Zitat von finita:Das ist schon wieder eine unzulässige Verallgemeinerung.
Am Anfang ist es nie Liebe, auch in einer normalen Beziehung nicht. Es ist verliebt sein.
Und manchmal wird dann Liebe draus. und manchmal auch nicht.
Das finde ich in dem Zusammenhang mal sehr wichtig, weil es AF und EF gleichermaßen betrifft. Die allermeisten Affären gehen durchaus mit Verliebtheit einher - und ja, man kann sich auch in jemanden verlieben, wenn man einen anderen liebt, weil beides völlig andere Gehirnregionen aktiviert - ist also sogar wissenschaftlich erwiesen, dass das geht. Man kann bloß nicht in zwei Menschen gleichzeitig verliebt sein, das geht nicht.
Aus einer Verliebtheit kann Liebe werden, aber im Normalfall nicht innerhalb einer Affäre, weil diese gar nicht den nötigen Rahmen dafür bietet. Eine Ehe dagegen sehr wohl, da ist Liebe ja meistens auch die Grundlage. Und nun steht ein AM oft vor der Entscheidung, ob er der frischen Verliebtheit eine Chance gibt, Liebe daraus werden zu lassen, oder ob er sie begräbt und bei seiner Liebe für die EF bleibt. Und das ist eben meistens eine eher rationale Entscheidung, die man sinnvollerweise auch erst nach der akuten Verliebtheitsphase treffen kann (und leider kann diese Phase gerade in einer Affäre sehr lange andauern, viel länger jedenfalls als in einer normalen Beziehungsanbahnung, oft sogar über Jahre).
Meiner Meinung nach sind also beide Aussagen nicht zutreffend - dass es in einer Affäre nie auch um Gefühle ging (mindestens Verknalltheit im Sinne von s. Begehren dürfte wohl in den allermeisten Fällen zutreffen), ebenso falsch finde ich, dass ein Betrüger seine Frau nicht mehr liebt, weil er fremdgeht. Er liebt sie zu dem Zeitpunkt vielleicht weniger, weil die Beziehung in einer Krise steckt, aber genau diese Krise birgt dann auch oft die Chance, die Liebe wiederzuentdecken, die ja häufig unter Alltagssorgen, emotionaler Distanz, Lügen und Enttäuschungen begraben lag. Trägt man dann durch das Aufdecken einer Affäre z.B. diesen ganzen Schutt gemeinsam ab, findet man darunter dann auch oft die Liebe wieder, die mal da war. Und ja, auch das ist dann wiederum eine Entscheidung, von beiden Partnern füreinander getroffen. Manchmal ist der Schutthaufen so hoch, dass die betrogene Frau den Betrug als Anlass nimmt, die Beziehung zu beenden. Und manchmal ist es eben nur eine kleine Schicht, die man gemeinsam entrümpeln kann.
In meiner vergangenen Ehe manifestierte sich der Zustand dieses Schutthaufens sogar im Haus - Keller und Dachboden waren total zugerümpelt, keiner von uns hatte den Antrieb, aufzuräumen. Jetzt, zwei Jahre nach der Trennung, lebe ich in einer eigenen Wohnung ganz ohne jegliches Gerümpel, mein Ex-Mann hat den Dachboden entrümpelt, den Keller aber noch nicht

Und das ist wiederum auch ein Bild, das auf unser beider Zustand nach Ehe-Ende zutrifft ...