@Anlachen Danke für Deine Zeilen.
Zitat:Bei Dir schein das "Funktionieren" ein großes Thema zu sein, Du lebst nach den Vorstellungen der anderen, erfüllst deren Wünsche, aber so langsam kommt die erwachsene Füchsin zum Vorschein und "Moment mal, wo ist mein Leben eigentlich?" Wo bleibst Du, warum bist Du nicht gut zu Dir? Was möchtes Du wirklich? Kinder, weil Du es möchtest oder für die anderen?
Da bin ich tatsächlich schon eine ganze Ecke weiter als noch vor ein paar Jahren.
Ich bin als Teenager von zu Hause weg und es gab sehr viel Distanz zu meiner Familie. Ich habe mich aber immer ziemlich zerrissen gefühlt und kam wie ein Jojo immer wieder auf emotionaler Ebene auf meine Eltern zu.
Das mit dem Kinderwunsch ist nicht mein primäres Ziel. Es sticht gerade, weil dieses Thema wahrscheinlich sinnbildlich das Synonym für diese Zerrissenheit steht. Plus die biologische Uhr.
Ich vergleiche (soll man ja auch nicht machen) mit meinen Freundinnen, die Mütter sind, ich vergleiche, wie mein Schwager mit seinen Kindern nun überfordert ist und ich stelle mir den Mann vor, der der Grund ist, warum ich dieses Forum aufgesucht habe, dass er auch mit seiner kleinen Tochter gerade auf dem Weihnachtsmarkt ist.
Ich fühle mich da irgendwie ausgegrenzt. Und allein. Wie eine Versagerin.
Mit 40, Single, ich habe nicht mal geschafft, Kinder zu bekommen, wobei es so viele Kinder gibt, die niemand haben wollte und deren Eltern sich einen Sch...drum kümmern.
Also das jetzt natürlich sehr überspitzt.
Im Grunde weiß ich, dass ich weder ein schlechter Mensch bin, weil ich die og. Punkte nicht erfülle und weil es wahrscheinlich auch so sein sollte, dass es jetzt so ist, wie es ist.
Es hat ja immer alles Vor-und Nachteile.
Manchmal denke ich, dass sich neuerdings Gefühle bei mir melden, um auch einfach mal "Hallo" zu sagen.
Der Neid, die Eifersucht, ach hallo! Euch kenn ich noch gar nicht, wolltet ihr auch mal vorbeischauen bei mir, ja danke.
Das sind so Phasen wo ich einfach super viel infrage stelle.
Die gehen aber auch wieder vorbei.
Zitat:Wieviel davon hat Deine Mutter bei Euch gelassen? War sie einfach nur unglücklich oder hat sie es ausgelassen an Dir oder Deinem Bruder? Was hat das mit Dir gemacht?
Mein ältester Bruder hat damals schon nicht mehr zu Hause gewohnt und meine ältere Schwester hatte schon ihren jetztigen Mann, früheren Freund und war oft mit ihm.
Mein anderer Bruder und ich kamen recht ungeplant und meine Eltern waren eigentlich schon überfordert mit ihrem eigenen Leben.
Wir sind in eine Pflegefamilie (das war noch nicht in Deutschland) gekommen, bis meine Mutter sich von ihrer Depression erholt hatte. Da waren wir noch nicht in der Schule. Mein Vater hat durch meinen Onkel in Deutschland einen Job vermittelt bekommen und wir sind kurz vor dem Krieg hergekommen. Ich denke, sie hat durch diese Situation viel mit sich selbst ausgemacht und wollte nicht undankbar sein, hier sein zu dürfen, aber sie ist mit der Mentalität nie so wirklich klargekommen.
Hat sich mit der Sprache schwer getan und hat keine richtigen Freundinnen gefunden.
Sie hat immer gesagt, dass Gott sie bestraft hat mit ihrem Leben und dass sie einfach nur noch nach Hause will und nichts mehr sehen und hören will.
Mein Bruder hat mit besonders viel Liebe versucht Aufmerksamkeit zu bekommen und ich habe es durch Schule und Sport versucht.
Ich wollte unbedingt akzentfreies Deutsch sprechen, habe gelesen wie eine Wahnsinnige und wollte in der Schule nur mit Deutschen Kindern spielen, damit ich meiner Mutter zeigen kann, dass es geht.
Ich bin aber irgendwann so mit ihr aneinander geraten wegen einer Lappalie, dass ich gesagt habe, ich gehe. Und als ich aus der Schule kam, waren meine Sachen schon gepackt und standen im Flur, sie hatte die Mutter meiner Klassenkameradin gefragt, ob ich dort wohnen könnte.
Dann bin ich erstmal dorthin und als ich meinen ersten richtigen Freund hatte, bin ich zu ihm gezogen (er war schon älter und hatte bereits eine eigene Wohnung) bis ich 18 war und einen eigenen Mietvertrag unterschreiben konnte und das Geld für die Kaution hatte.
Erst später haben meine Eltern und ich uns wieder etwas angenähert, weil mich das alles so traurig gemacht hat, wie es ihnen geht, dass ich auf sie zuging und wir mit der nötigen Distanz eigentlich ganz passabel miteinander klar kamen. Sie hatte glaube ich viel Hoffnung daran gesetzt, dass ich, wie meine Schwester einen Mann kennenlerne, eine Familie gründe, damit sie auch wieder eine "richtige" Aufgabe hat und damit sie nicht als die bemitleidenswerte Mutter von xy rüberkommt bei Anderen.
Zitat:Hast Du Möglichkeit, in einem gewissen Rahmen, ihnen Hilfe zu geben oder macht es keinen Sinn? Manchmal können Personen von außen viel bewirken, aber es muss natürlich zur Situation passen.
Mein Schwager hat bereits eine neue Freundin und sie schottet ihn quasi (so ist zumindest mein Empfinden und auch das der restlichen Familie) von uns ab.
Meine Nichte rebelliert, hat auf einmal schlechte Noten in der Schule, weil einfach ihre Mutter letztes Jahr gestorben ist und weil sie nicht weiß, wo ihr der Kopf steht.
Sie hat mich einmal vom Handy meines Schwagers morgens angerufen und gefragt, ob ich sie holen kann, sie will weg. Ich wollte am Abend mit ihm reden, da hatte er mich schon geblockt und kurz darauf eine neue Nummer.
Ich komme mit dieser Art einfach nicht zurecht und mein Neffe ist noch ziemlich klein, er kapiert überhaupt nicht, was passiert ist.
Zitat:Eigene Trigger helfen in Situationen. Ich habe auch gerade eine Beziehung beendet, in der wir viel Nabelschaumäßig nach uns gesehen haben, und den vielen Drei-, Fünf-, Vierzehnjährigen.
Das tut mir leid mit Deiner beendeten Beziehung.
Ich verstehe, was Du meinst.
Zitat:Was macht Dir Freude, woran hast Du Spaß? Sieh' da hin und mach das für Dich. Dann siehst Du viel schneller, wenn etwas nicht passt. Tu Dir Gutes!
Ich würde gern vieles von der Schwere in diesem, alten Jahr lassen und gern mit einem positiveren Mantra ins neue Jahr kommen.
Wie die dreckigen Schuhe vor der Tür auszuziehen und nicht die saubere Wohnung damit weiter verschmutzen.