Bard3
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ich würde gerne eure ehrliche Einschätzung hören, weil ich mittlerweile selbst nicht mehr weiß, ob ich die Situation realistisch einschätze oder ob meine Gefühle meinen Blick verzerren.
Meine Ex-Freundin und ich waren 2,5 Jahre zusammen, für uns beide die längste Beziehung bisher. Wenn wir allein waren, war sie unglaublich liebevoll, aufmerksam und fürsorglich. Sie hat oft von einer gemeinsamen Zukunft gesprochen, wollte heiraten und Kinder haben, und ich hatte immer das Gefühl, ihre große Liebe zu sein.
Die Beziehung hatte aber auch ihre Probleme. Vor allem bei Konflikten konnte sie sehr hart werden oder sich hinter einer Art Fassade verstecken. Ich habe viele Dinge nie richtig angesprochen und irgendwann aus Überforderung Schluss gemacht. Im Nachhinein bereue ich, dass ich die Probleme nicht früher offen angesprochen habe.
Beim Schlussmachen haben wir etwa sechs Stunden geredet. Für sie kam die Trennung völlig überraschend.
**Erstes Treffen (ca. 2 Monate später, um Sachen auszutauschen)**
Sie trat extrem kalt und abgeklärt auf. Sagte, es sei ihr nur drei Tage schlecht gegangen, sie sei froh, dass Schluss ist. Sobald sie merkte, dass ich emotional und sensibel war und noch Gefühle hatte, blockte sie ab. Sie fragte mich im Gespräch, ob ich noch romantische Gefühle für sie hätte – die Frage überrumpelte mich, ich bin etwas ausgewichen und hab nicht ganz ehrlich geantwortet. Daraufhin fragte ich sie dasselbe: Sie sagte, nein, sie habe keine romantischen Gefühle mehr für mich, könne mich aber trotzdem nicht mit einer anderen Frau sehen. Auf meine Nachfrage, wie das zusammenpasst, kam nur ein "so bin ich halt". Trotzdem schickte sie mir abends noch alle Bilder zurück und ungefragt ein altes Pärchenbild von uns, mit dem Kommentar, sie fände es schön.
**Die Zeit danach**
Es kamen ab und zu Snaps. Dann erfuhr sie, dass ich von ihrer Ausleb-Phase weiß (über einen gemeinsamen Freund, der mir erzählte, dass sie sich stark auslebt und selbst von einer "Hoe-Phase" gesprochen hat).
**Zweites Treffen**
Ich zog mich zurück und schlug vor, dass sie ihre Sachen einfach kontaktlos aus dem Schuppen holen kann, wir uns gar nicht sehen müssen. Sie merkte, dass ich ihr entgleite. Was passierte? Sie bestand sofort auf ein persönliches Treffen, war dort plötzlich extrem lieb, vertraut, machte Komplimente (u.a. zu meinem Pulli, woraufhin sie von sich aus vorschlug, mal zusammen shoppen zu gehen) und gab mir wieder Nähe. Wir sprachen dabei auch kurz über ihre Ausleb-Phase – sie hat das Thema selbst angesprochen und wurde dabei sehr emotional, hat fast mit den Tränen gekämpft. Fuhr mich anschließend noch zu einem Freund, obwohl das nicht nötig gewesen wäre. Lange Umarmung zum Abschied. Direkt danach schickte sie mir ein Foto von ihrem Hund mit dem Text, dass er mich noch riechen könne. Wir schrieben beide, dass uns das Treffen gutgetan hat. Danach verlief der Kontakt wieder im Sande.
**Aktuell**
Vor Kurzem habe ich sie gefragt, ob sie Lust hätte, mal shoppen zu gehen. Sie antwortete sofort sehr positiv. Dieses Wochenende ging es wegen ihres Umzugs nicht, aber wir wollten uns diese Woche treffen. Nach ihrem Umzug meldete sie sich nochmal von sich aus und sprach das Treffen erneut an.
Ich habe ihr am Sonntag ganz konkret vorgeschlagen, dass wir uns diesen Samstag treffen. Heute ist Dienstag – und sie hat mir seit Sonntagabend schlichtweg gar nicht darauf geantwortet. Sobald von mir wieder eine klare Initiative kommt, lässt sie mich also wieder zappeln.
**Eine Parallele, die mir erst jetzt auffällt**
Sie hat mir in der Beziehung mal erzählt, dass ihr allererster Freund damals Schluss gemacht hatte. Als sie sich danach auslebte und er nach einer Weile wieder ankam und sie zurückwollte, gab sie ihm eine Abfuhr. Sie hat mir das damals extrem euphorisch erzählt – es kam bei mir so rüber, als hätte es ihr extrem gutgetan zu merken, wie gut sie bei Männern ankommt, und ihm dann die kalte Schulter zu zeigen.
Ich war nach diesem ersten Ex ihre zweite große Liebe. Ich habe vor 6 Monaten Schluss gemacht. Jetzt lebt sie sich aus – und ich frage mich, ob sich dieselbe Dynamik wiederholt: kalt oder ignorierend, wenn sie sich meiner sicher fühlt; liebevoll und nah, sobald ich mich zurückziehe – nur um mir, sobald ich mich komplett öffne, vielleicht die finale Abfuhr zu erteilen, als Ausgleich für ihren verletzten Stolz beim ersten Mal und als Ego-Push.
**Meine Fragen an euch**
Wirkt das für euch wie jemand, der noch Gefühle hat, oder eher wie jemand, der wirklich nur freundschaftlichen Kontakt möchte? Seht ihr in diesem ständigen Wechselspiel (kalt/ignorierend, wenn ich nah bin; liebevoll, wenn ich mich entziehe) eher das systematische Absichern fürs eigene Ego? Oder steckt hinter so einem Verhalten bei einer schwierigen Persönlichkeit doch mehr Unsicherheit und unbeendete Gefühle?
Ich halte aktuell die Füße komplett still. Wenn bis Samstag keine Antwort oder nur eine Absage ohne konkreten Gegenvorschlag kommt, ist die Sache für mich ohnehin gelaufen und ich ziehe den endgültigen Schlussstrich.