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Gleichgültigkeit nach Streit -

anon1234
Guten Abend ihr Lieben,

ich brauche mal euren Rat. Mein Freund und ich (knapp 5 Monate zusammen) haben eigentlich eine schöne Beziehung. Wir sind beide stur, aber wenn wir uns streiten, fallen wir uns spätestens 1-2 Stunden später wieder in die Arme und es tut uns beiden leid. Heute Abend haben wir mal wieder über politische Themen diskutiert und auf einmal geriet alles aus den Fugen, er nahm es von seiner Seite aus persönlich und machte mich fast zwei Stunden fertig. Habe zwischendurch mehrmals eingelenkt und gesagt, dass ich seinen Standpunkt sehe, ihn gleichzeitig aber auch um Zahlen gebeten, die seine Argumente belegen. Er ist immer weiter ausgerastet, hat sich an kleinen Dingen aufgehängt und wurde ausfallend. Mir ist zum Schluss der Kragen geplatzt und ich habe ihn angeschrien wie noch nie in meinem Leben zuvor einen Partner, habe das Gespräch beendet und bin ins Arbeitszimmer geflüchtet. Er ist dann spazieren gegangen und kam nach einer halben Stunden zurück. Er entschuldigte sich dann auch direkt, sagte mehrmals wie sehr ihm das Leid tut usw, aber ich war/bin einfach völlig gleichgültig ihm gegenüber. Habe das Gefühl, dass nach meinem Ausraster alles in mir leer ist und dass ich nichts mehr zu sagen habe, konnte auch seine Entschuldigung nicht wirklich annehmen. Er hat sogar angefangen zu weinen, weil ihn das so mitgenommen hat, aber mich hat das alles kalt gelassen und ich konnte nicht anders, als Löcher in die Luft zu starren und ihm zu sagen, dass mich das ganze alles gerade emotional gar nicht erreicht.

Wie gehe ich damit um? Ich habe mich noch nie so nach einer Streiterei gefühlt und mache mir gerade total Sorgen. Das Ganze ist schon ein paar Stunden her und ich fühle mich noch immer so und möchte ihn einfach nicht sehen. Bin total überfordert mit diesem Gefühl Wer kennts und kann trösten?

29.12.2020 00:29 • #1


Lebensfreude
wenn der andere ausrastet , einen 2 Stunden lang fertig macht , dann verfällt man in eine Art Schockstarre. Dann macht man alle Schotten dicht. Um sich zu schützen. System wird runtergefahren.
So ne Art von Kommunikation mit ausrasten etc. braucht niemand.
Zeig deine klaren Grenzen auf. Er ist über deine nämlich drübergelatscht.

29.12.2020 01:01 • x 3 #2


A


Gleichgültigkeit nach Streit -

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Tatiana
Och Kinners. Wirklich. Das ist doch total nichtig. In einem Jahr denkt da keiner mehr von euch dran. Auch in einem halben Jahr nicht mehr. Was sagt uns das? Dass es total unnütz ist, jetzt da Energie rein zu buttern. Er hat sich entschuldigt, es tut ihm leid und du hast halt gerade erstmal keine Lust auf reden- aber das ist doch keine große Sache. Dann nehm dir ein bisschen mehr Zeit, schlaf drüber und denk nicht gleich Oh Gott ,was kann das nur bedeuten?

29.12.2020 01:11 • x 3 #3


J
Mensch - schlaft ne Nacht drüber, meinetwegen auch mal getrennt - vertragt euch zum Frühstück wieder - Schwamm drüber - kommt in den besten Familien vor.

Zitat von Tatiana:
Och Kinners.

Heimatliche Klänge?

29.12.2020 01:16 • #4


Tatiana
Hatte angenommen, es ist ist nicht auf den hohen Norden beschränkt Aber, ja

29.12.2020 01:19 • #5


Catalina
Ich stimme meinen Vorschreibern zu und finde das eine völlig normale und verständliche Reaktion deinerseits. Du hast gerade eine unschöne Seite an ihm entdeckt, die du bisher noch nicht kanntest und das musst du erstmal verarbeiten. Auch deine eigene Reaktion hat dich vermutlich geschockt, weil du dich selber so nicht kennst.

Schlaf erstmal ne Nacht drüber, morgen sieht die Welt vermutlich schon wieder anders aus.

29.12.2020 01:20 • #6


Tatiana
Bin mir auch recht sicher, dass deine Gefühle ganz schnell wieder zurückkommen würde, wenn er morgen früh sauer seine Koffer packen würde

29.12.2020 01:23 • #7


K
Moin,
ich sehe das etwas differenzierter. Ich glaube nicht, dass man jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen sollte. Auch wenn es bei euch eine Art Ritual ist, sich mit Argumenten zu bombardieren, bis einer gewonnen hat. Und dann um Entschuldigung bittet, damit alles wieder gut ist.

Dabei hattet ihr bisher eine bestimmte Wellenhöhe im Auge. Die Wellen schlugen hoch, aber das war normal. Denn jeder wusste ja, dass sie bald wieder abklingen und wieder ruhiges Wasser da ist. Eine Art Ritual.

Diese Wellenhöhe wurde jetzt deutlich überschritten, es wurde ein Tsunami daraus und der hat dich überwältigt, dir die Luft genommen und dir sehr große Angst eingeflößt. Denn alles, was bisher geholfen hat, hat nun nicht mehr geholfen. Diese Angst, die dir da begegnet ist, war als so etwas wie eine existentielle Angst, ganz groß und nicht mit den bekannten Mechanismen zu bewältigen. Dein Partner war plötzlich fremd, gewaltbereit, beängstigend und bedrohlich. Das hat auch die Bitte um Entschuldigung nicht mehr ändern können.

Und genau darüber solltest du mit ihm reden. Er sollte erfahren, welches Bild du in diesen schrecklichen zwei Stunden von ihm bekommen hast, wie fremd er dir wurde, wie angsteinflößend. Er sollte erfahren, dass du am liebsten geflohen wärest und dass du so etwas nicht mehr erleben möchtest und auch nicht mehr erleben wirst. Denn wenn es wieder zu solch einem Gewaltausbruch kommen sollte, gehst du sofort aus dem Raum. Und möglicherweise steht dann auch eure Beziehung in Frage. Das weißt nur du.

Den vollen Ernst der Sache also ansprechen. Dann aber vor allem: Eine neue Streitkultur erarbeiten. Was ihr da macht, mag ja ganz unterhaltsam sein, aber es ist schlecht für eine Liebe. Denn immer wenn ein Austausch mit Argumenten stattfindet, gewinnt der, der besser argumentieren kann. Also nicht, derjenige, der Recht hat, sondern der, der besser argumentieren kann. Und dabei geht die Wahrheit schon mal den Bach runter, denn es geht ja um das Gewinnen. Das lernt man oft shcon als Kind. Aber man muss es nicht zwingend als Erwachsener so weiter machen.

Wenn einer gewinnt, ist der andere Verlierer. Und beim Verlierer geht immer ein Stück Liebe verloren. Manchmal kann man das zurück gewinnen, oft aber auch nicht. Der Bruch und die Verletzung ist dann zu tief.

Es wäre also sehr gut für euch, wenn ihr anders miteinander umgehen könntet. Eine Meinungsverschiedenheit ist erst mal nicht anders als das: Man ist unterschiedlicher Meinung. Es besteht keine Notwendigkeit, das beim anderen zu ändern. Der darf seine Meinung behalten und ich behalte meine Meinung. Und man kann mit zwei unterschiedlichen Meinungen sehr schön miteinander leben. Das nennt man normalerweise Toleranz. Manchmal nennt man es auch Klugheit. Es ist nämlich nicht sonderlich klug, einen anderen immer und unbedingt davon überzeugen zu wollen, dass es nur eine richtige Meinung gibt, und zwar die eigene.

Da könntet ihr sehr viel lernen. Und vielleicht kommt dann auch die Liebe zurück. Aber erst mal muss die Angst wieder gehen. Und dazu muss er wissen, wie groß diese Angst war und ist.

Viel Erfolg dabei

29.12.2020 09:40 • x 5 #8


Jane_1
Zitat von anon1234:
Heute Abend haben wir mal wieder über politische Themen diskutiert und auf einmal geriet alles aus den Fugen, er nahm es von seiner Seite aus persönlich und machte mich fast zwei Stunden fertig.

Für mich persönlich wäre auch das Thema interessant.
Es gibt politische Meinungen, die mein Gegenüber für mich schlagartig uninteressant machen.
Dann darf der seine Meinung behalten und gehen, weil z.B. menschenverachtende Meinungen für mich nicht tragbar sind.

29.12.2020 11:12 • #9


K
Was bedeutet, er ist ausfallend geworden?

29.12.2020 14:16 • #10


A


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