Zitat von Disturbia:@Anne55
Durch meine Erlebnisse wie u.a. körperliche Misshandlung, bin ich von einem extrovertierten zu einem introvertierten Menschen geworden.
Ich kann mich nur Menschen richtig öffnen, die mir vorher gezeigt haben, dass ich keine Angst haben muss.
Auf der Arbeit kann ich mich nicht zusammenreißen. Es gab eine Zeit, da hätte ich jedem etwas vorspielen können.
Aber mittlerweile bekomme ich so etwas wie Schüttelfrost, wenn ich aufgeregt bin oder Angst bekomme.
Liebe Disturbia
nach deinen Erfahrungen wundert es mich nicht, daß du so reagierst und übervorsichtig bist, deine Angst wieder so erniedrigt und benutzt zu werden ist verständlich. Nach aussen etwas aufrecht erhalten zu wollen, was innerlich fehlt -nämlich Vertrauen zu haben- kostet viel Kraft und irgendwann reicht sie nicht mehr aus das aufrecht zu erhalten. Das kommt einem Burnout gleich.
Dieser "Schüttelfrost" kommt wahrscheinlich von deiner inneren Anspannung und Angst, sofern du versuchst diese zu unterdrücken, kann sich diese Spannung nicht entladen und das Zittern kommt immer wieder, bei der nächsten selbstähnlichen Erfahrung. Deshalb kann es hilfreich sein diesem Zittern nachzugeben, es voll und ganz zuzulassen, so kannst du es auflösen. Es gibt dazu spezielle "Schüttelübungen", z.B. aus dem Qi Gong oder aus der Bioenergetik.
Zitat:Die Welt so zu sehen habe ich bereits versucht. Ich dachte der Buddhismus wäre ein Fluchtweg, in die Realität. Mir hat es nicht geholfen, es hat Alles nur noch schlimmer gemacht.
Wenn du eine Lebensform als Fluchtweg siehst, kann der Schuss nach hinten losgehen und du kannst dadurch auch retraumatisiert werden, genauso wie mit einem Therapeuten, der sein Handwerk nicht versteht und dich nicht da abholen kann, wo du gerade stehst.
Zitat:Ich nutze zur Zeit ein nicht vorhandenes Maß an Selbstsicherheit, um das vorzugaukeln was ich nicht habe. Ich verstehe es nicht, wo finde ich die letzten Reserven, um das noch durchzuhalten?
Sich etwas vorzumachen kostet deine Kraft und verbraucht deine Reserven.
Selbstannahme ist wichtig, dir einzugestehen, daß du immer noch Angst hast, daß wieder etwas schreckliches passieren kann und das du dich immer noch zu schützen versuchst mit deinem Verhalten.
Und dir gleichzeitig auch bewusst machst, daß es in deiner Vergangenheit mal richtig war, weil es dir half all das zu überstehen, du jetzt aber andere Möglichkeiten hast um dich zu schützen und solange du das so weitermachst wie bisher - du Opfer bleibst.
Es gehört zu deiner Vergangenheit und die ist vorbei,
du hast sie überstanden.
Zitat:Ich bin bereit mich zu schützen, warum weiß ich nicht.
In mir kann ich nur Versagen erkennen, nichts für das es sich noch zu kämpfen lohnt. Mit jeder Frage in meinem Kopf die ich versuche zu beantworten, tue ich mir mehr weh.
Wir schützen uns, damit wir überleben können und um irgendwann auch wieder unser Leben geniessen zu können, mit all unseren Sinnen.
Weil wir aber unter diesen Schutzmustern auch leiden, und sie uns nicht wirklich schützen, ist es sinnvoll diese Muster aufzulösen und zu überschreiben, mit neuen Erfahrungen durch uns selbst.
Das schafft Selbstvertrauen. Dazu braucht es Mut - wie in der Liebe auch.
Zitat:Wie lange noch? Will ich das noch? Ich kann niemanden ändern, nur mich selbst.
Ich habe kein Bedürfnis ein Teil dieser Gesellschaft zu werden, indem ich das hinter mir lasse, was mich noch bei Verstand hält. Eine Ahnung was richtig und falsch ist. Es ist mir wichtig. Ich will mich nicht in mir einsperren.
Du hast die Möglichkeit der Teil der Gesellschaft zu werden, die dir entspricht, es sind nicht alle gleich, es gibt Unterschiede und nicht nur Schwarz oder Weiss, sondern auch Buntes und Grautöne.
Zitat:Ich konnte nie die Erfahrung machen, dass seelische Wunden verheilen, weil sie irgendwer durch Absicht oder Frust wieder aufgerissen hat. Vielleicht bin ich auch deshalb so wie ich bin.
Du bist so weil das Leben dich geformt hat und du hast die Möglichkeit, dir wieder eine andere Form zu geben, die, die du haben und sein willst.
Wer ist es, der die Wunden wieder aufreisst ?
Wer glaubt, daß andere, ausser er selbst, das schaffen können ?
Das geht nur wenn wir anderen Macht über uns geben
und damit auch Opfer bleiben.
Das glaubt nur dein geringes Selbstwertempfinden und deine geringe Eigenliebe.
Zitat:Schwach, entbehrlich, für Freundschaften ungeeignet, introvertiert, desinteressiert mich zu präsentieren,
wertend, melancholisch, unorientiert,
habe Selbstmitleid, weil ich gelernt habe, dass die einzige Person die hinter mir steht ich selbst bin.
Selbstmitleid sagt aus, daß du die Bereitschaft zum Leiden hast, Mitgefühl für dich selbst geht anders, durch Verständnis und Annahme und Akzeptanz deiner Selbst.
Zitat:Ich bin mir nicht sicher ob ich stark sein will oder Anders sein. Ich dachte immer:Hoffnung und seine Gefühle zu unterdrücken würden reichen um im Leben stehen zu können. Leider falsch geraten. Alles was ich tue ist falsch.
Es ist genau richtig was du tust, weil du noch nicht das passende Rüstzeug für dich gefunden hast um etwas anderes tun und glauben zu können.
Habe dafür Verständnis und Mitgefühl!
Zitat:Kaum einer zeigt Interesse an mir.
Ja es ist meine Schuld.
Doch kann mir jemand sagen, was ich jetzt tun soll?
Zeige du zuerst Interesse an dir selber, nehme dich selbst als wichtigste Person in deinem Leben wahr, schaue liebevoll, wie eine fürsorgliche Mutter auf dich, versuche negative Gedanken durch positive zu ersetzen, denn sie sind wahrer. Erst wird sich alles in dir wehren, diese guten Gedanken auch zu fühlen, aber mit etwas Geduld kannst du es schaffen, wenn du täglich morgens, abends über mehrere Wochen damit arbeitest.
Ich hatte damit angefangen mich dem Gedanken zu öffnen : Mich und all meine Gefühle zu würdigen, mich voll und ganz anzunehmen, so wie ich bin ohne mich zu beurteilen, und hingespürt wo in meinem Körper ich Gefühle wahrnehme und konnte langsam Widerstände spüren und durch meinen tiefen bewussten Atem konnte ich langsam diese Widerstände aufgeben, bekam mehr Selbstvertrauen und nach und nach tauchten dann auch die Gefühle darunter auf, es war ein langsames loslösen. Wichtig war für mich meine neuen guten Gedanken über mich auch wirklich nachzuspüren, sie waren immer noch da, waren niemals ganz ausgelöscht, sondern nur durch meine Schutzmauern vorher nicht mehr spürbar für mich.
Durch Schutzmauern kann Liebe weder hinein, noch heraus, du kannst sie nicht mehr spüren - ob wohl sie immer noch da ist.
Anfangs klappte es noch nicht so recht, dann stellte ich mir die innere Frage :
Wie würde es sich anfühlen wenn ich das wirklich so fühlen könnte, auch wenn ich es nicht glaube, daß da irgendetwas positives in mir ist.
Wie würde es sich anfühlen, wenn ich ab jetzt so durch das Leben gehen könnte.
Wie würde es sich anfühlen wenn ich einen guten Freund bei mir habe, der mich auch so sieht , usw...
Und irgendwann konnte ich auch mein Herz dafür aufmachen und hatte wieder den Zugang zu mir gefunden, meine Ängste hatten sich langsam gelöst.
Zitat:Ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle, mein Körper will mich nicht weinen lassen und mein Kopf blockiert wenn ich über meine Probleme nachdenken will. Ich habe Angst vor der Zukunft, Angst vor mir selbst, will mich in eine absolute Dunkelheit verkriechen, die so nicht existiert. Ich weiß nicht ob es eine gute Idee ist los zulassen.
Keine Kontrolle, keine falsche Hoffnung, kein Verteidigen, kein zurückhalten, keine Heuchelei,
Gefühle(?).
Es ist jetzt vielleicht auch an der Zeit, dass du nicht mehr kontrollieren willst, sondern mehr loslassen lernst, denn dein Körper reagiert schon recht heftig darauf und macht dich aufmerksam.
Zitat:Alles wofür ich bisher gekämpft habe, würde mir egal werden. Es ist, als ob es an der Tür klopft. Du schaust durch den Spion in die Dunkelheit. Du weißt dort ist nichts, aber wenn du die Tür öffnest, kommt diese Kälte, die Dunkelheit. Alles wofür du standest negiert, alles was du warst aufgelöst, richtig oder falsch existiert nicht. Das ist mein persönlicher Albtraum.
Dein Alptraum beruht auch auf deinen Ängsten, die unreal sind und du weisst es, du läßt dich durch sie nur einsperren. Deine Gedanken schaffen deine Realität, so siehst du deine Welt. Auch wenn sie in Wirklichkeit ganz anders ist.
Angst zieht Angst an, das bedeutet, du wirst dich überwiegend auch in Beziehungen verstricken, die auch mit Angst behaftet sind und die dir zusätzlich schaden und deshalb erlebst du immer wieder deine (alten) Höllenqualen.
Dir zu sagen, du brauchst keine Angst zu haben, bringt dir nichts, denn du hast sie ja schon, nehme sie an, sprich mit ihr, du kannst sie fragen, warum sie da ist und was sie dir sagen will. Das kannst du auch mit anderen Symptomen oder Organen machen, z.B. wenn dein Magen schmerzt. Dein Unterbewusstsein wird dir die Antworten geben, denn es weiss ja alles, hat alles im Speicher und kann darauf zurückgreifen, wenn du es zulassen kannst und deine innere Stimme sprechen läßt.
Ich habe mal mich mal annähernd ähnlich gefühlt, vieles ausprobiert und alles, was ich probierte lief darauf hin sich selbst zu lieben, anzuerkennen, zu würdigen und zu akzeptieren.
Finde etwas, was dich am ehesten anspricht und sich realistisch umsetzen läßt, egal was es ist. Du bist wahrscheinlich irgendwann einmal aus dir herausgetreten, jetzt kannst du lernen wieder zu dir zurückzukehren, spüren wer du wirklich bist, welcher Schatz sich hinter deinen Ängsten verbirgt. Du kannst dich wieder wertschätzen lernen, mit all deinen Stärken und Schwächen und dich damit in Frieden zu fühlen.
Scheue dich nicht dir Hilfe zu suchen und klar zu formulieren, was du dafür brauchst um mit den Auswirkungen deiner Vergangenheit besser umgehen zu können.
Gib niemals auf, auch wenn der Weg nicht leicht ist, es lohnt sich ihn zu gegen, am Ende wartet mehr Licht auf dich!
Alles Gute und viel Glück!