1

Fünf Tage ist es her

Peppy

Fünf Tage ist es her. Vor einer dreiviertel Stunde habe ich mich hier angemeldet. Ich muss einfach mal runterschreiben wie es mir geht und was passiert ist. Ohne dass mich jemand kennt.
Ich bin 23 Jahre und vor fünf Tagen hat mein (Ex)Partner mich verlassen. Wir waren 6 Jahre ein wirklich glückliches Paar. Das ist erstaunlich, denn unsere Beziehung war ungewöhnlich. Er war ein Arbeitskollege als ich noch in der Ausbildung war. Wir haben uns schnell gut verstanden, wie Kollegen halt. Was ist schon dabei bei 26 Jahren altersunterschied. Wir unternahmen gelegentlich gemeinsam was in unserer Freizeit und wurde Freunde. Richtig gute Freunde. Ich war damals 17 und musste bei meinen Eltern ausziehen. Er bat mir an, ein Zimmer frei zu machen und eine WG mit mir zu gründen. Ich überlegte nicht lang, einen solchen Kontakt hatte ich noch nie zu einem Menschen. Er war eine große Stütze für mich, weil ich zu der Zeit in einer sehr unglücklichen Beziehung war und bei meinen Eltern war es auch nicht sonderlich schön. Er schlug vor weitere "WG-Mitglieder" einzuladen und so zogen im Februar 2009 unsere Katzen ein. Ich folgte im März. Er war so gut und aufmerksam. Am Tag des Einzugs war bereits mein Name an der Tür, eine zweite Handtuchstange aufgehangen. Alles in dieser Wohnung hieß mich Willkommen. Ich fand schnell mein erstes richtiges Zuhause, in dem ich mich wohlfühlte und in das ich gern heimgekehrt bin.
Meine unglückliche Beziehung brachte mit sicht, dass ich immer wieder bei meinem "Mitbewohner" und inzwischen besten Freund im Wohn- (und seinem Schlaf-) -zimmer sahs. Er war unglaublich aufmerksam. Nicht neugirig, sondern ernsthaft interessiert. Nach Tagen könnte er Rückfragen stellen, zu Dingen die ich ihm erzählte. Ich habe noch nie so vertraut. Und als mein Frust eines Tages sehr groß war, lud mich mein "Mitbewohner" ein, einen Filmabend mit ihm zu verbringen. Wir lagen auf der Couch, lachten, alberten und hatten Spaß. Es kam wie es kommen musste, wir wurden ein Paar. 1 1/2 Monate nach meinem Einzug. Ich löste mich aus meiner unglücklichen Beziehung.
Ich zweifelte zu Beginn. Der große Altersunterschied - ich war eben erst 18 geworden - und wenn es scheitern würde, wo sollte ich wohnen? Aber dieser Mann gab mir Rückhalt, mit seiner sicheren Art und seiner Furchlosigkeit. Ich war so verknalt. Wir haben uns bewahrt, viel und deutlich miteinander zu reden. Grundsätzlichkeiten waren im ersten viertel Jahr geklärt. Er will keine Kinder ab dem 50zigsten Geburtstag, ich keine vor 25, also keine Kinder zwischen uns. Wir verständigten uns darauf, dass die Beziehung läuft, so lange sie läuft. Dass wir genießen was wir haben und dass er mir für meine junge Zukunft nicht im Weg stehen wird. Anders hätte eine Beziehung mit dem Altersunterschied nicht funktioniert.
Einige Zeit ging ins Land und als die Sicherheit über dieses Ungewöhnliche ausreichend war, erfuhr meine Familie von der Beziehung. Er ist ein anständiger Kerl und so möchte meine Familie ihn schnell sehr gerne und die anfängliche Skepsis verflog. Dennnoch bekamen wir viele Vorwürfe von Außenstehenden - er sei ein alter g***er Sack, der sich ein junges Küken für´s Ego gesucht hat und ich das Liebchen, dass ihm aus Geldgründen ein Kind anhängen will.
Wir überstanden das. Wir liebten uns sehr, vor allem nicht nur als Beziehungspartner, sondern nach wie vor als Menschen und Freunde. Ich war noch so jung und so stand noch einiges bei mir an. Er unterstütze mich in meiner Ausbildung. Begleitete mich während des Abiturs. Hilt meine Selbstfindungen geduldig aus und setzte alles in Bewegung mich bei meinem Vorhaben zu studieren zu unterstützen. Er war immer großartig. Er stand zu mir, wenn ich Entscheidungen treffen musste und hinter mir, wenn sie falsch waren.
Die Jahre vergingen und die Verliebtheit setzte sich. Trotzdem überstanden wir den Einzug des Alltags gut. Kleinigkeiten wie Haushalt u.ä. brachten kleine Diskussionen mit sich. Aber in 6 Jahren haben wir uns nie gestritten. Kein anschreien, kein Türenknallen - nichts. Viel Reden, Liebe und Verständis, Loyalität und Einigkeit. Davon war unsere Beziehung bis zu letzt bestimmt.

Mein Studium geht dem Ende entgegen, ich habe seit einem halben Jahr viel zu viel um die Ohren. Ich bin oft zickig, ich bin nicht geduldig und wohl auch nicht mehr so aufmerksam. Ich hatte zu viel mit mir zutun.
Vor fünf Tagen quasselte ich ihn wieder voll, mit meinen Plänen für nach dem Studium, meinen Gedanken und Ängsten dazu. Er hörte zu, wie er es immer tat, aber etwas war anders. Er war nicht ganz bei mir und auch sagte er mich nicht, wie sonst, seine Meinung. Ich war enttäuscht deswegen und verkroch mich erstmal. Ich warf ihm vor sich nicht mehr zu interessieren und nicht mehr so zuhören zu können wie früher. Er sagte erstmal nichts. Irgendwann kam er zu mir und nach kurzem Gerede über die Situation und meine Vorwürfe zuvor, sagte er dass es wohl daran liegt, dass er nicht mehr wüsste was er will. Mir war klar was folgte und ich konnte nicht anders als in Tränen auszubrechen. Tränenerstickt fragte ich seit wann dem so sei - seit 1-2 Monaten. Woran es läge wollte ich noch wissen - ich sei abgehoben und ich-bezogen geworden. Aber es mache ihm auch zu schaffen 6 Jahre einfach aufzugeben.
Ich ging in dieser Nacht zu meiner Schwester und hatte unsagbares Heimweh und vermisste ihn. Früh am nächsten Morgen war ich wieder zu Hause. Er schlief auf der Couch. Alles sah aus wie immer und doch war nichts mehr wie es war. Nachdem er wach war wollte ich mit ihm reden - typisch Frau wollte ich wissen, ob es noch eine Chance für uns gibt. "Eigentlich nicht", sagte er
Ich verkroch mich den Rest des Tages in mein altes WG-Zimmer, was inzwischen unser Schlafzimmer ist. Ich konnte nicht aufhören zu weinen, der Schmerz war so unermesslich.
Am Montag ging der Alltag wieder los. Er musste arbeiten, ich zur Uni. Und während einer lagen Pause, setzte sich in mir der Gedanke, dass ich nicht aufgebe. Dass es nicht sein kann, dass bei ihm nichts mehr ist. Und dass ich kämpen muss. Ich hetzte nach Hause und bereitete mich mit einem Brief auf ein erneutes Gespräch vor, war ganz euphorisch und sicher, dass danach wieder alles gut ist. Ich schrieb alles auf, was ich dachte. Versuchte ihm so einiges zu erklären. Ganz tiefe Gefühle, mit denen ich sonst nicht mal ihm gegenüber so offenherzig bin, schrieb ich auf. Als er nach Haus kam, ließ ich ihm nicht viel Zeit und sagte ihm, dass ich reden wolle. Er war bereit dazu und ich laß ihm den Brief vor - ziemlich kindisch aber zum freien Reden hatte ich zu viel im Kopf, ich hätte nicht sagen können was ich sagen wollte. Er war schon beeindruckt, von dem was ich schrieb. Wir redeten lange und viel. Aber das Gespräch endete mit der Erkenntnis, dass es keine Chance mehr gibt und er das im Grunde bereits weiß
Der Dienstag war eine Katastophe. Ich fühlte mich elend, tot und gelähm. Alles war taub.
Gestern, am Mittwoch, war sein freier Tag und über Nacht überkam mich wieder die Hoffnung. Also suchte ich erneut das Gespräch. Das war ebendfalls gut und recht lang. Ich wollte etwas über seine Gedanken wissen, wissen wie er nun zu all dem steht, wie es ihm damit geht. Er denke noch nach und brauche seine Zeit. Und er würde zu mir kommen zum Reden, wenn es soweit sei und er wisse was er wolle.
Ich kenne ihn. Ich kenne ihn gut. Ich kenne keinen Menschen, der entschlossener Entscheidungen trifft als er, der standfester und selbstsicherer ist als er. Ich weiß, dass es vorbei ist. Entgültig.
Aber diese doofe Hoffnung...

Ich habe meine Liebe verloren, meinen besten Freund und mein Zuhause. Auch wenn ich noch hier bin und alles aussieht wie immer, von einem Tag auf den Anderen ist alles kaputt und meine Heimat ist nicht mehr meine Heimat. Mir ist so kalt, ich kann nicht schlafen, seit diesem Tag habe ich nicht gegessen, ich rauche zu viel und bin so erschöpft. Wenn ich die Zeit doch nur zurückdrehen könnte...

15.01.2015 14:41 • #1


Hannoveraner40


1008
10
558
Hallo Peppy,

ich lese hier viel mit und manchmal antworte ich. Wenn man hier oft liest, dann sind viele Geschichten davon geprägt, dass ein Ungleichgewicht entstanden ist. Einer liebt, der andere nicht. Trennungen sind für den aussenstehenden dann offensichtlich und es ist leicht, etwas dazu zu schreiben.

Aber bei dir...puh...das hat mich echt berührt. Trotz des Altersunterschiedes hattet ihr eine Beziehung wie es sich viele gleichaltrige wünschen und vor allem läuft auch die Trennung mit Kommunikation und - hört sich so blöde an - gut ab, wie es sich viele wünschen.

Ich wünsche dir deshalb, dass auch er merkt dass da wirklich was war was einmalig ist. Deine Chance im Leben nochmal sowas zu finden ist zwar ungleich höher als seine (wegen dem Alter), aber davon abgesehen solltest du jetzt die Fakten sehen:

Er ist derjenige der sich getrennt hat. Er hat mit dir geredet, dir mitgeteilt dass es für ihn nicht mehr geht und du kannst ihn durch Briefe, Geschenke, Reden nicht oder kaum beeinflussen. Gib ihm jetzt den Abstand den er einfordert und zieh dich zurück. Am besten du schläfst erstmal woanders, geht das?

Und dann wünsche ich dir, dass ihr euch vielleicht nochmal zusammenrauft. Alles Gute! Hannoveraner

15.01.2015 20:45 • x 1 #2


Peppy


Hallo Hannoveraner,
vielen Dank für die lieben Worte. Mit dem Beeinflussen hast du natürlich recht. Es ist nur so schwierig rational zu sein, da macht man schon mal (nutzlosen) Quatsch.
Abstand gebe ich ihm. Woanders hin gehen wird bis Mitte April wohl leider nicht funktionieren - auch wenn ich weiß, dass es für uns beide besser wäre.

Zusammenraufen wäre schön, ich hoffe du kannst ihm deine Gedanken dazu senden. Ich danke dir!

15.01.2015 20:54 • #3




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag