Zitat von Leonie71: Fandest das nicht komisch?
Oder ich bin zu altmodisch um Händchenhalten mit einem Rahmen des längerem Kennenlernen/Partnerschaft zu verbinden.
Ja, doch, das seh ich genauso und fand es auch komisch. Deshalb hatte ich sie beim zweiten Treffen direkt drauf angesprochen als bei ihr Zuhause der Satz "das ist alles nur freundschaftlich" kam: Sie fand es in dem Moment gut und ihr war danach. Davor waren wir ja noch bei gemeinsamen Freunden und sind dort schon recht partnerschaftlich aufgetreten.
Zitat von Nik92: Du sehnst dich scheinbar sehr nach einer Beziehung.
Ja und nein. Ich bin seit letztem Dezember Single und hab mich mittlerweile sehr gut damit arrangiert. Die Trennung war schmerzhaft und es hat Zeit gebraucht, das zu verarbeiten. Einige hier kennen die Geschichte, auch wenn es kein eigenes Thema dazu gibt. Seither ist viel passiert und ich kann gerade guten Gewissens sagen: ich bin zufrieden so wie es gerade ist.
Zitat von Nik92: Grundsätzlich ist das Verlangen nachvollziehbar, allerdings solltest du vordergründig darauf achten, dass du dich hierbei wohl fühlst.
Ja, absolut. Allein schon aus meinen Erfahrungen aus den beiden vorherigen Beziehungen. Sie kennenzulernen hat mir gut getan. Ich mochte unsere Balance aus Tiefgründigkeit und Humor, Stichelei und Achtsamkeit. Sie hat(te) einen guten Blick dafür, wie sie mit Kleinigkeiten dafür sorgen konnte, dass ich mich in ihrer Nähe noch wohler fühle. Kurz: es tat mir gut, sie um mich zu haben.
Ich fand das Tempo auch sehr angenehm. Zwischen diesen ersten Treffen lagen immer so 2-3 Wochen und in der Zwischenzeit kommunizierten wir per Text oder Voice-Nachrichten. Nicht jeden Tag, eher so alle zwei bis drei Tage, dafür aber sehr lang und ausführlich. Wir beiden hatten glaube ich nicht geplant, gerade jemanden kennenzulernen, und fanden es ganz gut, dass wir da ein ähnliches Tempo hatten.
Das Tempo bei den Treffen war ja ungleich höher. Da es beidseitig war, schien es mir okay.
Zitat von Nik92: Ihr Verhalten, so begründet dieses auch aus ihrer Perspektive sein mag, wirkt auf mich hingegen eher kontraproduktiv für das eigene Befinden.
Meinst Du damit ihr Befinden oder meins? Was mein Befinden betrifft: ich hatte (eigentlich) den Eindruck, dass sie ihre Grenzen ganz gut wahren kann. Als sie beim ersten Treffen den Kussversuch abblockte, war das vollkommen okay für mich, weil ich auch dachte "hey, ihr seht euch heut zum ersten Mal. Muss ja nicht sein". Ich fragte sie hinterher, ob alles okay ist, und sie sagte ja und suchte meine Nähe. Mir ist wichtig, die Grenzen anderer zu wahren und zu respektieren. Ich hatte den Eindruck, wir haben da einen guten Modus.
Als am Ende des zweiten Treffens die Freundschafts-Ansage kam und das nicht zu ihrem Verhalten vorher passte, habe ich das auch aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen aus der Beziehung vorher als Selbstschutz interpretiert (wahrscheinlich lag ich damit falsch). Unser Treffen war intensiv, innig, spaßig... insofern habe ich mir darüber nicht den Kopf zerbrochen.
Die Irritation kam dann beim dritten Treffen, genau genommen am Ende als sie in Tränen ausbrach. Einerseits konnte (und kann) ich mir nicht vorstellen, warum ich so wichtig für sie sein sollte, dass sie mich nicht verlieren mag. Andererseits ist das auch einfach keine gesunde Reaktion. Ich habe mir danach oft die Frage gestellt, wie gut sie wirklich darin ist, Grenzen zu setzen - oder ob sie Nähe zu mir sucht, weil sie das Gefühl hat, sie müsste es tun, damit sie mir gefällt.
Eigentlich war unser Plan, jetzt mal einen Tag gemeinsam was zu unternehmen und zu erleben (die Treffen bisher waren ja entweder Unternehmungen mit Freunden oder Reden). Dazu kam's ja jetzt nicht mehr. Für mich ist das Gute: ich finde es zwar sehr schade, wie es nun gekommen ist, ich bin aber nicht am Boden. Meine Welt ist nicht schlechter geworden. Mein Ego sagt: sie verliert mehr als ich. Letztlich bin ich ja derjenige, der den Cut jetzt ausgesprochen hat.
Mich beschäftigen diese Tränen beim dritten Treffen. Wenn ich sie ernst nehme (was ich mich entschieden habe, zu tun), dann habe ich mit dem Cut letztlich nur ihre sich selbst erfüllende Prophezeiung bestätigt. Aus PUA-Sicht war mein Rückzug vom Cut sicher nicht "klug", aber darum geht es mir nicht: der Rückzug hat mir erlaubt, ihr meine Perspektive auf ihr ambivalentes Verhalten zu schildern. Ob und wie sie das nutzt oder nicht, ist eine andere (und nicht meine) Sache, aber vielleicht hilft es ihr, sich zu reflektieren und nicht immer wieder in ähnliche Situationen zu geraten.
In ihren Nachrichten seither klingt sie jedenfalls sehr abgeklärt und ihr scheint es egal, ob ich den Kontakt nun abbreche oder nicht. "Deine Entscheidung". Insofern vielleicht auch ein runder Abschluss.