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in meinem Umfeld höre ich immer "hör auf dein Gefühl". Doch was ist das Gefühl und was ist der Verstand?
Kurz zum Hintergrund - schon seit über einem Jahr kenne ich jemanden, der mir immer mal wieder über den Weg gelaufen ist, wohnt im Nachbarort, arbeitet im gleichen Ort, viele Schnittstellen. Interesse war immer da, aber man kam nicht so recht zusammen ins Gespräch, was sich änderte letztes Jahr.
Sicherlich bedingt auch durch den längeren Lockdown fand man zusammen, über Telefon, gemeinsame Spaziergänge, Gespräche, und kam sich näher und dann irgendwann deutlich näher. Wir befinden uns noch immer im Prozess, uns kennenzulernen, mir gefällt die Art, langsam und auch ein gewisses MIsstrauen, das Gefühl stimmt, aber trotzdem merke ich immer wieder Skepsis. Woher das kommt? Kurz dazu. Bezüglich der Einstellung ist es mir fast zu glatt, zu perfekt, einfach zu sehr so wie ich es schön finde, wie ich Vertrauen gewinne. Zuletzt hatte ich immer wieder anstrengende Kennenlernprozesse, wo ich von Beginn an überlegen musste "komme ich damit klar" und immer wieder hab ich mich mental dann an einem Punkt abgearbeitet der mich einfach genervt hat. Das ist jetzt alles nicht so, es fühlt sich gut an, freier. Aber ist es das auch wirklich, frage ich mich.
Wir sind beide beruflich stark eingespannt, und trotzdem habe ich geregelte Arbeitstage, er nicht. Er ist bald (wieder) monatelang, wochenlang beruflich weg, Ausland, irgendwelche Projekte, was ich anfangs auch erlebt habe und häufig auch gemerkt habe, dass er dann irgendwann abends (Zeitverschiebung) anruft und ich "parat" sein soll, natürlich sagt er das nicht, aber es kommt mir so vor, also "Hey wo bist du, ich würde mich so sehr auf dich freuen, usw usw". Mein Leben läuft auch weiter. Andere Male habe ich vergeblich gewartet, auf einen Anruf, dann kam ein Termin dazwischen, ich hab auch schon mal 1-2 Stunden am Telefon gehockt bis in die Nacht und dachte, "Ok, ruft wohl nicht an" und hab das Ding ausgeschaltet, dann kam am nächsten Morgen erst eine Nachricht, also das sind die Momente wo ich denke "geht garnicht".
Wenn wir dann wieder mit einander telefonieren, ist er 100 Prozent bei mir und dann werden Pläne gemacht (die mich immer etwas irritieren, weil sie mir zuviel Detail beinhalten - zusammenziehen, endlich gemeinsam dies und das machen, gemeinsam Urlaub usw). Ich würde gern erstmal kleine Schritte gehen, wir haben immer nur mal einzelne Tage verbracht, zB nie ein Wochenende. Ich plane keine langen Urlaube, nicht zusammenziehen, wenn ich nicht mal mit jemandem eine Woche oder ein gesamtes Wochenende verbracht habe.
So tiefgründig unsere Gespräche, unsere Momente sind, manchmal habe ich das Gefühl, dass wenn sein Job im Vordergrund ist, alles andere komplett in den Hintergrund rückt und ich fühle mich wie ein Kumpel, den man schnell abwürgt. Ich habe total Verständnis für den Job, der muss laufen, der muss auch bei mir laufen.
Nachdem ich 2 längere Beziehungen hatte, in denen ich mich im Nachgang erwischt habe, Probleme zu suchen, zu thematisieren und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, erwische ich mich gerade wieder, stelle mir aber die Frage, was ist das Gefühl, was ist der Verstand. Und wie trenne ich das. Der Verstand sagt mir - es kostet leider viel Kraft und Zeit, als wenn er beruflich hier wäre und wir wie alle anderen Paare normal zusammen wären, wenigstens am Wochenende oder alle zwei, drei Wochenenden. Mein Gefühl sagt mir oft, wenn wir zusammen sind und auch nur telefonieren, ist es schön und auch was er sagt, fühlt sich richtig an.
Ich habe meinem eigenen Gefühl und Verstand gegenüber direkt etwas Misstrauen entwickelt, da ich selbst nicht weiß, was ist was, was ist wie zu trennen und wonach soll ich handeln.
"Einfach mal laufen lassen", sag ich mir immer wieder, interessant ist, wenn ich ihm das sage, reagiert er nicht gelassen, sondern skeptisch, er habe Angst, dass ich nicht mehr da sei und das sind die Momente, wo ich heraushöre, ich bin ihm wichtig, er öffnet sich mir und alles was dazu gehört, aber wenn ich dann stundenlang oder mal einen oder zwei Tage nichts höre, kippt bei mir das Gefühl und die Stimmung.
Vielleicht kann mir jemand mal sagen, wie man am besten Verstand und Gefühl trennt, auf was man hört, richtig filtern kann.