Sturm
Gast
Wie fange ich an?
Meine Frau (34) und ich (37) sind seit 16,5 Jahren zusammen, haben vor 8,5 Jahren geheiratet, haben zwei Töchter (4 & 5 Jahre) und wohnen gemeinsam in einer Eigentumswohnung.
Probleme tauchten schon immer auf (in welcher Beziehung nicht?), aber es war nie wirklich schlimm - dachte ich zumindest. Vor etwa einem halben Jahr sagte meine Frau mir, das es sehr schlecht um ihre Gefühle steht, weil ich ihr das Zusammenleben nicht einfach machte. Ich half zu wenig im Haushalt, Unternehmungen am Wochenende musste sie planen, ich war sehr unselbstständig, oft auch sehr launisch.
(Bevor die Frage kommt: Ein anderer Mann ist nicht im Spiel. Das hat Sie mir selber gesagt, ich glaube ihr das auch, weil wir uns in der Hinsicht immer vertrauen konnten.)
Daraufhin besuchten wir eine Eheberatung, ich arbeitete an mir, änderte mein Verhalten, tat alles, um es wieder besser zu machen - aber am 2.1. dieses Jahr sagte sie in der Beratungsstunde, daß es keinen Sinn mehr hätte. Ihre Gefühle für mich wären komplett weg, wir würden zwar als Familie mit den Kindern funktionieren, aber es war in ihren Augen nur noch wie eine WG, sie könne so nicht mehr weiter machen und wollte die Trennung. Für mich brach eine Welt zusammen, auch weil mir mehrere Leute schon gesagt haben, man würde bei mir tatsächlich schon eine Veränderungen bemerken.
Ein Beispiel ist die Hilfe im Haushalt, hier jetzt speziell Spülmaschine ein-/ausräumen. Wenn ich das früher gemacht habe und sie saß im Wohnzimmer auf dem Sofa, habe ich immer gedacht "Na toll, ich muß hier arbeiten und sie sitzt bequem auf dem Sofa." Heute denke ich in der gleichen Situation "Cool, ich nehme ihr hier die Arbeit ab und sie kann sich ausruhen." Nur ein kleines Beispiel, aber um zu zeigen, das ich wirklich an mir arbeite.
Deshalb kam die Trennung jetzt doch sehr überraschend. Anfangs war ich sehr niedergeschlagen und brach immer wieder in Tränen aus, obwohl ich wusste, dass ich Sie damit nur noch weiter von mir entferne. Inzwischen ist der erste Schock überwunden und man funktioniert wieder nach aussen.
Sie hat derzeit (Zitat) "Null Gefühle" für mich und kann sich ein weiteres Zusammenleben absolut nicht vorstellen, möchte aber auch erstmal abwarten, wie sich das dann bei einer räumlichen Trennung entwickelt.
Andererseits sehe ich jetzt bereits die ersten positiven Aspekte der Zukunft (eigene Wohnung, eigenes Auto, mehr Freiheiten, mehr Zeit für mich,...), wobei trotzdem auch noch der Kummer und die Schmerzen immer wieder hervorbrechen (Kinder weniger sehen, meine Frau weniger sehen, ich ´verliere´ die ganze Familie meiner Frau, etc.)
Positiv derzeit ist, das wir sehr respektvoll und ruhig miteinander umgehen, es gibt z.B. keine Probleme wegen der Kinder, unserer Wohnung oder bei der Aufteilung der Finanzen, auch wie es mit der bisher gemeinsam abgezahlten Wohnung weiter laufen soll. Ich habe selber gesagt, dass sie mit den Kindern in der Wohnung bleibt, weil ich einen Vollzeitjob habe und das mit Kindern schwer zu händeln ist (Kindergartenzeiten etc...). Wir haben auch schon einen Plan, wer wann die Kinder bekommt, ich hätte sie dann jeden Dienstag nachmittag über nacht und würde sie am nächsten Morgen zum Kiga bringen, weil meine Frau Dienstag nachmittags bis 20.00 arbeitet. Ausserdem hätte ich sie jeden Freitag ab mittags bei mir, jedes zweites Wochende dann komplett bis Sonntag nachmittag/abends. Relativ faire Lösung unter den Vorgaben.
Die Eigentumswohnung gehört uns beiden (sind beide eingetragen), sie bleibt jetzt bis zum Ende der derzeitigen Finanzierung (ca. Ende 2018) dort drin, dann wird die Wohnung verkauft und der Erlös wird 50/50 geteilt. So weiß ich wenigstens, wo mein Unterhalt bleibt...
Ich habe seit dem 1.2. eine eigene Wohnung, kann aber erst ab Mittwoch komplett dort bleiben, habe derzeit noch keine Schlafmöglichkeit dort. Ist eine an und für sich hübsche Wohnung, Dachgeschoß, 67qm, mit viel Platz auch für die Kinder, die ja auch bei mir bleiben sollen. Sehr nah an Kindergarten und Grundschule, jeweils keine 5 Minuten zu Fuß. Unsere Kinder haben die "Geschichte" im ersten Moment recht ruhig aufgefasst (am 17. haben wir ihnen das gesagt, als ich die Wohnung sicher hatte), in den letzten zwei, drei Tagen kommen aber öfters Fragen wie "Warum kann Papa nicht hierbleiben?", wir haben denen zwar nicht gesagt, das nur meine Frau die Trennung wollte ("Mama und Papa haben sich nicht mehr lieb."), aber irgendwie bekommen Kinder das mit, vor allem die Große ist da recht schnell.
Wir unterstützen uns jetzt auch in dieser Phase, ich berate sie z.B. bei neu anzuschaffenden technischen Geräten, sie hilft mir dafür in Einrichtungsdingen (z.B. gemeinsamer Groß-Einkauf bei IKEA), es läuft alles schon irgendwie "harmonisch" ab, wobei wir beide hoffen, dass es niemals in Streit umschlägt.
Warum ich aber eigentlich hier schreibe:
Ich hänge sehr an meiner Frau und liebe sie über alles und will sie einfach nicht aufgeben. Ich möchte ihr beweisen, das ich mich nicht nur für 3 Monate ändern kann, sondern tatsächlich langfristig und nachhaltig. Habe mir deshalb auch vorgenommen, Sport zu treiben und abzunehmen (wiege derzeit 124 kg bei 1,80m...) um mich auch so wieder attraktiv für sie zu machen. Ich möchte wieder freundlicher zu meinem Umfeld werden, insgesamt aktiver und selbstständiger. Ich habe wirklich einiges vor und habe es diesmal auch wirklich kapiert, das merke ich diesmal. Allerdings gibt es einige Sachen, vor denen ich derzeit extreme Angst habe:
- Die Unsicherheit, ob das alles ausreicht, ihre Zweifel an mir zu vertreiben. Ich bin bereit, alles dafür zu tun, das wir wieder miteinander glücklich werden, aber derzeit sieht es bei ihr eben so extrem schlecht aus.
- Was mache ich, wenn Sie endgültig "nein" sagt? Im Moment habe ich bei dem Gedanken an diese Zukunft (Scheidung) die schlimmsten Vorstellungen von meiner Reaktion (Tabletten, Auto, Seil, etc...)
- Was passiert, wenn sie irgendwann mal doch einen anderen kennenlernt? Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen werde...
Ich möchte ihr, sobald ich endlich in meiner Wohnung bin, auch erstmal Freiraum geben (Kontaksperre), da man sich aber schon durch die Kinder immer wieder sieht, wird das nicht so einfach. Und dann ist da diese Zwickmühle:
Gebe ich ihr den Freiraum, sagt sie vielleicht "Oh, ohne ihn ist ja super, also geht es auch komplett ohne ihn."
Wenn ich mich aber immer wieder zeige/"präsentiere", gehe ich ihr damit auf die Nerven und sie zieht sich endgültig zurück.
Wie soll ich die Zukunft nur angehen?
Das funktioniert leider nur in wenigen Fällen. Eine einmal gelebte Liebe muss sich nicht in Verachtung und Hass umwandeln, damit man getrennte Wege geht! Und ihr macht das sehr gut. 
