Zitat von WomenInLove: ...eben weil man Gefühle nicht steuern kann und ich bin der Meinung das JEDE LIEBE ein Ablaufdatum hat!
Ich finde deine Überlegungen gut und richtig, aber noch deutlich zu kurz gesprungen. Ebenfalls finde ich es ziemlich gut, dass du hier Raum schaffst für eine Grundsatzdiskussion. Ich mag Grundsatzdiskussionen.
Also.
Dass sich Gefühle in jeder Partnerschaft über die Zeit verändern, halte ich für eine Tatsache. Die sogar recht gut wissenschaftlich erforscht ist. Definitiv gehen die Gefühle, ich nenne es immer ganz unromantisch der Hormonrausch, die erst mal dazu geführt haben, dass zwei Leute zusammenkommen, weg. Also ja, der Hormonrausch hat ein Ablaufdatum. Den man sogar messen und vorhersagen kann. Aber ich denke, das ist es nicht ganz, was du meinst, oder?
Jetzt ist es im Hormonrausch üblich, weitreichende Verpflichtungen und Versprechungen einzugehen. Wenn man diese Verpflichtungen und Versprechungen nicht brechen will, einen aber trotzdem der nächste Hormonrausch erielt, dann bleibt einem quasi nur die Affaire, sagst du, habe ich dich richtig verstanden?
Ich denke, was an der Stelle immer übersehen wird ist, dass man eben durch eine Affaire bereits mindestens die eingegangen Versprechen (Treue, Ehrlichkeit) gebrochen hat.
Deinen Überlegungen zugrunde liegen drei Thesen:
1. Eine Beziehung ist sinnlos, wenn keine Liebe mehr da ist
2. Liebe vergeht, und dagegen kann man nichts tun.
3. Eine Affaire ist ein sinnvoller Weg, mit dieser Zwickmühle umzugehen
zu 1. Ich denke, dass mindestens so stark wie unser Bedürfnis nach der romantischen Liebe ist, das Bedüfnis in uns ist, lebenslange, stabile und bedeutungsvolle Verbindungen zu haben. Es ist total wichtig für uns, in Zusammenhängen zu leben, wo wir wissen, dass wichtige Menschen auch morgen noch da sind. Ich denke, das ist der Grund, warum es so schmerzhaft und so schwer akzeptabel ist mit den Worten: "die Gefühle reichen nicht mehr" einfach auseinanderzulaufen.
Also liegt der Fehler für mich darin, stabile dauerhafte Beziehung nur noch (war noch vor 150 Jahren komplett anders!) im Kontext von (romantischer) Liebe zu denken.
Beziehung hat ganz viel Wert und Sinn jenseits von (romantischer) Liebe. Deshalb werde ich immer ganz traurig, wenn die Rede ist von dem "nur" Bruder-Schwester-Ding. Blut ist dicker als Wasser sagt man, also für mich ist das etwas sehr wertvolles, wenn ich mit jemandem so eine enge Bindung habe, als wäre ich Blutsverwandt.
Die Frage wäre, ob sich ein Hormonrausch in eine dauerhafte, stabile und bedeutungsvolle Bindung überführen lässt, oder ob man sich dafür besser unromantische Zusammenhänge sucht. Ich denke, dass beides sinnvoll und möglich ist.
zu 2. Wie gesagt, Hormonrausch vergeht. Ohne Zweifel. Mit der Liebe ist es wesentlich komplizierter, weil es ja schon so viel schwieriger ist, den Finger darauf zu legen, was genau Liebe ist. Gehört sexuelle Anziehung, die so vielen Paaren mit den Jahren verloren geht, zwingend dazu, oder nicht?
Ich glaube, wenn wir uns davon lösen könnten, dass unsere Dauerhafte Lebensbeziehung eine romantische Liebesbeziehung sein muss, und akzeptieren könnten, dass es eben eine Geschwisterliche Liebe ist, dann würden sich viele neue Wege auftun, außer auseinanderlaufen zu müssen.
Liebe in langen Partnerschaften ist für mich: immer wieder schauen, dass sich beide wohl und sicher fühlen und weiterentwickeln können. Dass jeder sowohl die Verbundenheit als auch die Autonomie hat, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Das Wort liebe würde ich durch Zugewandtheit und Wohlwollen und Loyalität ersetzen. Und dann sieht man, dass man nach der Definition sehr wohl ganz viel an einer Lebendigen Partnerschaft arbeiten kann.
zu 3. Eine Affaire stellt das grundsätzliche System mit seinen Inkonsistenzen nicht in Frage. Eine Affaire gibt auf keine einzige dieser Herausforderungen eine Antwort. Sie erschüttert das Fundament der dauerhaften Beziehung zutiefst, weil sie Vertrauen und Gestaltungsmöglichkeiten des anderen untergräbt. Sie gibt keine Antwort auf die Frage: Der Hormonrausch ist, weg, was machen wir jetzt? Und sie soll ja in aller Regel eine neue romantische Beziehung sein, die dann wieder ein Ablaufdatum hätte, und so weiter und so fort.
Also, entweder ich stelle mich hin, sage ich führe nacheinander im ca. 2 Jahres Rhythmus Hormonrauschbeziehungen, und schau, wo ich meine Lebenslangen Bindungen herbekomme.
Oder ich sage, ich entwickle meine Hormonrauschbeziehungen weiter zu etwas anderem, dauerhaftem, in dem klar kommunizierten Wissen, dass es sich eben dann irgendwann nicht mehr um eine romantische Beziehung handelt. Und schau, wie ich mir dann mein Bedüfnis nach Romantik in Zukunft erfülle.
Aber ich und alle anderen werden nur glücklich werden, wenn ich das offen mache.