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Gemeinsam getrennt und glücklich zusammen?!

denkende

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Hallo, es tut so gut, sich von der Seele zu schreiben, deshalb habe ich mich mal hier angemeldet und hoffe, ihr könnt mir ein paar Denkanstöße geben.

Mein Ex und ich sind nun nach 1,5 Jahren Beziehung seit drei Wochen nicht mehr zusammen. Er hat aus mangelnder Liebe mit mir Schluss gemacht. Das habe ich so akzeptiert, weil ich daran nichts ändern kann, aber auch, weil ich mir meiner eigenen Gefühle zu ihm nicht ganz sicher war.
Die erste Woche war ich sehr traurig. Doch seitdem geht es mir eigentlich echt gut. Ich denke noch an ihn, aber ohne Schmerz und einfach, weil wir eine echt schöne Zeit hatten, die ich nicht plötzlich vergessen kann (und will). wenn ich ihn richtig geliebt habe, sollte es mir jetzt total dreckig gehen vor lauter Liebeskummer, denke ich. Deshalb schließe ich mal daraus, dass am Ende der Beziehung auch bei mir nicht mehr allzu viele Gefühle da waren.

Wir sehen uns zur Zeit einmal in der Woche zu einem Seminar, in dem wir beide zusammenarbeiten müssen. In der ersten Trennungswoche war das verdammt schwer für uns beide, mittlerweile freue ich mich aber, ihn dort zu sehen. Wir haben sonst gar keinen Kontakt mehr, können dort aber normal reden und sind immer sehr erleichtert, wenn wir merken, wir können uns normal mit dem anderen unterhalten. Es war jetzt eigentlich auch immer so, dass wir uns nach dem Seminar noch zusammen irgendwo hingesetzt haben, um zu reden.
Ich für meinen Teil habe nach der Trennung festgestellt, dass ich unbedingt was an meinem Leben ändern muss. Ich bin zwar ganz gut beschäftigt, mir fehlen aber gute Freunde. Ich möchte gerne Leute haben, mit denen ich spontan was machen kann, mit denen ich am Wochenende tanzen gehen kann, usw. In unserer Beziehung habe ich mich viel zu sehr an ihn gehalten und das vernachlässigt. Und wie hört man immer so schön: „Werde erstmal mit dir selbst glücklich, dann mit anderen.“. Deshalb möchte ich auch echt nicht in eine Beziehung mit ihm zurück, wir haben uns gegenseitig einfach zu sehr daran gehindert, unser eigenes Leben zu leben.

Gerade heute hatte ich wieder solch ein Treffen mit ihm, nach dem Seminar. Wir haben uns super unterhalten, darüber, was so bei uns passiert ist, über uns (wir sind uns einig, dass die Trennung uns beiden gut tut.), über alles mögliche. Wir haben auch festgestellt, dass uns beiden der Körperkontakt fehlt. Er hat plötzlich meine Hand gestreichelt, ich ihm die Haare verwuschelt. Am liebsten hätte ich mich an ihn gekuschelt. Er meinte irgendwann, er habe gerade total das Bedürfnis, mich zu küssen und was dabei wohl passieren würde. Ich habe gesagt, dass das wohl nicht so eine gute Idee wäre, weil es uns beide wahrscheinlich nur verwirren würde.
Genau das schätze ich so an unseren Gesprächen seit der Trennung: Wir können offen alles sagen, was uns im Kopf rumspukt und der andere hört es sich aufmerksam an und antwortet ehrlich. Da ist einfach diese Vertrautheit. Die Abschiedsumarmung dauerte auch verdammt lange und war eher ein „lass dich nochmal spüren und riechen“.

Ist das normal? Ich meine, ich habe keinen Liebeskummer, frage mich nicht ständig, was er so macht, lasse ihn sein Ding machen und mache einfach mein eigenes Ding. Und mir gehts gut dabei. Bei ihm genauso. Aber wenn wir uns dann treffen, ist es echt schön, wir reden so viel als hätten wir unendlich viel nachzuholen und die Sehnsucht nach Körperkontakt ist da. Also ich will mit ihm nicht ins Bett, auch nach küssen ist mir nicht, aber mich an ihn kuscheln, das würde ich echt gerne.

Ich würde mich über ein paar Meinungen dazu freuen. Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Vielleicht ist das ja sogar der Beginn einer tollen Freundschaft?!
Vielen Dank im Voraus!

27.06.2013 16:52 • #1


chrissi84


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Liebe denkende,

es wird hier oftmals geraten sich vom Ex völlig abzunabeln mit Kontaksperre und so weiter. Allerdings ist das vielleicht nicht immer der richtige Rat.
Ich erinnere mich an meinen EX-EX-EX an dieser Stelle.
Es war nie die große Liebe aber immer eine sehr gute vertraute Freundschaft. Wir sind auch heute noch befreundet und er gibt mir zur Zeit sehr viel Halt jetzt wo ich einer größeren Liebe nachtrauere.
Ich finde es gut, dass es bei dir so läuft.
Es tut dir ja auch gut, so wie du es beschreibst. Also warum nicht so weiter machen?

Eines irritiert mich nur manachmal bei meinem Ex-Ex-Ex: wenn er von seiner verflossenen Liebe an seine Ex erzählt, die er mehr geliebt hatte als mich, dann fühle ich mich nicht so wohl, denn ich denke, warum war es bei mir nicht so? War ich nicht gut genug?
Gelegentlich frage ich mich auch ob er nicht doch der Richtige ist, wenn wir uns freundschaftlich so super verstehen. Vielleicht muss die Liebe nicht so großartig sein, um eine Beziehung zu führen. Und doch ich würde an seiner Seite immer nach einem anderen Ausschau halten, weshalb ich weiß, es ist eben nicht das Richitge mit ihm.

Alles in allem bin ich froh ihn zu haben.
Dass du mit ihm diesen körperlichen Kontakt haben willst (also umarmen, kein S.) kann ich super verstehen. Wer sonst gibt dir das gerade?
Na bei mir eigentlich keiner. Ich habe nur zwei Menschen, ihn und eine Freundin wo ich mich wohlfühle wenn sie mich in den Arm nehmen, weil es da einfach genug Vertrauen gibt.

Behalte dir den Menschen, so wie du ihn hast als super Freund.
Es könnte sein, dass eine zukünftige Beziehung die Freundschaft aber ankratzt, einfach aus dem Grund weil der neue Partner sich möglicherweise durch den/die Ex bedroht fühlt.

Mein letzter Freund hat sich durch meinen Ex-Ex-Ex aber nicht bedroht gefühlt, weil ich ihm einfach offen und ehrlich sagen konnte: es war nie die große Liebe und was vielleicht noch wichtiger war: ich habe mich s.uell nicht zum Ex-Ex-Ex hingezogen gefühlt. Er war der einzige bei dem ich nie große Lust hatte. Da musste mein Partner dann nicht misstrauen.

Aber das Problem ist ja bei dir (noch) nicht vorhanden.

Also, wie dem auch sei. Es ist bei euch einfach ne andere Konstellation als bei echtem Herzschmerz. Ist doch toll

Freu dich, dass du ihn hast und mach dir keine Sorgen deswegen. Soetwas gibts auch im Leben. Man hört nur zu selten davon

Alles Gute!

27.06.2013 17:14 • #2


denkende


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Liebe chrissi,

Ich danke dir vielmals für deine Antwort!
Als ich deine Worte gelesen habe, war ich richtig berührt. Ich kann mich damit irgendwie echt gut identifizieren.
Das klingt wirklich schön, was aus euch geworden ist. Das würde ich auch gerne mit meinem Ex erreichen.

Ich bin natürlich zur Zeit noch nicht so ganz über ihn hinweg, immerhin haben wir uns bis vor 3 Wochen fast täglich gesehen, das ist jetzt schon ein ziemlicher Entzug, wenn auch ohne Liebeskummer.
Ich finde aber, ein gewisser Kontaktabbruch ist erstmal nötig. Ich weiß, dass er jetzt sehr viel unternimmt und verdammt glücklich dabei ist. Das tut schon ein bisschen weh, das zu sehen, weil er in unserer Beziehung eben nicht mehr so glücklich war.
Außerdem bin ich ein bisschen neidisch auf seine vielen Kontakte zu anderen Menschen. Die habe ich nicht. Naja, ich werde daran arbeiten und freue mich darauf.

Das mit dem Körperkontakt sieht bei mir aus wie bei dir: Ich habe zwei Menschen, denen ich mich gerne in die Arme schmeiße, einer davon ist er. Aber warum eigentlich nicht auch nach der Beziehung!?
Ich frage mich auch, ob er nicht der Richtige für mich sein sollte. Bis auf ein paar Macken ist er eigentlich ziemlich perfekt. Aber genau wie du würde ich wohl tatsächlich immer nach anderen Ausschau halten.

Danke nochmal, dass du mir von dir erzählt hast. Es ist sehr beruhigend, nicht alleine mit solch einem "Problem" zu sein und zu sehen, dass das Ende der Beziehung nicht das Ende eines Kontaktes zu einem super Menschen sein muss. Das beruhigt mich ungemein!

Ich wünsche dir auch alles Gute!

28.06.2013 09:39 • #3


Wolfstanz


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hallo denkende, das ist zwar schon ein wenig länger her bei dir, vielleicht kannst du ja mal ein review geben über die zeit seitdem, ich denke, das könnte auch anderen helfen, die hier mit ihren problemem zu kämpfen haben.

ich denke nicht, dass es 'unnatürlich' ist oder 'unnormal', sich so zu trennen und hinterher so miteinander umzugehen. im Gegenteil, ich finde es sehr erwachsen und schön, weil ihr erhlich miteinander seid, weil ihr über euer tun nachdenkt, weil ihr den anderen nicht verteufelt, sondern weiterhin wertschätzt, unabhängig von getroffenen entscheidungen und weil ihr keine verletzten eitelkeiten pflegt und zum hauptthema macht. da könnten sich einige eine scheibe von abschneiden oder von lernen, wie man sich erwachsen trennen kann...

22.03.2014 23:15 • #4


denkende


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Lieber tanzender Wolf, liebe Forumsmitglieder,

gerne berichte ich, was seitdem passiert ist. Achtung, es wird lang und ausführlich.

Seit unserer Trennung sind nun etwa neun Monate vergangen. Die ersten Wochen sind uns beiden nicht leicht gefallen. Wir haben uns gegenseitig sehr vermisst. Deshalb haben wir uns nach besagtem Seminar auch oft noch zusammen irgendwo hingesetzt und geredet.
Mir fiel es aber schwer, plötzlich auf "Freundschaft" umzuschwenken, ihn nicht mehr zu berühren, mich nach Treffen von ihm auf unbestimmte Zeit verabschieden zu müssen, zu sehen, wie er ohne mich lebt.
Und deshalb hielt ich den Kontakt, nachdem das Seminar dann zu Ende war, auf das Nötigste beschränkt, wir sahen uns vielleicht alle zwei Wochen. Ich habe versucht mich abzulenken, viel Sport getrieben, neue Leute getroffen. Dabei habe ich gemerkt, dass an frisch getrennten Frauen erstaunlicherweise viele Männer interessiert sind. Ich war nicht an denen interessiert, aber gut fürs Ego ist diese Bestätigung allemal.

In den ersten drei Monaten nach der Trennung trafen wir uns hin und wieder in einer Gruppe von Leuten, die wir beide kannten und auf die keiner von uns wegen der Trennung verzichten wollte. Bei diesen Treffen hat es uns meistens gleich zueinander gezogen und wir haben viel geredet. Im dritten Monat haben wir uns dann hin und wieder auch mal zu zweit verabredet, immer draußen zum Joggen/Radfahren/Picknicken/Schwimmen. Wir hatten viel Spaß, aber dabei bzw. danach ist es oft noch dazu gekommen, dass wir ein bisschen gekuschelt haben. Meistens ging das von ihm aus und ich konnte nicht widerstehen. Das tat sehr gut, aber gleichzeitig auch irgendwie weh, zeigte es doch, was wir verloren hatten bzw. verlieren würden. Denn wir wussten beide, dass wir keine Zukunft als Paar hatten.

Ich hielt einen längeren Kontaktabbruch für sinnvoll, um unserer Beziehung wirklich ein Ende zu setzten und eine Freundschaft zu versuchen. Glücklicherweise ging ich im 4. Monat der Trennung für fünf Monate ins Ausland. Ich hatte dort eine super Zeit und ihn nicht vermisst. Wir haben vielleicht ein mal im Monat geschrieben oder geskypt.
Dabei habe ich erfahren, dass er eine Neue hat. Zuerst hat mich das sehr geschockt. Nach einem Glas Wein und kurzem Nachdenken fand ich das aber eigentlich ziemlich gut und habe es ihm und ihr (ich kenne sie) gegönnt.

Ich denke, das liegt auch daran, dass ich mich während meines Auslandsaufenthaltes verändert habe. Ich weiß, dass ich ein nettes, liebenswertes Mädel bin und vor allem, dass ich alleine mein Leben bestimmen kann. Ich bin selbstbewusster geworden und habe gelernt, dass man, um glücklich zu sein, einfach mal aus dem Arsc... kommen muss. Wie oft wollte ich schon Dinge tun, habe sie aber nicht getan, weil ich an mir selbst gezweifelt habe, nicht mutig genug oder einfach nur faul war.
Wenn ich heute daran denke, etwas Neues auszuprobieren, z.B. eine Sportart, tue ich das. Ich verdränge meine Zweifel ("kann/will/soll ich das wirklich?"), melde mich am besten gleich dafür an und versuche es einfach mal. Im besten Fall habe ich ein neues Hobby, im schlechtesten eine neue Erfahrung und die Gewissheit, dass es noch tausende Alternativen gibt.

Zurück zur Geschichte: Gestärkt durch meinen Auslandsaufenthalt kam ich also zurück nach Deutschland (acht Monate nach der Trennung). Mein Ex hat auf einen Kaffee gedrängt und wir haben uns getroffen. Wir unterhielten uns gut, hatten uns natürlich furchtbar viel zu erzählen. Leider waren wir beide noch immer nicht ganz entspannt. Ich hatte das Gefühl, er wollte mir zeigen, wie gut es ihm geht. Er hat etwas übertrieben begeistert von seinem Leben erzählt. Ich wollte einfach normal mit ihm reden, ohne ihm etwas beweisen zu müssen.
Ich wusste durch das Treffen, dass ich (und wohl auch er) für eine Freundschaft noch etwas Zeit brauchte. Wenn auch die Anziehung verflogen war und ich auf keine Fall zurück in eine Beziehung mit ihm wollte, irgendwas war da noch zwischen uns, was eine Freundschaft nicht zuließ. Ich vermute, es war die Gewohnheit und die Lösung für das Problem hieß Zeit.

Ich möchte nicht krampfhaft mit meinem Ex befreundet sein, aber wir verstehen uns, er kennt mich einfach sehr gut. Zudem vertraue ich ihm. Uns verbinden viele Hobbies und Denkweisen. Ich fände es schön, das erhalten zu können. Ich habe es dabei allerdings nicht eilig, gucke erstmal auf mich und lebe mein Leben.

Gerade befinde ich mich wieder für eine paar Monate im Ausland. Mir geht es hier super. Ich habe nicht das Bedürfnis mich bei meinem Ex zu melden. Aber er tut es alle paar Wochen. Wir haben letztens fast zwei Stunden geskypt. Das war das erst mal, dass wir uns völlig entspannt unterhalten konnten. Wir haben sogar über seine neue Beziehung und über mein Liebesleben getratscht. (Ich hatte ein paar Verehrer und mich ein bisschen in einen netten Kerl verguckt.)
Ich denke, ich bin auf einem guten Weg, mit und ohne Exfreund als Freund!


Ich wünsche euch alles Gute!

Die denkende

23.03.2014 03:53 • x 1 #5


Wolfstanz


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hallo denkende,
vielen dank für deine aktualisierung.
ein wenig schade, irgendwie war da wohl bei mir ein kleines bißchen hoffnung auf ein happy end für euch, aber das hatte natürlich nicht mit euch zu tun und für euch ist doch wichtig, was für euch richtig ist und das scheint ihr gut zu meistern.
alles gute weiterhin und liebe grüße vom wolf

23.03.2014 09:18 • x 1 #6


Traumtänzer

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Hallo denkende!
Ein sehr schöner Erlebnisbericht, der dem ein oder anderen sicher aufzeigt, was sein kann wenn man sich auf sich selber fokusiert und seinen Weg geht. Ich mag deine Einstellung zum Leben und es liest sich toll, wie du das so rüber bringst. Sicherlich ist jede Trennung so verschieden, wie die Menschen, die daran beteiligt sind. Und nicht jeder ist so gefestigt, um damit in gleicher oder ähnlicher Art und Weise umzugehen, wie du es getan hast und weiterhin tust. Es zeigt aber mMn wieder mal ganz deutlich, daß unsere Selbstzweifel die größten Feinde sind, wenn wir im Leben vorwärts kommen wollen. Lieber ins kalte Wasser springen und sich vielleicht auch mal eine blutige Nase holen. Vor allem diesen Satz find ich einfach klasse

Zitat:
Im besten Fall habe ich ein neues Hobby, im schlechtesten eine neue Erfahrung und die Gewissheit, dass es noch tausende Alternativen gibt.


Danke für deinen Bericht hier. Vielleicht gibt er ja wirklich dem ein oder anderen neuen Mut und Zuversicht.

23.03.2014 09:31 • #7




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