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Großer Kummer - und die Trennung selbst verschuldet

Akolyt

Hallo liebe Forenmitglieder,

dies ist das erste Mal, dass ich mich überhaupt in einem Forum austausche. Ich bin über das Internet auf diese Seite aufmerksam geworden und hoffe ehrlich, hier Menschen zu finden, die mir helfen,die mir zumindest das Gefühl geben, mit meinem Schmerz nicht ganz allein auf dieser Welt zu sein (klingt pathetisch,ich weiß. Aber so fühle ich mich leider gerade)....Ich hoffe einfach, auf Menschen zu treffen, die mein Problem verstehen. Die nicht - wie manche Menschen in meinem Freundes- und Familienkreis - genervt reagieren, wenn sie das Thema "Liebeskummer" auch nur hören....


Ich (29 Jahre) bin vor ca. vier Monaten nach Berlin gezogen - beim Einzug geholfen hat mir die Freundin eines guten Freundes. Ich fand sie total sympathisch, wir haben uns getroffen, hatten Spaß, haben gelacht - und irgendwann haben wir uns dann plötzlich geküsst.

Es war ein herrlicher Start. Ein neuer Job, eine neue Stadt - und gleich ein toller privater Neuanfang mit einem Menschen, der es einfach wert war, geliebt zu werden. Sie war aktiv, klug, belesen, hat viel gelacht und war wunderschön. Es waren so ziemlich die schönsten Monate in meinem zugegebenermaßen ja noch jungen Leben...

Dann jedoch kamen immer mehr Schwierigkeiten. Ich habe geklammert, wollte sie nicht verlieren. Wurde regelrecht böse, wenn wir uns mal nicht gesehen haben. Und ich habe sie das spüren lassen (ich kann sehr sarkastisch und zynisch sein). Sie, auf der anderen Seite, liebte ihre Freiheiten, war beruflich in einer Übergangsphase und - ja, wollte einfach unabhängig sein - es war ja erst so verdammt wenig Zeit vergangen... Ich habe das Gefühl: Je mehr sie das sagte, um so mehr Angst hatte ich, sie zu verlieren, und klammerte noch mehr. Und nicht nur das: Ich sagte immer: "Ich habe dich lieb" und forderte das auch von ihr. Sie wollte das nie sagen (zur Erinnerung: insgesamt dauerte das Alles nur zwei Monate....Aber trotzdem war es intensiv)..

Wir hatten vier Krisengespräche, mit steigender Eskalation. Beim dritten Mal war es fast vorbei. Ich entschloss mich, (wieder) eine Therapie zu machen und so mein Problem zu lösen. Das reichte ihr - bis es dann wieder krachte.

Die Situation: Wir waren im Theater zusammen und danach noch etwas trinken. Anstatt einfach den schönen Abend zu genießen, war ich sauer, dass wir für die folgende Woche nicht schon einen "Folgetermin" ausgemacht hatten...Das reichte, um eine Grundspannung zu erzeugen.
Zwei Tage später (wir hatten uns bis dahin nicht gesehen) reichte es mir schon wieder, ich brach telefonisch einen Streit vom Zaun. Und sie sagte: "Es geht nicht mehr, ich brauche einen Cut".

Ich hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen, habe geschrien, geschluchzt, gewinselt und gefleht - und sogar gedroht, mich umzubringen, wenn sie mich verlässt (Erklärungen folgen gleich unten, ich möchte kurz die Situation zu Ende erzählen). Das war ohne Zweifel von mir emotionale Erpressung, aus reiner Hilflosigkeit.

Das war es mitmir. Ich bin sofort erst zum Therapeuten, dann in eine Krisenklinik gegangen für ein paar Tage. Anfangs hatte sie telefonisch noch gesagt: "Wenn du um mich kämpfen willst, kämpfe erst einmal um dich". Dann gab es eine Pause, zwischendurch immer mal wieder verzweifelte SMS-Versuche von mir. Letzte Woche erfolgte dann per SMS aber der endgültige Schlussstrich: Aus und vorbei, kein Neuanfang. Sie wünschte mir noch, dass ich es schaffe, einen Weg zu und mit mir selbst zu finden. AUßerdem: neue Nummer, neue Facebook-ID usw.

Eines ist mir ganz wichtig: Bitte verurteilt mich nicht sofort. Ich habe riesige Schuldgefühle und in der Klinik viele Dinge über mich herausgefunden. Z. B. dass ich seit dem frühen Tod meines Vaters, den ich mit ansehen musste, Verlustängste habe.

Das soll und darf keine Entschuldigung sein für mein Verhalten. Ich habe bedrängt, geklammert, Grenzen ignoriert, emotional erpresst usw usw. Vor allem habe ich aber durch mein Verhalten eine wunderschöne Zeit zerstört. Wie sie es einmal formulierte: "Du nimmst so viel vorweg, dass jedes Gefühl, das sich bei mir entwickelt, sofort zerquetscht wird." Das kann ich jetzt sehr gut nachvollziehen. Wie auch die Trennung von mir. Ich hätte es nicht anders gemacht, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre.

Neben dem unfassbar brennenden Schmerz, den ich empfinde, ist es vor allem die Schuld, die belastet. Sicher, ich bin jetzt in Therapie und wahrscheinlich KONNTE ich einfach nicht anders, als so zu handeln, wie ich gehandelt habe. Dennoch macht es mich einfach nur traurig, dass alles so gelaufen ist, wie ist gelaufen ist...

Ich habe das so dringende Bedürfnis, mich ihr zu erklären, mich zu entschuldigen, ihr vielleicht zu sagen, was ich in der Zwischenzeit über mich und mein Verhalten herausgefunden habe - aber was soll das bringen? Allein die Info reicht ja wahrscheinlich nicht, mein Verhalten muss sich grundlegend ändern, oder? In der Klinik habe ich ihr einen Brief geschrieben, den ich aber noch nicht abgeschickt habe. Da sie ja klar Grenzen gezogen hat und keinen Kontakt mehr will, fürchte ich, dass sie jetzt momentan auch den Brief nicht lesen würde. Ich ziehe mich momentan von Tag zu Tag, indem ich mir verspreche, den Brief in einem Monat abzuschicken - dann dürfte die Wahrscheinlichkeit höher liegen, dass sie ihn liest. Nur, wie ihr euch vorstellen könnt: die Zeit bis dahin ist für mich die reine Qual...

Ich hoffe, ihr könnt all das wirre Zeug ein bisschen verstehen... Ich bin völlig verzweifelt, tief unzufrieden mit mir und auf der Suche nach mir selbst. Vor allem mache ich mir große Vorwürfe, einen von mir so wertgeschätzten Menschen auf eine solche Art und Weise verloren zu haben...


Ich würde mich über Ratschläge riesig freuen. Was ist zu tun? Abwarten (das ist soo unglaublich schwer für mich)? Sie endgültig abschreiben? Nach einer gewissen Zeit nochmal Kontaktaufnahme versuchen? Wie gesagt: Die Therapie habe ich in Angriff genommen und noch nie war mir etwas im privaten Bereich so erst im Leben..Auch bei anderen Frauen habe ich geklammert, was die Beziehung/Trennung immer schwierig gemacht hat. Hier nun hat mir eine Frau zum ersten Mal klare Grenzen aufgezeigt - und ich würde mir so wünschen, dies als Chance zu sehen, wirklich etwas zu verändern..

Ich danke euch so sehr für eure Antworten!

18.12.2012 18:26 • #1


Inndianer


Hallo Akolyt,
so schlimm es sich im Augenblick auch anfühlen mag - begreife Deine Therapie und ihren hoffentlich für Dich erfolgreichen Abschluss als eine Art "Neugeburt" und "Neustart"... Ich habe so was in der Art vor gut 11 Jahren auch schon mal mitgemacht.
Im Prinzip wieder bei 0 angefangen. Ich musste lernen meine Selbstachtung wieder zu finden auch mein Selbstwertgefühl war komplett weg.
Glaub mir - wenn Du lernst Dich zu mögen wie Du bist Dich zu akzeptieren wie Du bist - und Du bist gut Du hast etwas angefangen wovor schon viele scheitern - Du lässt zu dass man Dir hilft und Du bist offen Hilfe anzunehmen... nun dann lerne Dich zu mögen... du wirst sehen dass Du Dein neues Selbhstwertgefühl dann auch ausstrahlst.
Sei Deinem Schicksal für diese Frau dankbar und schreib ihr das nach der Therapie vielleicht. Sie hat Dich auf einen guten Weg gebracht- das gilt es zu würdigen.
Hört sich für Dich vllt komisch an was ich Dir hier in diesem Forum schreibe, nochdazu wo ich selber erst vor 10 Tagen sehr unvermittelt "entliebt" wurde nach den herrlichsten 8 Monaten die ich bislang in einer Beziehung erleben durfte.. ich liebe diese Frau nach wie vor wie noch keine vorher...
und doch ist es mir glaub ich schon ein kleines Stück gelungen sie in Dankbarkeit aber vor allem in Liebe loszulassen da ihre Liebe für ein Leben mit mir wohl nicht reichte... natürlich kämpfe ich noch enorm mit meiner Verzweiflung darüber grad in dieser so finsteren Jahreszeit...

aber dieses Forum hier hat mir in den wenigen Tagen schon so geholfen... einfach weil ich den ganzen Seelenschmerz hinschreiben durfte... nutze es - Du bist nicht alleine....
Alles erdenklich Gute für Dich

18.12.2012 20:40 • x 1 #2


Akolyt


Ich danke dir von Herzen, Inndianer. Vlt ist das wirklich der Schlüssel, wobei es in der Tat schwer fällt, sich selbst zu mögen gerade...

Es ist toll, sich hier mit Menschen auszutauschen, die mehr oder weniger die gleiche Geschichte mitmachen. Die wissen, was man denkt und fühlt..

Vielen Dank!

18.12.2012 20:48 • #3




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