RainbowDash
Mitglied
- Beiträge:
- 394
- Themen:
- 5
- Danke erhalten:
- 266
- Mitglied seit:
ich muss mir mal zu einem Thema Luft machen, das mich gerade emotional sehr hoch kocht. Vielleicht ist auch jemand unter Euch, der eine ähnliche Situation durchgestanden hat. Meine Emotionen kochen über...
Der Erzeuger meiner Tochter hat sich vor etwa einem halben Jahr nach über sechs Jahren vollkommener Abwesenheit über Anwalt gemeldet. Zunächst ließ er ankündigen, dass er nun doch mal Unterhalt bezahlen möchte. Drei Monate später erhielt ich dann ein Schreiben, er wolle nun nicht nur zahlen, sondern auch sein Kind sehen. Die glorreiche Idee: das Kind mal an der Grundschule besuchen und Hallo sagen. Aber naja, es passt ins Bild.
Die Vorgeschichte ist sicherlich keine, mit der ich mich brüste. Ich wurde schwanger von einem aggressiven, in Trennung lebenden Mann. Eine feste Beziehung hatten wir nie. Ich war verknallt nachdem ich schon aus einer kaputten Beziehung kam. Und sah nichts. Es war so ein On-Off-Ding, was für mich sehr emotional ablief.
Mit der Schwangerschaft begann für mich die schmerzhafteste Zeit überhaupt. Er war zu allem bereit, um nicht Vater zu werden. Ich jedoch wollte die Verantwortung übernehmen. Also entschied ich "über seinen Kopf" hinweg. Und das Drama begann.
Ich möchte nicht zuweit ausholen. Aber für meine jetztige Situation ist es wichtig zu wissen, dass er sowohl verbal als auch physisch aggressiv war, erst Recht, wenn er Alk. getrunken hatte oder andere Substanzen zu sich genommen hatte. Zu dem Zeitpunkt war ich das beste Beispiel für eine emotional abhängige Frau. Ich wollte, dass mein Kind irgendwie Kontakt zu seinem Vater haben konnte. Dafür hab ich ziemlich viel in Kauf genommen. Zuviel.
Ich habe 4 Jahre Therapie gebraucht, um all das gut zu verarbeiten. Manche Dinge sind aber wohl immer noch nicht verheilt.
Als meine Tochter etwas ein Jahr alt war hatte ich genug Versuche unternommen, um ihm einen Platz als Vater im Leben meiner Tochter zu geben. Ich habe seine ständigen Eskalationen nicht mehr ertragen und beim Jugendamt um Hilfe gebeten. Ich war so fertig, ich hatte Angst vor diesem Menschen. Es war zuviel passiert. Ich wollte, dass der Kontakt vom Jugendamt geregelt wird. Ich wollte ihn nicht mehr sehen, konnte ihn nicht ertragen. Keine Sekunde mehr. Ich befürchtete, irgendwann durchzudrehen. Zu dem Zeitpunkt kannte er bereits keine Adresse mehr von mir. Ich hatte Angst, dass er kommt, mich verprügelt und das Kind nimmt - nicht um ihretwillen, sondern um mich zu verletzen.
Als das Jugendamt ihn kontaktierte war er noch zorniger. Der Terror kam übers Telefon mit Beschimpfungen, was das solle, das Jugendamt einzuschalten. Das sei das Letzte. Das war auch dann das letzte, was ich mit ihm gesprochen hatte. Ab da forderte das Amt den Unterhalt ein. Den er natürlich nicht zahlte. Ich bekam Unterhaltsvorschuss und er verschwand. Das Amt hatte keine Möglichkeit, gegen ihn zu vollstrecken.
Bis zum letzten Dezember. Als das Anwaltschreiben kam fiel ich aus allen Wolken. Ja, ich hatte mir gewünscht, dass er sich nie wieder bei uns meldet. Er wollte zahlen, schrieb sein bedepperter Anwalt, der nichtmal Grußfromeln benutzte und mich persönlich beim Vornamen ansprach. Ich witterte Vetternwirtschaft.
Auf den Brief reagierte ich nicht, man wollte mir das Geld überweisen - wenn ich ich nicht antworte, würde man es ans Jugendamt zahlen - so wie es eigentlich sowieso sein sollte.
Dann erfolgte drei Monate später ein weiteres Schreiben von besagtem Anwalt. Ich empfand es als Drohung. Der Kindsvater würde meine Tochter aufsuchen an der Schule. In meinem Kopf sah ich ihn schon das Kind entführen. Ich traue ihm das durchaus zu.
Ich meldet mich daraufhin beim Jugendamt. Man verwies mich an eine Stelle, die in solchen Fällen vermittelt und unterstützt. Dort riet man mir zunächst, mir ebenfalls einen Anwalt zu suchen. In letzter Instanz sagt man mir aber dann, dass das Jugendamt nur unterstützt, wenn keine Anwälte im Spiel sind.
Ich ging zunächst davon aus, dass der Herr Erzeuger es ohne Anwalt nicht hinbekommt, den Kontakt herzustellen. Erstaunlicherweise war er aber nun, nach zwei abgesagten Terminen, beim dritten wahrhaftig anwesend. Nicht in meinem Beisein.
Ich hatte zuvor mit der Dame von der Beratung schon mehrmals gesprochen und ihr mitgeteilt, dass ich eigentlich nie wieder mit diesem Menschen in einem Raum sitzen will, kann. Habe Ihr erzählt warum. Sie sagte dann, der Kontakt zu Ihrem Vater sei aber wichtig für meine Tochter. Und ich würde das schon schaffen.
Nun wurde ein Termin für ein Vorgespräch vereinbart. Die Heilpädagogin, der Erzeuger und ich. Alle im selben Raum. Gespräch. Und schon beim Gedanken daran dreht sich mein Magen nach Außen, ich bekomme Herzrasen, Schweißasubrüche, Panik... Mir geht es so schlecht damit. Aber ich muss. Für das Kindeswohl. Für mein Kind ist es wichtig seinen Erzeuger kennen zu lernen.
Ich weiß nicht, wie ich das hinbekommen soll. Ich weiß es zum Verrecken nicht! Es ist zum Glück noch etwas hin bis zu diesem Termin, aber ich komme absolut nicht klar darauf. Ich habe eine so tiefe Abneigung gegen diesen Menschen wegen dem, was er mir alles angetan hat. Und ich muss mich mit ihm hinsetzen und soll ihm erzählen, wie unser Leben die letzten Jahre war, als er wo auch immer war. Ich soll ihm Rede und Antwort stehen. Ich soll ihm Fragen stellen.
Ich will aber nicht. Haltet mich jetzt für einen sturen Kindskopf: alles in mir sträubt sich überhaupt nur in die Nähe von diesem Menschen zu kommen. Überall sagt man mir: das geht schon, Du tust das ja für Deine Tochter. Aber ich will nicht in seine Nähe, in den selben Raum. Mit ihm reden... Ich möchte mich verweigern. Und ich darf nicht.
Ich habe keine Ahnung, woher ich die Kraft dafür nehmen soll. Dieser Mensch ist Gift. Und ich fühle mich so hilflos... Hat vielleicht schonmal jemand Ähnliches erlebt? Wie bekomme ich das im Kopf hin, dieses Treffen zu meistern? Ich habe ja kaum eine andere Wahl. Der Gedanke macht mir schon so große Angst... Hilfe