Hab ihn mit seiner neuen gesehen.

Ehemaliger User

Hallo, ich lese schon eine ganze Weile hier im Forum mit und es tut gut, zu wissen, daß es anderen ebenso geht.
Hier meine Geschicht in Kurzform: Nach 10 Jahren hat mein Mann mich vor 1 Jahr verlassen. Wir hatten nur noch Streit. Ich habe monatelang um unsere Ehe gekämpft und glaubte lange Zeit, wir hätten noch eine Chance, zumal er auch immer beteuerte, er würde mich auch noch lieben und könnte sich keine andere Frau vorstellen. Vor drei Monaten hat er plötzlich den Kontakt abgebrochen, auf meine Fragen hab ich keine Antwort mehr erhalten. Erst viele Wochen später habe ich von anderen Leuten erfahren, daß er eine neue Freundin hat.
Das ganze ist nun schon ne Weile her und ich glaubte, daß es mir inzwischen ein bisschen besser geht.

Doch nun habe ich ihn am Samstag gesehen, mit der neuen Freundin. Zufällig waren wir auf dem gleichen Sommerfest. Da standen sie beide, ca. 10 Meter von mir entfernt. Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorgegangen ist.

Ich habe versucht, mir nichts von meinen Gefühlen anmerken  zu lassen und denke, das ist mir auch ganz gut gelungen.
Es fiel aber nicht nur mir, sondern auch meiner Freundin auf, daß er mich ständig anstarrte.
Und plötzlich, (seine Freundin war gerade nicht in Sicht) kam er auf mich zu und nahm meine Hand so wie früher, als wäre nichts geschehen, sagte "komm mal mit, ich möchte mal mit dir reden" und wollte mich an der Hand mit sich fortziehen.

Die Hand schüttelte ich ab, ging aber mit. Er fragte mich, wie es mir geht. Ich war völlig verdattert und sagte "gut". Er: "Das glaube ich dir nicht", ich sagte:" es ist mir egal, ob du mir das glaubst", er sagte: " Du tust so, als wenn dir alles am Ar. vorbei geht, und das glaube ich dir nicht", ich wiederholte mein Sprüchlein und fragte, ob er noch was wichtiges wolle. Da sagte er, er wolle wissen, wie ich mein Leben bewältige. Ich sagte auch nur wieder "gut", dann hab ich ihn stehen gelassen.

Was sollte das? Seitdem bin ich völlig am Ende. Ich hatte  garade angefangen, zu akzeptieren, daß ich keine Erklärung bekommen würde und schon werfen sich neue Fragen auf.

Er sah eindeutig nicht glücklich aus. Er ist mit der Frau seit ca. 3 Monaten zusammen, aber keine Spur von Verliebtheit. Meine Freundin hatte ihn die ganze Zeit unauffällig beobachtet und kennt ihn auch, wie er sich benimmt, wenn er frisch verliebt ist.
Vielleicht hat er sich aus Rücksicht auf mich so zurückgehalten, aber das passt eigentlich nicht zu ihm.

Auch hat er sie ziemlich oft alleine stehen gelassen und hat sich zu anderen an den Tisch gesetzt oder getanzt, alles in allem ein sehr merkwürdiges Verhalten.

Ich weiß, ich bin blöd, daß ich mich davon wieder so aus der Bahn werfen lasse. Ich will mir deswegen keine Hoffnungen machen, aber irgendwie muß ich doch ständig daran denken und frage mich, ob er vielleicht doch gemerkt hat, daß er einen Fehler gemacht hat, oder war es einfach nur Mitleid?

Vor allem das er so komisch meine Hand genommen hat ist doch ganz und gar nicht normal, vor allen Leuten. Was sollte das?
Hat jemand schon mal ähnliches erlebt?

03.08.2005 15:00 • #1


Ehemaliger User


Hallo!

Nein, ähnliches habe ich nicht erlebt. Aber ich merke, wie sehr Du Dich an Strohhalme beim Ertrinken klammerst, weil Du wahrscheinlich doch noch sehr unter der Trennung leidest.

Sorry, aber Deine Schilderungen kommen mir so vor, als würdest Du in jeder kleinen Geste erkennen wollen, dass Dein Ex-Mann wieder zu Dir zurück will. Das schützt Dich vermutlich gerade vor dem totalen emotionalen Crash!

Aber, meine Liebe, das hält Dich davon ab, Dich wirklich loszulösen. Ich habe den gleichen Fehler gemacht und in jedem noch so kleinen Indiz sehen wollen: Es gibt noch Hoffnung...Ich habe alles dahin gehend interpretieren wollen, weil ich mich mit der Endgültigkeit der Trennung nicht abfinden konnte...Meine Beziehung hat mir rein sachlich betrachtet nicht gut getan (6 Jahre) und dennoch war die Trennung noch schlimmer, als die relativ glücklose Verbindung. Immer neue Hoffnungen - natürlich ohne jeden realen Anlaß - führten immer wieder zu neuen Abstürzen und Enttäuschungen, deshalb möchte ich Dich hier etwas "auf den Boden der Tatsachen zurück holen", damit Du nicht nach einem Jahr wieder Hoffnung aufbaust, die wieder zerstört wird und Du wieder von vorn beginnst mit dem ganzen Trauerprozess. Es erschwert Dir nur, wirklich loszulassen und einen Neubeginn für Dich zu finden. Hoffnungen, hoffnungsvolle Gedanken und der sehnliche Wunsch danach, alles möge wieder gut werden, rauben einem Kraft und Energie, die man dringend für sich selbst braucht!!!

Ich weiß, dass hört sich nun alles so belehrend an. Das soll es nicht sein. Ich merke nur an mir selbst, wie sehr mich diese Hoffnungen immer wieder zurückziehen in eine Vergangenheit, die nun vergangen ist - was ich offensichtlich , genauso wie Du, nur schwer akzeptieren kann.

Vielleicht hatte Dein Ex nur ein schlechtes Gewissen Dir gegenüber, als er Dich traf und seine Neue im Schlepptau hatte? Vielleicht wollte er Dir gegenüber nur nicht ganz so "abgebrüht" erscheinen und einen auf "frisch-verliebt" machen? Ich kann es Dir mit Sicherheit nicht sagen. Aber Fakt ist: Er ist mit einer neuen Frau zusammen!!!Er hat den Kontakt zu Dir abgebrochen!

Natrülich mag es sein, dass er sich in seiner neuen Beziehung nicht gut fühlt und dadurch erst Deine Stärken wieder entdeckt. Die Möglichkeit besteht natürlich. Bevor Du Dich aber so sehr in wage Hoffnungen stürzt, solltest Du nüchtern bleiben. Wenn es so sein sollte, wird er sicherlich auf andere Weise den Kontakt zu Dir wieder suchen und anders um DIch kämpfen. Bevor das nicht geschieht, solltest Du Dich nicht in Träume flüchten, die Dir selbst nur wieder sehr, sehr schaden, wenn sie nicht in Erfüllungen gehen.

Wie gesagt, vielleicht brauchst Du diese Hoffnungen im Moment, um "überleben" zu können. Ich denke mir, dass es ein irrsinniger Schock sein muss, den Ex mit der Neuen zu sehen, macht einem dies doch unmisverständlich klar: ES IST VORBEI, ICH BIN ERSETZT WORDEN!

Mein Gott, ich würde vermutlich auch eingehen, würde mir dies passieren, obwohl ich objektiv betrachtet aus diversen Gründen auch nicht mehr mag und seine Neue gar nicht beneiden dürfte - aber leider sprechen meine Gefühle nicht die Sprache der Vernunft. Und ich denke, Dir geht es im Moment ähnlich!

Stütze Dich nicht so sehr auf Hoffnungen und Illusionen. Dies könnte Dir schaden. Natürlich wünsche ich es Dir von ganzem Herzen, dass Dein Ex durch seine neue Beziehung reumütig erkennt, was er an Dir hatte. Aber ob dies eintrifft, nur weil Du das Gefühl hast, er sei nicht glücklich? Ich denke, er wird Dir dies anders zeigen, sollte es so sein.
Im Moment ist es leider Fakt, dass er eine neue Beziehung hat und Eure Trennung bereits ein JAhr her ist.

Denk an Dich, verwende Deine Energie für Dich, nicht für Hoffnungen! Wie es geht, sich vor übertriebenen Hoffnungen zu schützen, weiß ich leider auch nicht immer. Ablenkung ist wohl der beste Weg!!!

Viele Grüße und ganz viel Kraft - und sei mir nicht bös für die harten Worte !

Ariane

03.08.2005 19:08 • #2


Ehemaliger User


Liebe Sinah,

kann deine gefühle total nachvollziehen. ich denke, es wird lange zeit weh tun, bzw. einen aus der bahn werfen, wenn mann seinen ex mit einer neuen partnerin sieht.

aber ich bin sicher, dass, wenn er es wirklich wollte, er dann sich anders um dich bemühen würde. um den gewinn deiner zuneigung, um eine chance für euch beide.

erinner dich an die zeit, als ihr euch kennen gelernt habt? hat er sich da mühe gegeben? hat er um dich gekämpt? mit blumen, gesten, zärtlichkeiten?

siehst du, wenn er es jetzt also nochmal mit dir versuchen wollte, und zu dir zurückkehren wollte, dann müßtest du das merken. und zwar nicht nur durch eine frage auf dem sommerfest wie es dir geht.

so traurig sich das anhört, aber versuche nicht daran zu denken. männer zu verstehen ist fast unmöglich. ich denke, dass die aus schuldgefühl ne menge tun.

bleibt stark - sei lieb gedrückt - lola

04.08.2005 07:12 • #3


Ehemaliger User


Liebe Ariane, liebe Lola, ich danke euch für eure Antworten und dafür, daß ihr mir den „Kopf wieder zurecht gerückt“ habt. Ihr habt die Situation total richtig eingeschätzt, ich hab es bloß nicht richtig erkannt, oder wollte es nicht. Ich wünsche es mir wohl so sehr, daß ich den Blick für die Realität total verloren habe.
Schade nur, auch wenn man eigentlich begreift, wie unsinnig diese Gedanken sind, sie schleichen sich immer wieder ein.
Ich denke, Ariane du hast recht und die Wahrheit wäre tatsächlich (noch) zu hart für mich, irgendwie sträubt sich alles in mir dagegen, wirklich loszulassen. Meine Gedanken drehen sich ständig um ihn, komme mir schon richtig unnormal vor. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß er in meinem Leben keine Rolle mehr spielt und dabei tut er doch genau das schon längst nicht mehr, nur in meinen Gedanken. Das ist doch nicht normal?
Hat dein Ex eigentlich auch eine Neue?
Vielen Dank jedenfalls noch mal für eure Hilfe, ich bin echt froh, daß es dieses Forum gibt, sonst würde ich mich wahrscheinlich längst für völlig bekloppt halten, denn mein Umfeld versteht mein langes Festhalten an der Vergangenheit schon ne ganze Weile nicht mehr, da krieg ich zu hören „ach, sei froh, daß du den Kerl los bis“. Tut auch manchmal ganz gut, aber es versteht leider keiner, daß ich trotzdem nicht froh bin.

Seid lieb gegrüßt
Sinah

04.08.2005 08:57 • #4


Ehemaliger User


Hallo Sinah!

Ich weiß es nicht, ob mein Ex eine Neue hat...vermutlich schon. Er hat den Kontakt zu mir völlig abgerochen. Leider arbeiten wir in der gleichen Firma, nur in verschiedenen Filialen. So bleibt es mir nicht erspart, dass ich täglich mit der Thematik konfrontiert werde...Ich erlebe es genau wie Du: Die Außenwelt erwartet so viel Stärke von einem und reagiert total irritiert und kann unsere Trauer nicht verstehen. Ehrlich gesagt, hätte ich es vor drei Monaten auch noch nicht verstanden, was Menschen durchmachen, wenn eine langjährige Beziehung zu Ende geht. Da war ich auch schnell mit Ratschlägen, wie "sei froh, dass er weg ist!", "Du packst das schon!", "Nimmst Dir halt nen Neuen!" - das waren auch meine "hilfreichen" Tipps für Getrennte!

Loslassen - ja, liebe Sinah, auch ich kann es nur ganz, ganz schlecht. Meine Vernunft sagt mir: Es ist gut, dass es vorbei ist, meine Gefühle sind aber noch nicht so weit. Auch ich schwelge immer wieder in dem Unglaube, dieser Mensch ist für immer weg. Das kann nicht sein! Ist aber so...

Ist es Dir denn in dem einen Jahr gar nicht gelungen, Dir ein eigenes Leben aufzubauen, dass Dich glücklich und zufrieden  macht? Ich habe diese Momente gelegentlich...dass ich mich allein ganz gut fühle...oftmals ist aber auch noch Trauer und Depression angesagt!

Hast Du bislang keinen Neuen kennengelernt? Ich merke auch - was mich sehr erschreckt - Männer interessieren mich zur Zeit gar nicht. Wehe einer schaut mich an! Dann reagiere ich schon abweisend  :D. Mein Gott, muss ich arrogant wirken! Aber es ist nur die tiefe Verletzung, die noch nicht verheilt ist, die mich so handeln läßt. Im Hinterkopf habe ich natürlich die Hoffnung: Auch ich werde einen finden, der besser zu mir passt und dann werde ich über die heutige Zeit nur noch lachen..Ich hoffe, dass es so kommt oder dass ich mich mit meinem Singleleben so arrangiere, dass ich gar keinen mehr will.

Du musst wohl auch alles versuchen, um von Deinem Ex loszukommen. Aber wie??? Nicht mehr an ihn denken...Wenn es nur so leicht wäre, gell?

Viele Grüße

Ariane

04.08.2005 09:30 • #5


Ehemaliger User


Hallo Ariane,
oje, das stelle ich mir ja auch schlimm vor, in der gleichen Firma zu arbeiten. Auch wenn es verschiedene Filialen sind, sickert ja bestimmt immer mal wieder die eine oder andere Information durch.

Weißt du, richtig getrennt, so endgültig, fühle ich mich eigentlich erst, seit ich weiß, daß er eine Neue hat. Er ist zwar schon vor einem Jahr ausgezogen, aber hat es geschickt verstanden mich monatelang warmzuhalten, hat immer wieder von der großen Liebe gesprochen und daß es keine andere Frau für ihn gäbe. Ich habe ihm geglaubt, weil ich ihm glauben wollte und nach Lösungen für unsere Probleme gesucht. Dabei habe ich gar nicht gemerkt, daß es ihm irgendwann gar nicht mehr um unsere Probleme ging, sondern daß er mich ganz einfach nicht mehr wollte.

Was die wenigen Momente betrifft, in denen es einem gut geht, ja, die habe ich auch manchmal. In diesen Momenten fühlt man sich richtig stark, als könnte man alles schaffen. Ich hoffe, diese Momente kommen mit der Zeit öfter und halten länger an, denn bis jetzt ist es so, daß ich schon kurz danach ins krasse Gegenteil verfalle und mich in meiner Trauer verliere.

Was die Männer betrifft, da geht es mir ebenfalls so wie dir. Ich kann mir gar nicht vorstellen, jemals wieder mit einem anderen Mann diese Vertrautheit zu erleben. Nicht das ich mir das nicht wünschen würde, daß es später mal wieder so sein wird, aber wirklich vorstellen kann ich es mir überhaupt nicht, dazu ist er wohl auch noch viel zu präsent. Alles erinnert mich an ihn, obwohl ich schon so gut es geht, die Wohnung umgestaltet habe.

Nun versuche ich mich mit dem Gedanken zu trösten, daß ich das schlimmste inzwischen wohl hinter mir habe und eigentlich kann es mit jedem Tag nur noch besser werden, hoffentlich.
Ach, schon während ich das schreibe, muß ich schon wieder denken „was soll besser werden, er ist weg, wie soll ich jemals diese Lücke schließen?“
Aber diese Gedanken werd ich jetzt verdrängen. Andere haben es geschafft, also werden wir das auch schaffen!!! Ich drück uns die Daumen ganz doll.

Lieben Gruß Sinah

04.08.2005 12:31 • #6


Ehemaliger User


las es m.a.w. irgendwo:
kein mann (keine frau) ist deine tränen wert,
und der(die) es wert wäre,
würden dich nicht zum weinen bringen.
-ausnahmen all inclusive-

04.08.2005 15:28 • #7


Ehemaliger User


Hallo Sinah!

Wenn Dein Ex Dir natürlich nach seinem Auszug immer wieder neue Hoffnungen machte, erstaunt es mich nicht besonders, dass Du auch nach einem Jahr immer noch mit Loslassen beschäftigt bist, er ständig präsent ist in Deinen Gedanken und Du immer noch auf der Gefühls-Achterbahn unterwegs bist. Zunächst dachte ich: Oh Gott, 1 Jahr Trennung und es ist immer noch so krass??? Das machte mir ein wenig Angst. Gerade weil ich das Gefühl habe, bei mir gehts Peu a Peu bergauf!

Ja, liebe Sinah, vielleicht hast Du es gebraucht, ihn mit einer Neuen zu sehen, um endgültig hinzunehmen, dass alles Hoffen vergebens war und die Trennung zwischen Euch real ist. Obwohl ich Angst davor habe, meinen Ex mit einer neuen Partnerin zu sehen oder davon zu hören, er habe eine Neue, habe ich mich auch schon theoretisch gefragt, ob dies nicht doch auch hilfreich sein könnte, um mit dem Thema besser abschließen zu können.

Wie ist es für Dich? Ist es auch ein Ansporn, zu sagen, ich sehe doch viel besser aus wie die! Oder: Mein Gott, die Neue ist ja dünner wie ich, also geh ich jetzt ins Fitnesstraining, um meinen Po etwas straffer zu kriegen? Weißt Du, wie ich das meine? Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft...Vielleicht gibt der unvermeidliche Vergleich mit der Neuen, einem ja den Drang, sich selbst wieder mehr um sein Äußeres zu kümmern, wo man sich doch so unattraktiv fühlt, wenn man verlassen wurde. Die ganze Trauerei kann einen aber auch häßlich machen! Man magert ab, rennt mit tiefen Augenringen durch die Gegend, hat eine Ausstrahlung wie eine dahinwelkende Trauerweide, in der festen Überzeugung man sei ja ohnehin nicht liebenswürdig! Herr Gott, wie blöde oberflächlich das ist, aber es ist so! Gekränktes Ego bezieht sich bei uns Frauen meist gleich aufs Äußere! Und durch diesen ganzen Trennungsprozess sehen wir ja meist auch etwas be.....aus, als sonst und jeder Blick in den Spiegel beweist einem: Ja klar: Man bin ich häßlich!
Ich hatte in den ersten Wochen meiner Trennung so die fixe Idee, mich total zu verändern, als ich noch unter Schock stand. Wollte mir ne neue Frisur zulegen, ein neues Outfit usw. Mein Kollege redete mir dies aus, weil er mir klar machte, dass alles so wie es ist, zu mir passt und ich doch meinen eigenen Typ und meinen Stil unabhängig von meinem Ex erworben hätte. Ich fand, er hatte recht und habe diese Veränderungen unterlassen. Ich bin eben wie ich bin. Und wenn ich wieder richtig glücklich bin, werde ich auch wieder attraktiver aussehen. Wie ist es, wird die eigene Eitelkeit wiederbelebt durch die Konfrontation mit der Neuen oder kanzelt man sie aus psychologischen Gründen ohnehin ab, auch wenn sie aussieht wie Heidi Klum? A la: Dass der sich ausgerechnet so eine aussucht, hätte ich nie von ihm gedacht???

Ich hoffe, dass diese Begegnung mit der Neuen zum Wendepunkt für Dich wird und Du es nun Schritt für Schritt schaffst, Dich endgültig abzulösen, um frei zu sein für ein neues, besseres Leben und eine neue, schönere Beziehung!!

Viele Grüße

Ariane

05.08.2005 20:28 • #8


Ehemaliger User


Hallo Sinah,

So wie sich das für mich darstellt, klemmst Du Dir schon heftig die Gefühle ab. War das während eurer Beziehung auch schon so? Dann wunderst Du dich, daß dein Ex wegläuft?
Was ist so schlimm daran, ihm zu sagen/zeigen, daß es dir weh tut? Wäre ein Beweis für ihn, zu Dir zurück zu kehren, weil er weiß , Du fühlst noch und empfindest etwas für ihn? Stattdessen die unterkühlte Variante, verständlich einerseits, andrerseits hast Du nichts begriffen, leider!  ::)Was hat er davon zu einer Frau zurück zukehren, die es offensichtlich nicht einmal berührt, wenn er mit einer anderen im Schlepptau anrückt? Wie so viele Frauen hier, siehst auch du nur die zeichen die du sehen willst und interpretierst sie zu deinen Gunsten und zu seinem Nachteil. Kann ich gut verstehen, bringt nur nix. Mit Eiswürfel-minus-Temperaturen gewinnt man keinen Pokal. Geh Deinen eigenen Weg, oder gib ihm eine Chance, aber so ein herumeiern ist selbstzerstörerisch und ich weiß ehrlich nicht ,ob du selbst überhaupt weißt was du willst. ???



06.08.2005 14:00 • #9


Ehemaliger User


Hallo Ariane,
als ich erfahren habe, daß er eine Neue hat, habe ich auch erst geglaubt, daß mir dies nun helfen wird, das endgültige Ende zu akzeptieren. Leider war es nicht so, oder nur zeitweise. Meine Gedanken fangen immer wieder an, um ihn zu kreisen. Und nachdem ich ihn nun gesehen habe, ist es schlimmer den je.
Inzwischen habe ich mich noch mit jemandem unterhalten, der auch auf diesem Fest war und auch die übrigen Leute gut kennt. Sein merkwürdiges Benehmen ihr gegenüber hat allgemeine Verwunderung ausgelöst und den Eindruck hinterlassen, er hätte sie dort vor allen Leuten blamiert. Das sind Dinge, die mich immer wieder beschäftigen, obwohl ich weiß, wie unsinnig das ist, denn ergründen kann ich es ja sowieso nicht.
Ich würde ihn zu gerne verstehen, aber es ist, als kenne ich ihn gar nicht mehr, er ist mir völlig fremd geworden.

Ein Ansporn zur Fitness ist es bisher leider nicht wirklich (nur kurzfristig), das wäre ein willkommener Nebeneffekt, aber im Moment bin ich einfach nur völlig antriebslos. Ich hoffe sehr dein Gedanke, wirkt motivierend auf mich, ich arbeite daran.

Den Gedanken an Veränderung hatte ich auch, habe es aber hauptsächlich an meiner Wohnung ausgelassen. Das hat mir sehr geholfen, in solchen Momenten habe ich mich richtig gut gefühlt, es fiel mir leicht, mich auch an seine schlechten Seiten zu erinnern und mir selbst zu sagen „sei froh, daß du den Kerl los bist und ohne ihn bist du besser dran“. Naja, leider kann man ja nicht haufenweise immer neue Möbel ranschleppen.

Ich wünsche dir, daß es weiter bergauf geht bei dir.

Liebe Grüsse Sinah



Hallo mangoon,
wie ich eingangs schon geschrieben habe, habe ich fast ein Jahr lang wie eine Irre um unsere Ehe gekämpft. Ich habe ihm immer gezeigt, während und nach der Beziehung, wie sehr ich ihn liebe und dessen war er sich auch immer sicher. So sicher, daß ich uninteressant geworden war, mit den Jahren.
Am Ende hatte ich das Gefühl, meine Liebe ist ihm nur noch lästig. Heute weiß ich, daß ich mich viel zu lange um ihn bemüht habe, dadurch hat er jede Achtung vor mir verloren. Er wusste doch, er braucht nur mit dem Finger schnippen und ich stehe parat. In der Zwischenzeit konnte er sich in aller Seelenruhe eine Neue suchen.

Was meinst du, wie lange man sich erniedrigen sollte?

Du schreibst, ich weiß nicht was ich will. Das ist in meinen Augen etwas falsch formuliert. Sicher, meine Gedanken, mein Handeln sind momentan ziemlich widersprüchlich, doch wer ist schon in der Lage seine Gefühle auf Knopfdruck abzuschalten, auch wenn einem der Kopf vielleicht schon sagt, daß er wohl doch nicht so der richtige Mann gewesen ist, schließlich ist es auch nicht nur der Partner, den man verloren hat, sondern ebenso die gesamte Lebensplanung und ein Stück der eigenen Identität. Wenn du diesen Knopf gefunden hast, lass es mich wissen.

Gruß Sinah

06.08.2005 16:42 • #10


Ehemaliger User


[quote author=Sinah link=board=allgemeines;num=1123077606;start=7#9 date=08/06/05 um 17:42:45]



Hallo mangoon,
wie ich eingangs schon geschrieben habe, habe ich fast ein Jahr lang wie eine Irre um unsere Ehe gekämpft. Ich habe ihm immer gezeigt, während und nach der Beziehung, wie sehr ich ihn liebe und dessen war er sich auch immer sicher. So sicher, daß ich uninteressant geworden war, mit den Jahren.
Am Ende hatte ich das Gefühl, meine Liebe ist ihm nur noch lästig. Heute weiß ich, daß ich mich viel zu lange um ihn bemüht habe, dadurch hat er jede Achtung vor mir verloren. Er wusste doch, er braucht nur mit dem Finger schnippen und ich stehe parat. In der Zwischenzeit konnte er sich in aller Seelenruhe eine Neue suchen.

Was meinst du, wie lange man sich erniedrigen sollte?

Du schreibst, ich weiß nicht was ich will. Das ist in meinen Augen etwas falsch formuliert. Sicher, meine Gedanken, mein Handeln sind momentan ziemlich widersprüchlich, doch wer ist schon in der Lage seine Gefühle auf Knopfdruck abzuschalten, auch wenn einem der Kopf vielleicht schon sagt, daß er wohl doch nicht so der richtige Mann gewesen ist, schließlich ist es auch nicht nur der Partner, den man verloren hat, sondern ebenso die gesamte Lebensplanung und ein Stück der eigenen Identität. Wenn du diesen Knopf gefunden hast, lass es mich wissen.

Gruß Sinah
[/quote]



Hallo Sinah,

auf mich brauchst du nicht böse zu sein,  ::) ich habe dich nicht verlassen. Deine Antwort bekräftigt genau das was ich zuvor bereits geschrieben habe. Bestimmt dachtest du das sei Liebe, wenn du wie eine " Irre gekämpft " hast, wie du sagst. Ich bin mir da nicht so sicher. Woher weisst Du, daß er das auch als Liebesbeweis aufgefasst hat ? Erniedrigen kann man sich nur selbst, daran hat dein Ex keine Schuld. Jeder beurteilt das anders wie weit er gehen möchte, wenn deine Grenzen überschritten wurden, wer hat das zu verantworten ? Wenn am Ende des Kampfes wieder nur Wut und Ärger für deinen Ex bleiben, frage ich mich, wieviel Liebe vorher da gewesen sein soll ? Da passt etwas nicht ganz zusammen. Verstehe mich nicht falsch, ich verstehe, daß das jetzt schmerzvoll ist für dich und ich sage auch nicht, daß es einen Knopf gibt mit dem man das abstellen kann. Das erwarte ich nicht. Ich begreife nur nicht, warum fast alle Frauen immer den Ex verantwortlich machen und ihm die Hölle wünschen, nachdem es nicht geklappt hat, ihn wieder zu erobern. Als hätte ein Kind sein Spielzeug nicht bekommen und dafür tritt man es jetzt kaputt!? So eine Liebe verstehe ich nicht, die fordert und wenn sie nicht erwiedert wird, schlägt sie um in Hass. Wenn das normal ist, dann hab ich wohl etwas nicht verstanden..

m.

06.08.2005 19:26 • #11


Ehemaliger User


Hallo Sinah,

schade, dass die Begegnung mit der Neuen Dich doch so hart erwischt hat! Vielleicht hast Du auch bisher wirklich immer in der Hoffnung gelebt, Dein Ex käme zu Dir zurück, weil er Dir ja auch Anlass dazu gegeben hat.

Möglicherweise kannst Du erst jetzt damit beginnen, die Trennung als Tatsache zu verarbeiten. Sprich, Du beginnst jetzt erst richtig mit den Emotionen, die andere  Verlassene bereits viel früher im Laufe einer Trennung durchleben. Schock, Lähmung und absolute Zurückgezogenheit. Das ist der Zustand, den ich in den ersten Wochen nach der Trennung erlebt habe. Diese entsetzliche Kraftlosigkeit und das beängstigende Gefühl, man würde ewig in dieser Starre verbleiben. Depression pur und keine Aussicht auf Besserung...Das kenne ich auch. Grausam dieses Erstarren im vermeintlichen Nichts. Aber auch das wird wieder besser, auch wenn man es nicht für möglich hält. Als es mir wieder etwas besser ging, habe ich mich mit dem Thema Depressionen näher befasst, um irgendeine Art Hilfe für mich zu finden. Bisher waren mir solche seelischen Zustände völlig unbekannt und ich hatte die grausame Befürchtung, ich müsse in die geschlossene Anstalt, wenn es so weiter ginge mit mir. Die Angst war da, dass ich mein Leben nie wieder in den Griff bekomme! Ich bin eigentlich eine temperamentvolle, agile Person, die ständig energiegeladen ist, deshalb war mir dieser Zustand völlig fremd. Ich habe dann einige Tipps befolgt, die ich zum Thema Selbsthilfe bei Depressionen fand. Das alles hat mir allmählich geholfen, mich wieder aus dieser Starre zu befreien. Ich habe mit Sport angefangen und mich im Fitness-Studio angemeldet mit Null Kondition. Körperliche Bewegung hilft Dir, diesen immensen Stress abzubauen, Dich körperlich besser zu fühlen und es hebt die Stimmung, da diverse Hirnbotenstoffe dabei gebildet werden, die die Depression verbessern. Außerdem kommst Du so unter Leute und tust ganz nebenbei etwas für Dich, Deine Gesundheit und Attraktivität. Natürlich habe ich mich anfangs dort hin schleppen müssen, aber als ich merkte, dass es tatsächlich hilft, war der Ansporn da! Dann habe ich mir Johanniskrautpräparate aus der Apotheke besorgt. Diese wirken nach längerer Einnahme auch aufmunternd. Dabei solltest Du Dich aber in der Apotheke beraten lassen, denn viele Präparate aus dem Supermarkt sind zu gering dosiert. Dann habe ich massig Literatur zum Thema verschlungen, die mir das Gefühl gaben, doch völlig normal auf diesen Ausnahmezustand zu reagieren. Und dann habe ich noch dieses Formum gefunden und zunächst monatelang nur mitgelesen. Natürlich darfst Du Dir nicht erhoffen, all diese Maßnahmen erzielten eine sofortige Besserung der Depri-Phase. Es gibt immer wiedr Rückschläge, aber nach und nach gehts wirklich bergauf!!!

Ich hoffe, dass Du wirklich für Dich einen Weg findest, wie Du nach einem Jahr "Schwebezustand" Dir selbst ein glückliches Leben aufzubauen!

Ich kann genau nachvollziehen, was Du schriebst: Der Verstand weiß genau, der Partner ist nicht der richtige für einen selbst, aber die Gefühle können da nicht folgen. In diesem Wiederspruch zwischen Herz und Verstand lebe ich auch teilweise noch, aber die Vernunft setzt sich von Tag zu Tag mehr durch! Und das ist gut so!  ;)

Viele Grüße

Ariane



Hallo mangoon!

Ich lese Deine Beiträge hier stets mit besonderem Interesse, werfen sie doch immer wieder Positionen auf, die oft konträr sind, zu allen anderen Sichtweisen.

Ich kann es allerdings gut nachvollziehen, dass Sinah so "kalt" reagierte, als sie ihren Ex mit der Neuen sah. Ich denke, in so einem Moment kann man gar nicht "echt" bleiben. Allein schon aus Selbstschutz nicht! Zeigst Du Deinem Angreifer gegenüber Schwäche (und in diesem Fall ist ja der geliebte Verlasser der Angreifer, weil er einem weh tut - auch wenn er keineswegs aggressiv ist!), wirst Du verlieren...Das gehört für mich zum Selbsterhaltungstrieb, dass man in solch einer Schocksituation, nicht gerade authentisch bleiben kann! Vielleicht ist man sogar derart schockiert, dass man in diesem Moment wirklich gar nichts fühlen kann - wiederum, um sich selbst zu schützen!


Ich habe hier im Forum viele Beiträge gelesen. Auffallend war für mich stets die Meinung, dass man den Ex eher zurück gewinnt, wenn man ihm zeigt, man könne auch bestens ohne ihn klar kommen, ohne offensichtlich Gefühle zu zeigen. Das erweckt scheinbar wieder Interesse und gestattet dem Verlasser erst zu registrieren, den Ex-Partner tatsächlich verloren zu haben...

Wie ist es nun mit dem Jagdinstinkt des Mannes? Ist er doch nicht der ewige Eroberer, der nur das will, was er im Moment nicht hat? Wäre es so, wäre Sinahs Reaktion doch völlig richtig gewesen, um ihren Mann zurück zu gewinnen. Hätte sie ganz offensichtlich gezeigt, wie sehr er ihr damit weh tut, hätte er doch möglicherweise das Gefühl gehabt, sie klammere nun wieder und das mögen viele Männer scheinabr nicht...

Mich ineressiert es sehr, wieso Du der Meinung bist, dass Du einen Partner eher zurück gewinnst, wenn Du ständig als Verlassener zeigst, wie sehr Du an ihm hänsgt und wie viele Emotionen da noch im Spiel sind? Zieht man sich da nicht noch mehr zurück und merkt gar nicht, was einem fehlt, wenn man verlassen hat?

Hätte Dein Ex-Partner Dir stets immer wieder beteuert, wie sehr er Dich noch liebt, nachdem Du gegangen bist, hätte es Dich zur RÜckkehr bewegen können? Vermutlich nicht, oder?

Und kann man dann überhaupt LOSLASSEN, wenn man stets in diesem Kampf um die verlorene Liebe Gefühle äußert, sich Hoffnungen macht usw.? Muss nicht auch der Verlasser hier ein Zeichen setzen, das einen zur Hoffnung veranlasst?

Wenn der Ex von Sinah, ihr doch stets zu verstehen gab, es gäbe noch eine Chance für ihre Beziehung, dann ist es doch nachvollziehbar, dass sie nun in einem emotionalen Wirr-Warr steckt und nicht so recht weiß, ob sie kämpfen oder endgültig aufgeben soll. Natürlich kann ich aufgrund meiner eigenen Situation Sinahs Perspektive viel eher nachvollziehen, als Deine. Deshalb finde ich es auch so spannend, was Du hier äußerst...Ich glaube, Verlassene - das ist zumindest meine Erfahrung - wollen in Ihrer Verzeiflung den Ursprungszustand ihrer ehemaligen Beziehung unbedingt zurück, um diesen irrsinnigen Schmerz zu beenden. Ich glaube auch, dass man bereit wäre, alles zu tun, würde der Partner in dieser Lage zurückkehren. Ob das aber gut gehen kann, ist fraglich...Auch wenn man dem Ex Anlaß gab, zu gehen und gewiß viele Fehler innerhalb der Beziehung machte, so ist es doch auch so, dass der Trennungsentschluss des Partners an sich, einen Bruch zwischen beiden bedeuten kann, der nicht mehr zu kitten ist, weil er dauerhaft einen Riss in der Fassade der Beziehung ausmachen kann. Der der geht, ist nicht mehr bereit, für das "WIR" zu kämpfen. Auch wenn dies eine Fehlentscheidung sein mag und der Verlasser nur Abstand brauchte, um zu erkennen, wie sehr er doch liebt, kann dies ewig zwischen beiden Partnern stehen. Ein Risiko, das der Verlasser trägt, wenn er die Beziehung beendet.

Sicherlich gelingt es manchen Paaren, nach einer vorrübergehenden Trennung wieder zueinander zu finden und aus den begangenen Fehlern gemeinsam zu lernen und an ihrer Beziehung zu arbeiten. Es kann aber auch sein, dass der Schmerz des Verlassens so einschneidend ist, dass er ewig im Kopf des Verlassenen eine Rolle spielen wird und das absolute Vertrauen dahin ist, so sehr man sich auch bemüht, zu verzeihen. Weißt Du, wie ich das meine?

Viele Grüße. Ich hoffe, bald neue Beiträge hier im Forum von Dir zu lesen!

Ariane

06.08.2005 20:02 • #12


Ehemaliger User


Nochmals an mangoon!

Habe Deine Antwort auf Sinahs posting erst gelesen, als ich meine Antwort abgeschickt habe.

Ja mangoon, Hass gehört zur Liebe dazu und ist für den Verlassenen sogar wichtig, um sich loslösen zu können.

Hass und Wut sind vor dem endgültigen Loslösen ein normales Stadium im Trauerprozess um eine gescheiterte Liebe, gerade weil Gefühl im Spiel war. Den direkten Weg von Liebe zur wohlgesonnener Gleichgültigkeit oder freundschaftlichen Gefühlen schafft man wohl nur, wenn man zu einem Zeitpunkt verlassen wurde, als man bereits selbst entliebt war. Das hat ja nichts mit dem objektiven Verhalten des Ex-Partners zu tun. Verlassene brauchen dies Wut, diesen Hass, um die Kraft zu spüren, die ihnen hiflt, wieder aufzustehen - als Energieschub sozusagen.

Natürlich wandelt sich dieser Zorn, der mich an beinahe kindlichen Trotz erinnert,  nach dem Ablösen in Gleichgültigkeit oder in freundschaftliche Gefühle...Aber erst ,nachdem man sich kraftvoll durch diese "Portion Wut im Bauch" losgelöst hat.

Liebe und Verlassen werden, Liebeskummer jeglicher Art hat doch wenig mit Vernunft zu tun, sondern mit Emotionen.

Ich glaube, man muss erst diese Wutphase, die übrigens nach der Phase der immensen Schuldgefühle des Verlassenen selbst kommt, überwinden, um sich eingestehen zu können, dass es auch schöne Zeiten gab und man doch allerhand SChönes und Wichtiges miteinander erlebt hat. Ich denke, es gibt kaum einen Verlassenen, der nicht selbst in tiefste Selbstanklagen verfällt und zeitweise nur das eigene Versagen in der Beziehung fest machen kann, wenn er den geliebten Menschen verliert. Ich war wochenlang der Überzeugung, nur ich ausschließlich hätte Fehler gemacht in meiner Beziehung und mein Ex sei ein gottgleiches fehlerloses Wesen.  Ich glaube auch, es stellt sich im Forum verstärkt so dar, man suche die SChuld beim Verlasser, weil man erst mit dem Schreiben hier beginnt, wenn die Selbstanklagebank verlassen wird und man entdeckt, dass der Verlasser auch seinen Part beigetragen hat. So mag es erscheinen, als suchen alle Verlassenen lediglich die Schuld beim Ex für das Scheitern der Beziehung. Tatsächlich ist es aber so - ich denke, bei den meisten - dass vorerst eine eindimensionale Selbstvorwurfsphase eintirtt, die aber hier nicht so oft formuliert wird, da man hierzu noch zu passiv ist.

Viele Grüße

Ariane

06.08.2005 20:21 • #13


Ehemaliger User


Hallo Ariane,
ich sehe das anders. Hass kann zwar da sein, er bewirkt aber genau das Gegenteil von Trennung und Loslassen. Hass bedeutet, ich bin an den anderen "negativ" gebunden. Also auch im Hass löse ich mich nicht. An was denkst du die ganze Zeit wenn du den anderen hasst ? Na, an deinen Ex, richtig ? Also, wie kannst du dich von etwas lösen, an das du ständig denken mußt ? Wut ist o.k. denn, wenn du auf etwas oder über jemanden wütend bist, geht es meist um eine einzelne Sache, das verraucht aber auch schnell wieder. Hass ist generalisierend  und betrifft den gesamten Menschen. Er bleibt haften und treibt komische Blüten. Da will man den anderen Vernichten. Einige tun das auch, verbal oder mit gemeinen Aktionen. Ich meine nicht, daß es besser ist sich in Selbstvorwürfen zu ergießen. Ehrliche Kritik an sich selbst zu üben und nachzuforschen, an welcher Stelle man Fehler gemacht hat und was man besser machen kann. Das widerum schliesst auch mit ein, zu betrachten was auch der Andere falsch gemacht hat. Aber am traurigen Ende einer Beziehung, die ganze Beziehung rückwirkend in Frage zu stellen und nur noch übles über den Ex ans Tageslicht zu befördern, verkürzt die Leidensphase sicher nicht, sonst müßte jede (r) hier schließlich nur einmal posten Ich glaube, man sollte sich dazu entscheiden welchen Weg man gehen will und dann sein Verhalten danach bestimmen. Wenn ich mich lösen will, brauche ich meinen Ex nicht dazu. Klar hilft es dann wütend zu sein. Aber wenn ich wieder einen Neuanfang wünsche, dann muß ich das wohl ein wenig anders anfangen. Ich hab hier schon einige Berichte gelesen. Die meisten ähneln sich so, da könnte man meinen, es muß doch allgemeingültige Regeln oder Gemeinsamkeiten  geben. Eine Gemeinsamkeit die ich entdecke ist, daß die meisten eine wirklich glasklare Vorstellung davon haben, was der Ex tun muß, welche Zeichen er setzen darf und welche nicht. Sowie was widerum absolut "daneben " von ihm ist und wie sehr er angeblich immer wieder mit seinen kleinen Kontaktversuchen verletzt? Also Kurz, jede Frau weiß haargenau, was er tun oder lassen sollte. Frauen, die alles besser wissen sind ein Albtraum für jeden Mann. Ebenso sind Männer die alles besser können, ein Albtraum für jede Frau. Instinktiv, weißt du nämlich genau, daß du bei deinem Partner keinen Blumentopf gewinnen kannst. Deshalb kommt auch bei dem "irre kämpfen" zum Schluss nichts heraus. Es ist gar keine ernsthafte Bereitschaft vorhanden dich selbst zu ändern. Der Ex soll wieder  zu dir zurück und alles so sein wie vorher und am Besten soll er (!) sich dann ändern. Dieser Kampf ist eine Lüge. Wenn es keine Lüge wäre, würdest du nicht irgendwann einfach frustriert aufgeben. Du begibst dich auf die Suche danach, was fehlt und du hast Zeit (!) und nichts und niemand würde dich umstimmen, bei der Suche nach deiner Warheit. Es lebt sich aber leichter, wenn einer das Opfer und einer der Täter ist. Dann jedoch ist die große Chance, die in so einer Trennung, für beide liegt leider vertan!

m.

07.08.2005 12:40 • #14


Ehemaliger User


Hallo mangoon!

Du hast mit sehr vielem gewiss recht, was Du sagst.

Dennoch erscheint mir dieser Weg einfach zu rational! Ich gratuliere jedem, der es schafft, in solch einer emotionalen Situation so viel Vernunft und Ruhe aufzubringen.

Ich sehe es so: Viele schreiben hier Ihre Gefühle nieder, entweder handelt es sich um Trauer, Wut oder Verzweiflung.

All dieses sind Fragmente eines Ausnahmezustands, in dem sich die Betroffenen befinden. Man "tickt nicht ganz richtig" in diesen Momenten.

Ich glaube schon - zumindest habe ich es so erlebt -  dass so eine Trennung ein absoluter emotionaler Ausnahmezustand ist, bei dem die Vernunft teilweise wirklich flöten geht.
Analytische Gedanken tauchen bisweilen auf, aber sie werden gestört von absolut irrationalen Gefühlen.

In meinem Fall war (ist) es so: Analytisch habe ich begriffen, dass es zwischen mir und meinem Ex nicht funktionieren kann. Er ist so wie er ist, ich bin so wie ich bin. Er will in die eine Richtung, ich in die andere. Es kann nicht gut gehen, weil der gemeinsame Nenner fehlt. Er hat - wie ich schon beschrieben habe - ein objektiv abartiges Verhältnis zu seiner Mutter. Damit kann ich nicht umgehen und konnte es auch während der Beziehung nicht. Statt mich völlig klar dafür entscheiden zu können, diese Verbindung von mir aus zu lösen, da ich diesen Dauerkonflikt nicht aushielt, habe ich es verleugnet, verdrängt, war unzufrieden und habe eben meine Unzufriedenheit durch Launen, Zickigkeit und teilweise hefige Debatten zum Thema ausgedrückt. Eben weil mir die rationale Courage fehlte, zu gehen! Heute bin ich rein verstandesmäßig an dem Punkt angelangt, dass mein Verhalten meinem Ex gegenüber eventuell ein Beenden der Beziehung provozieren musste. Das war meine Lösung des Problems - auch für mich...Feige zwar, weil ich nicht in der Lage war, die ganze Geschichte zu beenden.

Meine Emotionen dagegen sprechen eine andere Sprache: Ich schwelge in schönen Erinnerungen, vermisse ihn, weil ich mich teilweise einsam fühle usw. Zunächst hatte ich eine Phase, in der ich alle Schuld bei mir suchte, dann bei ihm. Alles Schritte auf dem Weg, unsere Liebesgeschichte zu "verdauuen".

Hass ist ein starkes Wort und Wut umschreibt das Gefühl wohl eher, das ich empfand. Auf meinem Weg hätte ich ihn zu Beginn der Trennung unter allen Umständen wieder zurück haben wollen, danach hatte ich eine Phase, da hätte ich ihn sonst etwas geheißen und ihm gravierende Vorwürfe gemacht, hätte geschmollt und ihm ein arrogantes "das kannst DU vergessen" entegegen geschmettert, wäre er wieder aufgetaucht. Heute würde ich vermutlich ein ganz sachliches Gespräch mit ihm führen können und ihm die Gründe erläutern, warum ich inzwischen der Meinung bin, dass es zwischen uns nicht gut gehen kann auf Dauer. Ich kann nur nicht sagen, wie ich dies Morgen machen würde...

Es ist eine Entwicklung, die man weder rational angehen kann, noch vorhersehen kann. Und so glaube ich, dass viele Berichte hier einfach nur gefühlsmäßige Momentaufnahmen sind in einer gefühlsmäßigen Extremsituation.

Auch ich merke, wie meine Wut meinem Ex gegenüber sich zu legen beginnt, wie mein anfängliches Unterlegenheitsgefühl ihm gegenüber schwindet. Diese Gefühle sind noch nicht wirklich stabil, setzten sich aber immer mehr durch.

Mir ist schon sehr klar geworden, dass mich diese Beziehung auch vieles lehrte, vor allem über mich selbst. So z.B. bin ich mir nun klarer darüber, welche Art von Beziehung ich in Zukunft führen möchte, welche Eigenschaften mir an einem Partner besonders wichtig sind und vor allem, dass Beziehungen nie selbstverständlich werden sollten, sondern das gegenseitige Bemühen um den Partner zum Alltag gehören muss - so schwer das auch fallen mag. Vor allem aber möchte ich selbst nicht mehr zu feige sein, um meine Karten auf den Tisch zu legen, wenn eine Beziehungsproblematik mich so sehr belastet, dass ich es nicht aushalte! Ich möchte den anderen nicht mehr "vertreiben" müssen, sondern mich dann bewußter für das Alleinsein entscheiden. Denn immerhin sehe ich jetzt: Es ist hart, verdammt hart sogar, aber ich lebe noch und es geht mir von Tag zu Tag besser. Und auch wenn ich momentan gar nicht in der Lage dazu wäre, mich auf eine neue Beziehung einzulassen, so ahne ich zumindest, dass das Beenden meiner Ex-Beziehung auch die Chance auf eine bessere Beziehung in Zukunft für mich beiinhält. Aber nur, weil mich dieses Trennungsleid so viel gelehrt hat - über mich selbst! Ich war nur zu feige, diesen Weg selbst zu wählen, weil ich Angst hatte vor dem Alleinsein.

Ich denke auf meinem weiteren Weg werden noch viele Erkenntnisse folgen und ich werde eines Tages völlig ohne Wut im Bauch oder Selbstvorwürfe sagen können, diese sechs Jahre waren wichtig für mich, aber es hätten auch nur zwei Jahre sein müssen, wäre ich nur ehrlich und stark genug gewesen!

Und Du siehst: Durch diesen Entwicklungsprozess, den man durch die Trennung macht, sind meine Äußerungen, die ich vor einigen Wochen noch über meine Ex-Beziehung machte, nicht mehr so gültig. Sie sind nur ein Spiegel meiner damaligen emotionalen Verfassung. Und ich denke dies bezieht sich auf viele Aussagen hier im Forum. Allerdings habe ich offensichtlich alle emotionalen Stadien durchleben müssen, um zu diesen Einsichten zu gelangen, die ich heute habe.

Wenn ich heute noch trauere, verstehe ich manches an meinem Partner nicht, noch mehr an mir selbst nicht. Aber ich kann diesen Schmerz zurzeit viel besser zulassen, ohne diese vitale Wut empfinden zu müssen. Ich fühle mich nicht mehr vernichtet, schwach ja, aber nicht besiegt.  Und wahrscheinlich werden andere, die noch mitten "im Vernichtungsschmerz" stecken, in wenigen Wochen auch anders über ihre vergangene Lovestory denken, als ihre aktuellen postings dies vermuten lassen.

Du scheinst eine sehr starke, gefestigte Persönlichkeit zu sein, die so sehr in sich ruht, dass sie die Kraft aufbringt, alles etwas sachlicher anzugehen. Ich glaube kaum, dass Du dieses Verhalten hier von jedem erwarten kannst. Denn natürlich gibt es - rein sachlich betrachtet - in jeder Geschichte Gründe, warum der eine geht und warum der andere voller Schmerz zurück bleiben muss. Diese Gründe werden einem aber meist erst im Verlauf von Monaten klar, wenn die Vernunft wieder zu Wort kommt und die puren Emotionen etwas abklingen. Ich denke, dann kommt in manchem Verlassenen eine gewisse "Dankbarkeit" auf, dass der andere die Beziehung beendete. Auch wenn man sich dies gar nicht vorstellen kann!

Liebe Grüße

Ariane

08.08.2005 20:29 • #15




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