Zitat von Nur-ein-Mensch: Es geht hier nicht um Schuld es geht darum,das ich nicht erwarten darf ,das der andere sich nach meinem Gusto verhält.
Man kann dann nur enttäuscht werden.
Dann scheine ich es doch nicht so missverstanden zu haben. Ich gehe mit bei dem Gedankengang, dass ein Ghoster es nicht wirklich wert ist, weitere Energie zu verschwenden.
Was Erwartungen angeht, sehe ich es etwas anders. Das meinte ich eben vorhin auch mit den Grenzen. Es muss sich niemand nach meinem Gusto verhalten, ich darf aber Erwartungen haben im zwischenmenschlichen Bereich & dementsprechend Konsequenzen ziehen, wenn meine Grenzen übertreten werden. Erwartungen definieren doch auch, ob der Umgang miteinander angemessen ist.
Natürlich habe ich keine Forderungen zu stellen, dass sich jemand so zu verhalten hat, wie ich das will, aber ich darf doch Anstand & Respekt erwarten. Mein Bedürfnis nach Anstand & Respekt verschwindet doch nicht, wenn ich mir einrede keine Erwartungen haben zu dürfen, damit ich nicht enttäuscht werde. Wenn ich dann enttäuscht werde, ist es natürlich meine Verantwortung, wie ich damit und mit meiner Gefühlswelt umgehe.
Und was hat überhaupt noch eine Bedeutung, wenn ich gar keine Erwartungen mehr an andere habe, die mir wichtig sind? Sind Erwartungen nicht auch ein wesentlicher Teil des Vertrauens? Exemplarisch - Meine Erwartung ist es, dass du mich nicht betrügst, kontrollieren kann ich es nicht - aber ich vertraue dir, dass du es nicht tust. Wir entscheiden uns dann somit jemandem zu vertrauen, auf Basis unserer Erwartung, auch wenn das Risiko besteht, man wird verletzt, aber was wären Beziehungen, ohne Vertrauen?
Vielleicht sind enttäuschte Erwartungen oft auch einfach enttäuschtes Vertrauen. Vermutlich hat die Themenerstellerin darauf vertraut, dass er es so ernst meint, wie sie. Hat er nicht & sich dann zurückgezogen und sie letztendlich geghostet. Ja, das darf er, er ist ein freier Mensch. Sie ist auch ein Mensch, die darüber enttäuscht und traurig sein darf, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt und ihr Vertrauen verletzt wurde.
Jetzt könnte man, wenn man weiter denkt, natürlich auch sagen „vertrau einfach niemandem mehr, dann wird weder Erwartung noch Vertrauen verletzt“, dabei wird aber dann leider unterschätzt, welch Bedeutung diese Dinge letztendlich haben. Gesunde Erwartungen und ein gesundes Vertrauen sind doch wichtig. Wenn ich keine Erwartungen habe, rechne ich damit, dass ich enttäuscht werde und indem ich keine Erwartungen habe, versuche ich mich möglichst wenig verletzlich zu machen. Das ähnelt Misstrauen. Ich darf anderen aber auch etwas zutrauen.
Und ja, dann besteht das Risiko, dass ich verletzt werde, weil ich es nicht in der Hand habe. Dann bin ich eben verletzlich, aber das ist auch ok. Es bedeutete mir eben etwas. Dann muss ich einen Weg finden, darüber hinwegzukommen und akzeptieren wie es gelaufen ist.
Keine Ahnung ob es verständlich ist, wie ich das meine.