Uti11
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Unsere Beziehung läuft seit 8 Jahren. Nach einer gescheiterten langjährigen Ehe habe ich mich gefreut, wieder jemanden gefunden zu haben, der mir zuhört. Mein Freund damals selber in einer schwierigen Zeit und wir dachten, dass wir gemeinsam füreinander da sein können, um unser Leben zu meistern. Leider entwickelte sich dies nur einseitig. Ich bin eine zuverlässige, humorvolle und vor allem optimistische Frau und fühlte mich stark genug, ihn mitzureißen, was mir auch gut gelang.
Wir wohnen in einem Ort, aber bis heute hat jeder seine Wohnung. Am Wochenende bin ich meistens bei ihm, da er einen schönen Garten hat, den wir uns gemeinsam gestaltet haben.
Zudem hat er sich ein mit meiner Hilfe ein Gewerbe aufgebaut, ist also selbständig und viel unterwegs.
Es bleibt wenig Zeit für unser Privatleben und ich habe immer gehofft, dass sich das mit der Zeit einpendelt. Aber es verging Jahr um Jahr, ich hielt ihm den Rücken frei, damit er seinen Geschäften nachgehen konnte, verrichtete seinen gesamten Haushalt, Garten, Bürokrams, finanzielle Angelegenheiten und alles, was so anliegt.
Weil es ist wie es ist und ich die ganze Woche sowieso alleine bin, da ich nur stundenweise arbeiten kann aufgrund einer Frühberentung, war das so wie es bisher die beste Lösung.
Wir haben oft darüber gesprochen, zusammenzuziehen, aber leider wohnt er zusammen mit seinen Eltern und dem Bruder auf einem Gehöft. Es ist eine Erbgemeinschaft, eine Patchworkfamilie und es herrscht alles andere als Harmonie. Ich wurde von Anfang an nicht akzeptiert. Diese Situation gab von Anfang an immer wieder Grund für Streitereien zwischen uns. Ich habe mir immer so sehr gewünscht, dass wir uns etwas eigenes aufbauen. Aber da stieß ich auf Granit und irgendwann gab ich nach und glaubte seinem Optimismus, dass wir doch unser Ding machen und so alles gut werde.
Wie es manchmal auf diesem Hof eskaliert, das will ich hier nicht ausführen. Ich hätte mir nie in meinem Leben vorstellen können, dass es so etwas gibt. Aber schließlich liebe ich ja meinen Freund und nicht dessen Familie.
So vergingen die Jahre und ich hatte einerseits immer mehr den Wunsch, mit ihm jeden Tag zusammen zu sein. Andererseits läuft es nach wie vor sehr einseitig. Es läuft inzwischen so, dass er arbeitet, weil es ein Ein-Mann-Unternehmen ist und ich ALLES andere mache.
Ich vermisse seine Nähe, sein Zuhören, seine Zuverlässigkeit, einfach die Geborgenheit. Körperliche Nähe gab es in diesem Jahr noch gar nicht. Daraufhin angesprochen, meinte er, er sei stets müde. Meine Freundin sagt mir schon ständig, dass ich wie eine Mutterrolle übernommen habe. Ich erinnere ihn an sämtliche Termine, Wäsche und Haushalt sind Sonntagabend, bevor ich in meine Wohnung fahre, gerichtet und über die Woche gibt es nur sporadische Kontakte. ... ja wie es ihm eben passt.
Das genügt mir nicht und ich habe schon so oft um ein KLÄRENDES Gespräch gebeten, weil wir uns auch oftmals im Streit verabschiedet haben. Und da wird es seinerseits auch oftmals laut und ungerecht.
Seit Anfang diesen Jahres hatte ich dann wieder etwas Hoffnung, er hat begonnen, sein Haus kernzusanieren, das Ziel immer noch, dass wir zusammenziehen. Aber alles was zu organisieren ist, mache auch ich. Es geht langsam voran, weil er vieles alleine macht, aber es geht der Fertigstellung entgegen.
Er ist durch diese zusätzliche Belastung noch mehr genervt, seine Familie drangsaliert ihn, ich nerve, er ist total am Limit. Er merkt gar nicht mehr, dass unsere Beziehung gar keine mehr ist.
Den richtigen Moment habe ich immer wieder versucht zu erwischen, um mit ihm in Ruhe die Zukunft zu besprechen. Aber weicht stets aus, und ich solle aufhören, immer wieder die gleiche schei.. "Ich muss nun mal arbeiten".... etc. Solche Worte fallen noch und dann verlässt er wutentbrannt die Wohnung, fährt vom Hof und ich sitze alleine da.
Das war schon zig mal so. Ich leide sehr darunter, weil ich einfach nicht den Absprung bekomme und immer wieder noch hoffe, dass alles gut wird.
Und leider muss ich immer den ersten Schritt machen, was heißt, ich muss, ich tue es, weil ich ihn liebe. Dann ist es erst einmal wieder ein paar Tage gut, bis die nächste Krise ansteht.
Das hört sich vielleicht alles erst einmal nicht so dramatisch an. Ich will jetzt anders reagieren, nicht hinfahren und mich nicht melden, denn gerade gestern ist es wieder so gelaufen wie oben beschrieben. Ich bin richtig krank, kann nichts essen und würde mich am liebsten ins Auto setzen. Aber es bringt ja nichts.
Ich schäme mich echt für mein teenagerähnliches Verhalten. Vielleicht versteht mich jemand.
