat sie auch depressive Phasen und permanent Krankheitsangst. Insgesamt hat sie sogar Angst, ihre Familie zu besuchen.

Schon sehr früh haben wir beide eine Beziehung begonnen und ich habe immer versucht, sie zu unterstützen. D.h. zu loben, wenn Sachen geklappt hatten, die früher nicht möglich waren oder sie auch (ohne Druck) zu ermutigen, wenn sie wieder nen rückschlag hatte. Das verlief bisher alles ganz gut – wenn auch immer wie auf ner Achterbahn. Rauf und runter. Zuletzt hatte ich das Gefühl, dass wir beide, aber vor allem sie selber das immer besser in den Griff bekommt. Angstfrei sicherlich nie, aber die angstfreie Zeit wurde länger ... je nachdem, wieviel Stress sie hatte oder ob irgendwelche Termine anstanden.

Vor guten drei Wochen kam sie dann zu mir und sagte, sie wäre unsicher, ob das eine Beziehung wäre, wo man sich vorstellen kann "miteinander alt zu werden" ... sie wüsste gar nicht, was sie wolle und wäre total durcheinander. Es hätte nix mit mir zu tun, das Problem wäre nur bei ihr. Da hat mich selber wie ein Schlag getroffen, da wir eine tolle Zeit miteinander hatten und es sehr vertraut war. Sie fühlte sich laut eigener Aussage auch total wohl bei mir ... und nun sollte sich das geändert haben. Wir vereinbahrten, uns einen Monat nicht zu sehen ... damit jeder sieht, was man an den anderen "vermisst" (oder im krassesten Fall nicht). Wir telefonierten in der letzte Zeit ausschließlich. Ich habe den Kontakt auch nur darauf beschränkt (bis auf ganz wenige Mails), damit sie erkennt, was unsere Beziehung auch schönes hatte.

Nun hat sie sich in ihrer Krankheitsangst und Panik in den letzten Tagen so tief reingesteigert, dass sie (wie sie sagt) genauso kraftlos und kaputt wäre, wie vor der Therapie. Es schlägt direkt auf den Körper (Magen, Kraftlosigkeit, Übelkeit, Schwindel) ... als hätte sie einen Marathon hinter sich. Ein Grund, weshalb sie gerade wieder nicht arbeitet, vor der Therapie soll sie wohl mal drei Montate nicht arbeiten gegangen sein. Sie hat so große Panikattacken, dass sie niemanden sehen will – auch mein angebot, dass ich kurz nach ihr sehen möchte, hat sie abgeblockt ... und steigert sich in den Gedanken "Dass das alles nix gebracht hat". Ich muss sie förmlich zwingen, mit ihrer Therapeutin zu telefonieren ... denn dann müsse sie ja vielleicht in die Praxis fahren. und hierzu fehle die Energie. Außerdem habe sie permanent Panikattacken ... sie hätte Angst, verrückt zu werden und dann in eine Anstalt zu müssen.

Ich weiß im Moment nicht so recht, was ich machen soll. Meine Hilfe nimmt nicht an (auch wenn ich nur seelisch unterstützen kann, Hilfe kann nur die Therapie geben), sie grübelt und grübelt und grübelt ... am liebsten würde ich sie ins auto verfrachten und jeden Tag nun zu der Praxis fahren. Ich hatte immer das Gefühl, ihr viel Kraft geben zu können ... und das hat auch immer irgendwie geklappt. Aber gerade fühle ich mich etwas überfordert und weiß nicht, was ich tun soll.

Da sandere Problem ist, dass schon bald dieser unerträgliche Monat um ist, wo wir die "Beziehungspause" einlegen. Ich habe mich bereits über Wochen gequält, diese Zeit durchzuhalten ... diese Ungewissheit macht mich fertig. In der letzten Zeit werde ich zwar wieder mit Kosenamen etc. angesprochen, was einiges erahnen lässt ... aber Gewissheit habe ich nicht. Wenn ich andeutungen mache, wird das abgeblockt mit den Worten "Ich weiß, dass es dir gerade schlecht geht". Ich möchte gerne nächste Woche klären, ob unsere Beziehung nun weitergeht ... und nun gab es diesen Rückschlag bei ihr.

Ihr seht, das Problem bei uns ist ziemlich facettenreich ... ich weiß gerade nicht mehr weiter. Ich hatte mit meiner Hausärztin mal darüber gesprochen, da ich mich auch irgendwie abgewiesen fühle (wenn sie alleine in ihren 4 Wänden sein möchte) ... sie sagte, ich solle mich total da raushalten (nicht nach der Krankheit googeln, keine Ratschläge ...), denn sonst wäre das das Ende der Beziehung. Ich würde irgendwann "uninteressant" werden. Ich hatte das zeitweise auch so gehandhabt und gar nicht darauf reagiert auf Fragen wie "sehe ich krank aus?" ... und dann kann der Vorwurf von ihr "ich fühle mich alleine gelassen von dir". Es ist also eine unglaubliche Gradwanderung für mich.

Was ist der richtige Weg nun? Ich liebe sie, würde gerne mein Leben mit ihr verbringen (trotz Handicap) ... aber ihre Krankheit und ihr Verhalten macht das alles so schwierig. Ich brauche Gewissheit und ich muss wissen, was ich nun unternehmen soll ... untätig zugucken (wie meine Ärztin es sagte) ist nicht mein Ding. Was kann ich tun?

11.02.2011 23:39 • #1


bea68


Halloo..

super schwer da zu helfen und einen guten rat abzugeben!

kann nur kurz von mir erzählen: war mal mit einem mann zusammen der tödlich erkrankt war... ein schleichender prozeß... vor allem wenn man die medikamente nicht regelmäßig nimmt..

hab mich da voll reingehängt.. immer versucht zu helfen... aber desto mehr kam die distanz....ziemlich schnell sogar.. nach 4monaten war schluß...hatte aber auch noch andere gründe...

. so nach fast 4 jahren trennung muß ich sagen, ich hab zuviel gemacht... aus angst ihn zu verlieren...zu viele ratschläge und oft die krankheit thematisiert...

er lebt übrigens immer noch ..

ich fürchte, es wird immer ncith leicht für euch beide...diese erkrankung hält die betroffenen oft fest im griff..und sie hat es ja schon jahre...

finde einen weg gelassener damit umzugehen...wäre das ein guter rat?
sei für sie da...still und im hintergrund... könnte das ein weg sein?

lg

12.02.2011 12:28 • #2


Torsten


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hallo,

da ich weiß wie sich agoraphobie anfühlt (hab da hier und da auch so meine probleme) > kann ich dir nur einen guten rat geben...wenn sie rede will,wird sie mit dir darüber reden > dränge sie nicht dazu > schon allein,dass du weißt,dass sie diese krankheit hat macht sie angreifbar und verletzlich...

aus liebe jemanden helfen zu wollen ist etwas tolles...aber vergiss dich dabei selbst nicht...was gibt sie dir und kann sie neben all ihren problemen auch für dich da sein?das soll nicht arrogant klingen,aber liebst du sie,weil du ihr helfen willst oder weil ihr eine tolle zeit hattet? menschen mit panik- und angstzuständen evsretehn sich selbst nicht und der partner will versuchen zu helfen und man merkt nicht,dass man den partner damit noch mehr unter druck setzt,als er sich selbst schon unter druck setzt weil er nicht weiß warum er diese probleme hat...

deine situation erfordert viel zeit und geduld...sag ihr dass du für sie dasein wirst,wenn sie dich braucht,aber gib ihr nicht das gefühl sich bedrängt zu fühlen...erst wenn sie sich selbst widerspricht und immer wieder die krankheit vor`s loch schiebt(obwohl sie zu der einen oder anderen sache fähig ist) ist es an der zeit sich gedanken darüber zu machen ob sie nicht eher alleine sein will > ohne dich...

geduld liegt nicht in unserer natur,erstrecht,wenn wir lieben > diese erfahrung musste ich leider auch schmerzlich machen...

torsten

12.02.2011 13:16 • #3


sanne

sanne


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Hallo,

diesen Satz:

Es hätte nix mit mir zu tun, das Problem wäre nur bei ihr

würde ich erstmal anders nehmen. Man muss auch immer davon ausgehen, dass der Partner einem nicht verletzten will und er deswegen die Schuld von Dir nehmen möchte. Der Grund Ihres Handels muss nicht bei Ihrer Angststörung liegen. Ich glaube sogar, dass dies nicht der Grund ist. Sie weiss zwar zu schätzen, was du alles für sie getan hast, wenn aber Ihre Gefühle nicht stimmen, dann kann Sie da evtl. nichts gegen tun.

Ich habe leider keine Erfahrung mit Angstörungen aber ich glaube nicht, dass sie eine Beziehung aufgibt, die Ihr Ruhe gibt, wenn die Gefühle alle stimmen.

Wäre Sie mit dir unzufrieden bzw. hätte Angst dich zu verlieren könnte ich mir Ihren Schritt erklären aber so hat es wohl eher nichts mit der Angststörung zu tun.

kann das sein?

liebe Grüße
sanne

12.02.2011 15:38 • #4


MonaLisa

MonaLisa


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Also für mich liest sich das ja eher so als ob es Ihr seit der Trennung schlechter geht, sie arbeitet nicht mehr, geht nicht mehr zur Therapie etc.
Nun ist die Frage, weil er weg ist dann wäre es mehr Abhängigkeit als Liebe oder ist das "nur" gerade wieder eine Phase der Krankheit.
Mehr fällt mir dazu nicht ein, sorry.

13.02.2011 12:50 • #5




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