Alligator
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Als das Verhältnis begann, vor fast drei Jahren, teilte meine Frau mir nur mit, daß sie nichts mehr für mich empfinden könne, sie jetzt ihren eigenen Weg gehen würde und keine Lust mehr hätte in der Warteschlange (sie habe schließlich 10 Jahre auf mich gewartet) zu stehen. Den s.uellen Kontakt würde sie ab jetzt einstellen. Eine Trennung von mir wollte sie aber nicht. Unsere Kommunikation schien schwer gestört zu sein, da sie mir von der vermeintlichen Vernachlässigung bisher nichts sagte.
An ein Verhältnis habe ich überhaupt nicht gedacht. Habe es auch nicht denken wollen, obwohl mich andere aus der Familie schon mal sanft auf den intensiven Kontakt mit dem Herrn (ein Freund der Familie, wie üblich) hinwiesen. Ich war erbost über die Verdächtigungen und mein blindes Vertrauen hat mir den Blick auf die Realität verstellt. Natürlich habe ich gespürt, daß da was zwischen den beiden läuft, habe aber nur an eine außergewöhnliche Freundschaft geglaubt (glauben wollen). Mein Vertrauen war unerschütterlich. Natürlich habe ich sie mehrmals aufgefordert, mir reinen Wein einzuschenken, falls es etwas einzuschenken gab. Natürlich habe ich ihn zur Rede gestellt. Beide haben ganz massiv und verletzt reagiert, wie ich zu solchen ungeheuerlichen Unterstellungen fähig sein könne.
Ich habe sofort mein Leben umgestellt. Keine Arbeit mehr zuhause, kein Computer in der Freizeit (ich bin IT-Manager), Städtereisen, Theater- und Kinobesuche, Shopping, lange Spaziergänge, regelmäßig Blumen. Ich habe alle Register gezogen, um zu beweisen, daß mir ihre Partnerschaft das Wichtigste ist und ich fähig bin, zu lernen. Ich habe ihr Briefe und Gedichte geschrieben und eine Therapie begonnen, weil sie mir glauben machen wollte, es würde mir guttun. Hat alles nix gebracht. Mein Geburtstagsgeschenk wurde umgetauscht, seines auf einem Altar in der Wohnung präsentiert. Der bisher übliche Urlaub mit mir wurde abgesagt, statt dessen ein Urlaub mit Freundinnen gemacht. Später erfuhr ich, daß der Ex-Liebhaber in einem Hotel am gleichen Ort Urlaub machte, zur gleichen Zeit natürlich.
Ein Sahnehäubchen gab es auch noch: Vor 25 Jahren hatte sie schon mal ein Verhältnis mit dem gleichen Mann, damals mein bester Freund, verheiratet und (wie wir) mit zwei Kindern. Das habe ich von meinem Sohn erfahren während ich unser Haus renovierte und sie im Süden Urlaub machte. Warum ich mich aufregen würde, fragte sie entrüstet. Erstens ging es mich nichts an und zweitens wär sie ja schließlich bei mir geblieben. Ich bin aber auch empfindlich.
Nach zwei Jahren habe ich den Kampf aufgegeben. Ausgelaugt und leer habe ich meine Gefühle zu Grabe getragen. Aus unserer Ehe wurde eine WG. Bis ich eine andere Frau kennenlernte, die mich aus dem Loch herausholte. Ich lebe noch und kann Glück empfinden. Wir kennen uns mittlerweile ein Jahr und es hat sich eine Partnerschaft entwickelt, die Zukunft hätte. Da ich aus der Beziehung kein besonderes Geheimnis machte, erfuhr meine Frau recht schnell davon. Das, was ich in zwei Jahren nicht geschaft habe, kam nun wie von selbst. Plötzlich hat sie ihre Liebe zu mir wiederentdeckt und das Verhältnis beendet, im naiven Glauben, nichts käme heraus. Der Ex-Liebhaber hat sich mit der SMS-Aktion gerächt und ich bin kurz nach der Offenbarung ausgezogen.
Trotz allem, habe ich noch Gefühle für meine Frau, kann sie aber nicht richtig einordnen. Ist es Mitleid? Ist es Schuldgefühl, weil ich gegangen bin und ihr damit keine Chance mehr gebe? Dieses ambivalente Gefühl setzt mir mächtig zu. Ich habe das Gefühl, in einer Falle zu stecken und fühle mich oft handlungsunfähig. Werf ich 30 Jahre achtlos weg? Verschenke ich leichtsinnig eine gemeinsame Zukunft? Sollte ich einen Neuanfang mit einer neuen Partnerin wagen?
LG Alligator