Peter_S
Gast
ich versuche es, so kurz wie möglich zu machen, was in Anbetracht der Situation nicht
leicht ist:
Meine Frau (39) hat sich vor 2 Jahren nach 11 Jahren Beziehung und 3 Jahren Ehe von
mir (m, 39), getrennt. Sie war meine erste Beziehung und nicht nur dadurch etwas ganz
Besonderes. Wir haben unglaublich viel unternommen und eine wirklich karmische (ja ich weiß,
manche hören das nicht gern
Sie ist Ausländerin. Vor 2 Jahren erkrankte ihr Vater schwer an Krebs und jetzt sieht es
nicht gut aus. Meine (damalige) Frau hängt extrem an ihren Eltern, was ja verständlich ist.
Sie veränderte sich aber plötzlich und wurde abweisend mir gegenüber. Ich hätte sie in dieser
schwierigen Phase gerne aufgefangen ("in guten, wie in schlechten Zeiten"), aber sie machte
alles nur noch mit sich und ihrer Familie sowie einigen Freundinnen aus. So kam dann die
Trennung und wir vereinbarten die Scheidung, welche immer noch nicht abgeschlossen ist.
Ich habe 1 1/2 Jahre gelitten wie ein Hund, die Trennung von ihr hat mir sprichwörtlich
die Lebensfreude genommen. Wir waren immer unzertrennlich und unsere Partnerschaft fast ohne
Streit und immer mit viel Intimität. Von einem Tag auf den anderen musste ich ausziehen und
mir eine neue Existenz ohne sie aufbauen. Erst nach 1 1/2 Jahren wurde es ein bisschen besser,
wobei ich fast keinen Kontakt mehr zu meiner Ex habe.
Ich war wirklich mit Gedanken immer bei ihr und eigentlich habe ich keinen Gedanken an eine
neue Beziehung verschwendet, das wäre auch völlig unmöglich, da ich emotional noch so stark
mit meiner Ex (und der Scheidung) beschäftigt war. Plötzlich setzte sich im Zug eine junge
Dame (29) zu mir, sprach mich an. Wir hatten freundschaftlichen Kontakt, leider wohnt sie
sehr weit weg. Es entwickelte sich ein tägliches Hin- und Herschreiben, Telefonate usw.
Sie half mir natürlich auch über die letzten 6 Monate hinweg und ich sagte ihr gleich, dass
ich noch nicht geschieden bin, was sie aber erstaunlich gelassen zur Kenntnis nahm.
Es kam dann jüngst zu einem Treffen und dort passierte alles: Sie ist wirklich extrem in
mich verliebt, möchte immer Zärtlichkeiten und auch zu S** kam es mehrmals. Gefühlsmäßig war
es für mich in Ordnung, weil ich mich ebenfalls in sie verliebt habe, wenngleich es sich für mich
ein wenig merkwürdig anfühlt, da ich gedanklich noch nicht ganz frei bin.
Jetzt hat sich die ganze Situation weiter verschärft: Sie liebt mich so sehr, textet mich
Tag und Nacht zu und würde gerne jedes Wochenende zu mir fahren. Ich bekomme kaum mehr eine
ruhige Minute, schätze es aber natürlich, so geliebt zu werden. Und ja - ich bin auch in sie
verliebt, ich finde sie körperlich sehr attraktiv und ich mag auch ihre Art. Sie ist aber unglaublich
"klammerig", das heißt, sie schreibt wirklich den GANZEN Tag und ich muss immer wieder sagen,
dass ich ein bisschen Zeit brauche. Sie benimmt sich wie eine Teenagerin, was bei meiner
Ex so nie der Fall war. Antworte ich mal 5 Minuten nicht, fragt sie gleich, was los sei usw.
Ich bin keine 18 mehr und das nervt mich gewaltig. Ich habe es ihr mehrmals gesagt, aber sie fängt
immer wieder damit an. Das führt dazu, dass sie beispielsweise am Wochenende von 9 Uhr morgens
bis 23 Uhr abends ohne Unterbrechung schreibt und Sprachnachrichten schickt. Sie hat kaum Freunde,
was erschwerend hinzu kommt. Ich rette mich oft, indem ich Freunde treffe oder viel Berufliches
erledige. Ich weiß, es ist lieb von ihr gemeint, aber selbst in der Verliebtheitsphase muss es
so "eng" wirklich nicht sein. Gerade weil ich viele andere Dinge im Kopf habe, ist es eine echte
Belastung, gleichwohl habe ich Gefühle für diese Frau, keine Frage.
Als wäre das nicht genug jetzt der nächste Paukenschlag: Meine Ex verlässt in Kürze FÜR IMMER
Deutschland, um ihren schwer kranken Vater zu pflegen und ihre Mutter zu unterstützen. Die
Scheidung wird dann "aus der Ferne" stattfinden. Es ist fraglich, ob es überhaupt nochmal zu
einem persönlichen Treffen zwischen uns kommt, da unser letztes Treffen 1 Jahr zurück liegt!
Gleichzeitig hat sich meine neue Freundin für das übernächste Wochenende angekündigt und
möchte "alles mit mir machen und unternehmen".
Liebe Leute, ich bin eigentlich so dankbar, dass ich nach dieser so harten Trennung eine
so liebevolle neue Freundin kennengelernt habe, aber ich bin innerlich sehr belastet und ihre
extrem anhängliche Art kann ich vor allem im Moment nur schwer ertragen.
Mit meiner Ex habe ich einen Stapel Fotoalben zu Hause, wir haben immer zusammen gewohnt und somit 11 Jahre den Alltag gemeistert und ALLES zusammen erlebt. Meine neue Freundin wohnt sehr weit entfernt und es kommt nur selten zu Treffen. Ich erlebe sie also kaum in Alltagssituationen.
Natürlich sind der S** und die Zärtlichkeiten auch wunderschön, aber es fühlt sich surreal an.
Andererseits möchte ich sie nicht enttäuschen, sie hat es verdient, geliebt und gut behandelt zu
werden. Wenn wir uns sehen, bin ich wirklich frei im Kopf und alles läuft perfekt, aber wenn sie
nicht bei mir ist, dann denke ich oft an meine Ex. Auch, dass sie jetzt aufgrund der familiären
Ereignisse so traurig ist. Und ich wollte doch mit IHR für immer glücklich sein. Bis vor 2 Jahren
war ich das auch so sehr - fast alles hat gepasst. Ich weiß auch nicht, warum sie mich bei der Krankheit
des Vaters so außen vor gelassen hat, dabei bin ich sehr empathisch und hätte sie gerne unterstützt.
Mich treiben jetzt einige Gedanken, vor allem ein Gedanke bezüglich meiner Ex und einer in Bezug auf meine neue Freundin, um:
Ich kann den Gedanken kaum ertragen, dass meine Ex ins Ausland "verschwindet" und ich sie -die doch auf all meinen Fotos ist und mit der ich so viel Liebe geteilt und einen Großteil meines Lebens verbracht habe- vielleicht nie mehr sehen werde.
Ich frage mich, ob ich sie doch ein letzes Mal für einen Abschied besuchen soll, aber sie blockt den
Kontakt oft ab. Vielleicht würde es außer Tränen und Trauer nichts bringen. Aber soll ich es versuchen, ich möchte ihr wirklich gerne noch einmal von Angesicht zu Angesicht begegnen.
Und dann frage ich mich, ob ich jetzt schon eine stabile Beziehung mit meiner neuen Freundin aufbauen kann - so leidenschaftlich wie mit meiner Ex. Es ist eben eine Fernbeziehung, daher schon per se anders als meine Ex-Beziehung. Einerseits liebe ich sie, aber sie ist so extrem besitzergreifend, das finde ich ein wenig abschreckend. Ich habe die Befürchtung, dass sie im Alltag genauso anhänglich ist wie jetzt per Text- und Sprachnachrichten und immer 100% meiner Aufmerksamkeit einfordert. Sie schreibt und sendet
Sprachnachrichten -ungelogen- etwa 14 Stunden am Tag, ohne Unterbrechung! Und erwartet stets eine Antwort. Ist sogar eifersüchtig, wenn ich mal 3 Stunden mit meinen Kumpels weg bin.
Ich denke, ihr Verhalten ist selbst für eine junge Frau unnormal. Sie macht auch keine Pause beim Senden der Sprachnachrichten: Irgendwann ist alles gesagt und dann kommt 100x "ich liebe dich" hin und her. Obwohl ich ihr gesagt habe, ich hätte gerne mehr Freiraum.
Ich zweifle daran, ob es mit meiner neuen Freundin wirklich Sinn macht, aber andererseits habe ich
Angst, voreilig zu handeln und mir dadurch eine große Chance auf eine vielleicht wunderbare Beziehung
zunichte zu machen.
Wie denkt ihr über meine Situation?
Gruß Peter
