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Trennung nach 7,5 Jahren - Abhängigkeit&Schuldgefühle

rinchen

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Hallo an alle.
Ich muss mir einfach mal alles von der Seele schreiben, danke an alle, die sich das durchlesen.

Wir sind 7,5 Jahre zusammen gewesen. Als wir uns kennen lernten war ich 20, er 28.
Ich zog für ihn 250km von meiner Heimatstadt weg, zog von meinen Eltern direkt zu ihm und fing an, in seiner Stadt zu studieren.
Von meinen Freunden distanzierte ich mich, denn er hinterfragte es jedes Mal, wenn ich bei ihnen war und es fanden darüber Diskussionen statt. Um dies zu umgehen ließ ich den Kontakt zu meinen Freunden einschlafen.

Im Laufe der Beziehung fanden immer wieder Situationen statt, in denen ich mir hätte sagen sollen: STOPP! Aber ich tat es nicht.
Einmal machten wir eine Uhrzeit für das Abendessen aus. Er wollte von der Arbeit zu dieser Uhrzeit heim kommen, damit wir gemeinsam essen konnten. Ich bereitete alles vor, und als er nach Hause kam und ich die angegebene Uhrzeit um eine! Minute überschritt, legte er los und fing an zu wüten, wurde beleidigend.
Auf Kritik gegenüber seiner Fahrweise (viel zu dichtes Auffahren, Drängeln, einfach gefährliches und unvorsichtiges Fahren) wurde er wieder beleidigend, entweder ich solle das alles so akzeptieren oder mich verpissen. Genau so mit seinen Beleidigungen. So sei er halt, entweder ich komme damit klar oder nicht.
Ich schluckte alles runter und versuchte einfach alles, damit Harmonie herrscht.
Einmal zog ich ein Kleid an und darüber eine Jeansjacke, ich erinnere mich noch genau daran. Er schaute mich an und sagte "so gehe ich mit dir nicht raus", es würde richtig sch. aussehen. Ich würde nichts aus mir machen. Es hat mich wirklich so verletzt.

In letzter Zeit schien sich alles zu bessern. Ich muss aber auch zugeben, das ich mir einfach Mühe gab, ihn nicht zu verärgern. Aber seine ganzen Beleidigungen ("Behinderte, Bescheuerte, halt die Klappe, *beep" dich") habe ich zwar verziehen, jedoch nie vergessen. Konfrontiert auf sein Verhalten sagte er jedes mal, ich würde ihn ja dazu bringen so zu sein, weil ich ihn so wütend machen würde. Immer sobald er versöhnlich wird komme ich entgegen meiner Vernunft an wie ein kleiner bescheuerter Hund und verzeihe ihm alles (ohne, dass er sich dafür entschuldigt).

Hinzu kam in den letzten Monaten, dass ich mir immer mehr wünschte, für mich alleine zu sein. Alleine zu wohnen, niemandem hinterherräumen zu müssen, mich für nichts rechtfertigen zu müssen.
Im Juni erlitt ich dann einen Hörsturz, ich gehe davon aus, dass der ganze psychische Stress und mein ständiges Gedankenkarussell seinen Beitrag dazu geleistet hat. Wir standen kurz vor der Trennung weil ich es nicht mehr aushielt, meine Sachen waren gepackt und ich sollte gleich losfahren, um einen Mietvertrag zu unterschreiben. Dann kam er jedoch und wickelte mich wieder um seine Finger und ich war ihm wieder erlegen.

Ich habe immer wieder depressive Episoden, ich fühle mich so macht- und hilflos in meinem eigenen Leben. Als hätte ich keine Kontrolle und wäre einfach "ausgeliefert".
Und das, obwohl er in den letzten Monaten (bis auf heute) eigentlich wirklich gut zu mir war. Keine Beleidigungen, er war Aufmerksam, hat mir zugehört, war für mich da. Wirklich einfach liebenswürdig.
Abgesehen von kleinen Differenzen (einmal haben wir über unsere Vorstellungen von Erziehung gesprochen und waren da wirklich seeeehr unterschiedlicher Meinung. ) also "eigentlich" alles okay. Aber gut ging es mir trotzdem nicht.

Ich hatte die letzte Zeit (wie oben geschrieben) schlechte Laune und war einfach mies drauf. Als wir dann eine online Überweisung machen wollten, wollte ich alle Daten manuell Eintragen (zur Sicherheit), er hat dann darauf gedrängt den automatischen Vorschlag der Bank zu nehmen. Das habe ich dann gemacht, weil er schon wieder grantig wurde.
Es war dann falsch, und ich habe dann zu meiner Verteidigung gesagt, dass ich es ja manuell eingeben wollte (also somit Recht hatte). Plötzlich schreit er rum, ich soll aufhören rumzuzicken, meine Klappe halten und es einfach machen. Und was ich überhaupt für eine Laune hätte in letzter Zeit.
Dann hat er wieder den ganzen Tag nicht mit mir geredet, mich nicht beachtet als wäre ich nicht da (das hat er in Streitsituationen schon sehr oft gemacht. Er ignoriert mich dann, als wäre ich Luft, reagiert nicht auf Nachrichten). Am nächsten Tag ging ich sogar noch zu ihm hin (ich weiß, dass das eigentlich falsch ist, aber ich kann es einfach nicht aushalten) und wollte mich versöhnen.
Dann muss ich mir noch Vorwürfe anhören, ich würde mich wie eine Bescheuerte und Behinderte verhalten und ihm seine Laune verderben.

Heute kam dann der große Knall. Er hat mich angesprochen, was denn los sei.
Wieso ich so launisch wäre in letzter Zeit.
Ich habe ihm gesagt das ich mich nicht länger beleidigen lassen kann und das ich auch nicht glücklich bin in meinem Leben. Ich habe mich nicht getraut, ihm zu sagen, dass ich mich nach Freiheit und Ich-sein sehne.
Er meinte daraufhin, ich würde ihn ja unglücklich machen, es wäre meine Schuld, das er mich beleidigt, ich bringe ihn dazu, mache ihn so wütend. So will er nicht weitermachen wenn ich ihn so unglücklich mache. "Wie ein Zombie und Kamel ziehe ich jeden Tag meine Fresse".

Jetzt sitze ich hier und habe eigentlich das was ich wollte (die Trennung) und fühle mich trotzdem unendlich schuldig und schlecht. Als hätte es ja klappen können, wenn ich nur glücklich genug gewesen wäre. Als würde es an mir liegen, er hat sich ja lieb benommen in letzter Zeit, aber nichtmal damit war ich glücklich. Er hat sich süß verhalten, mir mit kleinen Geschenken eine Freude gemacht. Ich habe gemerkt das er mich wirklich liebt. Und jetzt habe ich seine Laune "durchtrieben" und er ist wieder so geworden.

Ich fühle mich einfach nur schuldig und schlecht.
Ich liebe ihn ja trotzdem und will einfach nur Harmonie . Aber ich merke, wie ich mehr und mehr kaputt gehe.

25.10.2020 14:34 • x 3 #1


Shakur

Shakur


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Liebe TE

Dadurch, dass du alles aufgegeben hast und ihn zu deinem Lebensmittelpunkt gemacht hast, wurdest du von ihm, seinen Launen und seiner Liebe abhängig.

Er wurde mit der Zeit immer respektloser und respektloser, weil er von dir keine Konsequenzen befürchten musste. Du hast für die Aussprache und für den Frieden gesorgt - hast immer den ersten Schritt gemacht. Menschen behandeln dich so, wie du dich behandeln lässt.

Was du nun dringend brachst ist Abstand, Ruhe und Freunde. Toxische Beziehungen hinterlassen Spuren. Lass dir Zeit zum Heilen und finde zurück zu dir. Blockiere ihn auf allen Kanälen. Sei dir mehr wert als das.

25.10.2020 15:09 • x 4 #2



Trennung nach 7,5 Jahren - Abhängigkeit&Schuldgefühle

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Eva88


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Liebe Rinchen,

dass du dich schuldig fühlst, bedeutet nicht, dass du wirklich Schuld hast.
Du hast gelernt klein beizugeben und einzustecken, um eine Scheinharmonie aufrecht zu erhalten. Schließlich hat auch er immer wieder gesagt, du seist für seine Ausraster verantwortlich. Das was du durchgemacht hast, nennt sich Emotionaler Missbrauch und dass was du im Moment empfindest sind die Folgen davon.
Dein (Ex)Freund ist zu vergleichen mit den gewalttätigen Männern, die den Frauen die Schuld daran geben, dass sie geschlagen werden. Und das Opfer sagt sich irgendwann auch: Ich muss einfach den Mund halten, dann hat er auch keinen Grund zu schlagen.
Jetzt stell dir deine Situation so vor, als hätte dein Ex dir, anstatt dich zu beleidigen, einfach jedes Mal wortlos eine Ohrfeige gegeben. Dann hätte er dich körperlich misshandelt. So hat er dich seelisch misshandelt und das wiegt nicht weniger.

Gib Acht auf dich. Du scheinst ein herzenswarmer gutmütiger Mensch zu sein. Verschwende diesen Charakter und diese tollen Eigenschaften nicht an einen Menschen, der sie nicht zu schätzen weiß und nicht verdient hat.

Auch wenn du es dir heute nicht vorstellen kannst, aber ohne ihn zu kennen bin ich mir 100% sicher, dass du und jede Andere ohne ihn besser dran ist.

25.10.2020 15:10 • x 6 #3


Löwin45

Löwin45


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Liebe rinchen
Wie definierst du eine gute funktionierende Partnerschaft auf Augenhöhe?
So?
Ganz sicher nicht!
Zitat von rinchen:
Und das, obwohl er in den letzten Monaten (bis auf heute) eigentlich wirklich gut zu mir war.

Nein, war er nicht!
Überlege dir Mal, warum du "eigentlich" benutzt.
Was heißt "gut zu dir"?
Du bist doch nicht sein Eigentum, zu dem er gut sein sollte.
Behandelt er dich wie seine gleichberechtigte Partnerin, die er wertschätzt und liebt?
Ganz ehrlich, geliebte Menschen, die man achtet und respektiert, beleidigt man nicht.
Und genau damit hat er kein Problem.
Mach dir bewusst, dass du ganz sicher NICHT diese Beleidigungen verdient hast.
Das zu behaupten, ist schon eine Frechheit von ihm.
Es ist respektlos und unverschämt.
Zitat von rinchen:
Als hätte es ja klappen können, wenn ich nur glücklich genug gewesen wäre.

Ist es deine Aufgabe glücklich für ihn zu sein?
Sollte das dann eine Belohnung für ihn sein?
"glücklich sein" ist ein Gefühl, das sich einstellt, wenn du eine glückliche liebevolle Partnerschaft auf Augenhöhe ohne Unterdrückung, Respektlosigkeiten und ständigen Vorwürfen erlebst.
War/ist es eine glückliche und gleichberechtigte Beziehung?
In meinen Augen nicht.
Kann man dann dieses Gefühl erzwingen?

Beide tragen die Verantwortung für eine gelingende Partnerschaft.
Dennoch liegt die Verantwortung für das eigene Glücklichsein in einem selbst.

Nun, wenn dich deine Partnerschaft nicht glücklich macht, dann ändere es.
Mach dich nicht zum Spielball deines Partners, der dich subtil manipuliert.
Zitat von rinchen:
Er meinte daraufhin, ich würde ihn ja unglücklich machen, es wäre meine Schuld, das er mich beleidigt, ich bringe ihn dazu, mache ihn so wütend. S

Vermutlich ist er tatsächlich nicht glücklich.
Aber, auch er ist für sein eigenes Glück zuständig und nicht du.
Zudem betreibt er auf perfide Art eine Schuldumkehr.
Versuche dich dem zu entziehen.

Die Erkenntnis dazu ist ein erster Schritt.
Kannst du dir weitere Unterstützung besorgen (Freunde, Familie...)
Zitat von rinchen:
Ich fühle mich einfach nur schuldig und schlecht.

Für was trägst du die Schuld?
Du trägst ganz sicher keine Schuld an seiner unkontrollierten Wut.
Dafür ist er ganz alleine verantwortlich.

Nochmal, lass es nicht zu, dass er dich auf diese infame Art versucht zu unterdrücken und zu manipulieren.

25.10.2020 15:20 • x 2 #4


Heffalump

Heffalump


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Zitat von rinchen:
Ich liebe ihn ja trotzdem und will einfach nur Harmonie . Aber ich merke, wie ich mehr und mehr kaputt gehe.

Egal, wie weit du dich verbiegst - es reicht nie!

Und du machst es über 7 Jahre mit, weil es wenige Momente gab - wo er nett wahr, oder?
Zitat von rinchen:
Um dies zu umgehen ließ ich den Kontakt zu meinen Freunden einschlafen.

Reaktivieren. Sag Ihnen, das er dich manipuliert hat, du damals jung + grün hinter den Ohren warst - dir sowas nie mehr passiert
Zitat von rinchen:
Ich schluckte alles runter und versuchte einfach alles, damit Harmonie herrscht

Harmonie erreicht man nicht, indem man sich fügt, sondern das man sich behauptet.
Zitat von rinchen:
Er meinte daraufhin, ich würde ihn ja unglücklich machen, es wäre meine Schuld, das er mich beleidigt

Klassische Schuldumkehr, jedes Wort gelogen - glaub ihm nichts! Er wollte dir extra noch eine reinwürgen
Zitat von rinchen:
fühle mich trotzdem unendlich schuldig und schlecht.

du bist weder schuldig noch schlecht. Kannst du zurück zu den Eltern? Dort weiter studieren?

25.10.2020 15:29 • x 1 #5


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Liebe TE,
hier nur mal in aller Kürze ein paar Kommentare zu Deinem sehr berührenden Beitrag:

Zitat von rinchen:
Ich zog für ihn 250km von meiner Heimatstadt weg, zog von meinen Eltern direkt zu ihm und fing an, in seiner Stadt zu studieren.

Lass mich raten: Das war wahrscheinlich auch schon eher sein statt Dein Wunsch - oder?
Aus der Entfernung kann man jemanden schlechter kontrollieren.

Zitat von rinchen:
Von meinen Freunden distanzierte ich mich, denn er hinterfragte es jedes Mal, wenn ich bei ihnen war und es fanden darüber Diskussionen statt. Um dies zu umgehen ließ ich den Kontakt zu meinen Freunden einschlafen.

Isolation des Opfers von seinem bisherigen sozialen Umfeld. Ebenfalls eine sehr effektive Kontrollstrategie.

Zitat von rinchen:
Im Laufe der Beziehung fanden immer wieder Situationen statt, in denen ich mir hätte sagen sollen: STOPP! Aber ich tat es nicht.

Und warum?

Zitat von rinchen:
und ich die angegebene Uhrzeit um eine! Minute überschritt, legte er los und fing an zu wüten, wurde beleidigend.

Du hast seine Regeln nicht beachtet. So reagieren Menschen mit narzisstischen Zügen, wenn sie nicht so behandelt werden, wie es ihnen Kraft ihrer Wassersuppe zusteht. Die Verspätung war Majestätsbeleidigung.

Zitat von rinchen:
Auf Kritik gegenüber seiner Fahrweise (viel zu dichtes Auffahren, Drängeln, einfach gefährliches und unvorsichtiges Fahren) wurde er wieder beleidigend, entweder ich solle das alles so akzeptieren oder mich verpissen. Genau so mit seinen Beleidigungen.

Kritik wird sofort mit Abwertung geahndet und zwar aus der untersten Schublade. Je unsicherer der Typ, umso wilder die Beleidigungen.

Zitat von rinchen:
So sei er halt, entweder ich komme damit klar oder nicht.

Ich-synton. Mehr braucht man da nicht zu sagen.

Zitat von rinchen:
Ich muss aber auch zugeben, das ich mir einfach Mühe gab, ihn nicht zu verärgern.

Also ist es gar nicht so sehr sein Verdienst, sondern Deiner?

Zitat von rinchen:
Konfrontiert auf sein Verhalten sagte er jedes mal, ich würde ihn ja dazu bringen so zu sein, weil ich ihn so wütend machen würde.

Ich rieche Gas, ordentlich Gas ...

Zitat von rinchen:
Immer sobald er versöhnlich wird komme ich entgegen meiner Vernunft an wie ein kleiner bescheuerter Hund und verzeihe ihm alles (ohne, dass er sich dafür entschuldigt).

Emotionale Abhängigkeit - er hat(te) Dich in der Hand. Wenn er pfeift, springst Du. So soll das ja auch in seiner Welt sein.

Zitat von rinchen:
Hinzu kam in den letzten Monaten, dass ich mir immer mehr wünschte, für mich alleine zu sein. Alleine zu wohnen, niemandem hinterherräumen zu müssen, mich für nichts rechtfertigen zu müssen.

Da hat der Schmerzkompass doch schon ganz ordentlich ausgeschlagen - oder? Was hat Dich abgehalten, das auch zu tun?

Zitat von rinchen:
Im Juni erlitt ich dann einen Hörsturz, ich gehe davon aus, dass der ganze psychische Stress und mein ständiges Gedankenkarussell seinen Beitrag dazu geleistet hat.

Stress geht auch aufs Innenohr - das gibt Tinnitus oder Hörsturz, so richtig psychosomatisch. Da hat Dir Dein Körper auch schon eine sehr deutliche Antwort gegeben.

Zitat von rinchen:
Wir standen kurz vor der Trennung weil ich es nicht mehr aushielt, meine Sachen waren gepackt und ich sollte gleich losfahren, um einen Mietvertrag zu unterschreiben. Dann kam er jedoch und wickelte mich wieder um seine Finger und ich war ihm wieder erlegen.

Geht ja auch gar nicht - ob Du Dich trennst oder ausziehst, entscheided alleine er.

Zitat von rinchen:
Ich habe immer wieder depressive Episoden, ich fühle mich so macht- und hilflos in meinem eigenen Leben. Als hätte ich keine Kontrolle und wäre einfach "ausgeliefert".

Das ist genau die Art von Macht und Kontrolle, die solche narzisstischen Menschen brauchen.
Wahrscheinlich hast Du auch schon angefangen, an Deiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, weil er Dir ja die Welt erklärt hat?

Zitat von rinchen:
Und das, obwohl er in den letzten Monaten (bis auf heute) eigentlich wirklich gut zu mir war. Keine Beleidigungen, er war Aufmerksam, hat mir zugehört, war für mich da. Wirklich einfach liebenswürdig.
Abgesehen von kleinen Differenzen (einmal haben wir über unsere Vorstellungen von Erziehung gesprochen und waren da wirklich seeeehr unterschiedlicher Meinung. ) also "eigentlich" alles okay. Aber gut ging es mir trotzdem nicht.

Der verhinderte Ausstieg war ein Schuss vor den Bug und darum musste jetzt eben mal schnell von Peitsche auf Zuckerbrot umgeschaltet werden. Vorsicht - sowas ändert sich ganz schnell wieder, sobald Du eine eigene Meinung entwickelst oder ihn kritisierst.

Zitat von rinchen:
Dann hat er wieder den ganzen Tag nicht mit mir geredet, mich nicht beachtet als wäre ich nicht da (das hat er in Streitsituationen schon sehr oft gemacht. Er ignoriert mich dann, als wäre ich Luft, reagiert nicht auf Nachrichten).

Auch das können narzisstische Menschen sehr gut. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und damit mein Feind, der entweder niedergemacht oder ignoriert wird. Glaub mir, der Junge weiss selbst sehr genau, wie schlimm das ist, keine Aufmerksamkeit und Bestätigung zu kriegen.

Zitat von rinchen:
Am nächsten Tag ging ich sogar noch zu ihm hin (ich weiß, dass das eigentlich falsch ist, aber ich kann es einfach nicht aushalten) und wollte mich versöhnen.

Spätestens dann hätte das Maß definitiv voll sein müssen - oder?

Zitat von rinchen:
Einmal zog ich ein Kleid an und darüber eine Jeansjacke, ich erinnere mich noch genau daran. Er schaute mich an und sagte "so gehe ich mit dir nicht raus", es würde richtig sch. aussehen. Ich würde nichts aus mir machen. Es hat mich wirklich so verletzt.

Er alleine entscheidet, ob Du vorzeigbar bist. Du hast nur dazustehen und gut auszusehen. Ansonsten kannst Du zu Hause bleiben.

Zitat von rinchen:
Er meinte daraufhin, ich würde ihn ja unglücklich machen, es wäre meine Schuld, das er mich beleidigt, ich bringe ihn dazu, mache ihn so wütend. So will er nicht weitermachen wenn ich ihn so unglücklich mache. "Wie ein Zombie und Kamel ziehe ich jeden Tag meine Fresse".

Und schon wieder ordentlich Gas. Natürlich sind immer die anderen Schuld - er hat nix falsch gemacht, Du hast ihn provoziert, der ja sonst die Ruhe in Person ist.

Zitat von rinchen:
Als würde es an mir liegen, er hat sich ja lieb benommen in letzter Zeit, aber nichtmal damit war ich glücklich. Er hat sich süß verhalten, mir mit kleinen Geschenken eine Freude gemacht. Ich habe gemerkt das er mich wirklich liebt. Und jetzt habe ich seine Laune "durchtrieben" und er ist wieder so geworden.

Jetzt hör mir mal gut zu: Du bist nicht das Ar....loch in diesem Spiel! Diese Gedanken sind das Ergebnisse seiner zahlreichen Manipulationen. Er hat erfolgreich große Teile Deines Selbstsystems gekapert und Dich ferngesteuert. Du hast keinen Anlass, Dich hier irgendwie schuldig zu fühlen. - Ok?

Zitat von rinchen:
Ich fühle mich einfach nur schuldig und schlecht.
Ich liebe ihn ja trotzdem und will einfach nur Harmonie . Aber ich merke, wie ich mehr und mehr kaputt gehe.

Dieser Kerl, die in seinem Innern eigentlich auch nur ein kleines unsicheres und vernachlässigtes Kind ist, tut Dir definitiv nicht gut.- Bleib standhaft, halt Dich von ihm fern und komm wieder zu Dir selbst. Damit tust Du Dir den weitaus größten Gefallen.

Und: Natürlich hat es auch Gründe für diese Entwicklung gegeben, die in Deiner Person liegen - also z.B. warum Du Dir das alles hast so lange gefallen lassen. Das ist dann die Hausaufgabe, wenn es Dir wieder besser geht. Jetzt schau erstmal, dass Du wieder Du selbst wirst. - Viel Glück und alles Gute!

25.10.2020 15:36 • x 11 #6


rinchen


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Hallo ihr Lieben,
ich danke euch vielmals für eure Beiträge. Es tut gut ernst genommen zu werden und es berührt mich, dass sich jemand Fremdes Zeit für mich nimmt und versucht, mir zu helfen.
Denn eure Nachrichten tun einerseits sehr weh, da ihr genau Recht habt. Auf der anderen Seite bin ich jedoch auch dankbar, da ich damit ein Stück für Stück auf den richtigen Weg gebracht werde.

Ich weiß, dass ich mich viel zu sehr von ihm abhängig gemacht habe. Ich war wirklich blöd und naiv, aber auch so sehr verliebt. Deswegen bin ich einfach so lange geblieben. Ich glaubte Liebe kann alles lösen und es wäre ja "alles nicht so schlimm". Mittlerweile, wenn ich mich an die ganzen Dinge zurückerinnere, frage ich mich selber, wie ich das mit mir machen lassen konnte. Ich würde gerne die Jahre zurückreisen und mich packen und schütteln und rufen "lauf weg!".
Ich habe versucht, mir in letzter Zeit einfach immer weniger gefallen lassen. Themen, die ich früher einfach geschluckt hätte, habe ich versucht auszudiskutieren. Das hat ihm natürlich nie gefallen. Und er hat oft gesagt, ich hätte mich verändert, im Gegensatz zu früher. Ich "zicke rum", und wäre "bescheuert geworden". Früher war ich eine lebenslustige, fröhliche und lebensbejahende junge Frau, aber er hat es geschafft diese Eigenschaften unter Unsicherheit, Zweifel und Angst zu begraben.

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe war das nie, du hast Recht. Genau das war es auch, was ich ihm während der letzten "beinahe Trennung" versucht habe, mitzuteilen. Dass ich stets mein Leben um seins herum bauen muss, dass immer nur er wichtig ist und es nur um seine Bedürfnisse geht. Dass ich dabei auf der Strecke bleibe und mich selber verliere. Ich glaube er hat das nie verstanden.

Die Aufgabe, von ihm loszukommen und ihn loszulassen scheint für mich momentan noch unüberwindbar. Aber dieses jahrelange Hadern mit mir selbst, Zerdenken von Situationen hat mich einfach unglaublich müde gemacht und zermürbt. Ich kann das nicht mehr und will einfach, dass das aufhört.
Ich habe sogar schon daran gedacht, mir therapeutische Hilfe zu suchen.. Werde ich dort überhaupt ernst genommen? "Reicht" das, um eine Therapie anzufangen?

Morgen werde ich erst einmal zu meinen Eltern fahren. Arbeiten kann ich momentan leider sowieso nicht, ich habe mir (als wäre es nicht eh schon schlimm genug alles) leider blöderweise am Wochenende den Zeh gebrochen und bin daher etwas eingeschränkt im Moment. Zum Glück habe ich ein Auto mit Automatikgetriebe..
Wenn ich dort bin werde ich mich um Wohnungsbesichtigungen bemühen. Wir leben ja noch zusammen, und ihm in der Wohnung aus dem Weg zu gehen ist etwas schwer. Zum Glück arbeite ich mittlerweile festangestellt und habe mein eigenes Einkommen. Ich bin froh, zumindest in dieser Hinsicht nicht von ihm abhängig zu sein.

Ich danke allen die sich das durchgelesen haben.

25.10.2020 17:45 • x 2 #7


Heffalump

Heffalump


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Zitat von rinchen:
Früher war ich eine lebenslustige, fröhliche und lebensbejahende junge Frau, aber er hat es geschafft diese Eigenschaften unter Unsicherheit, Zweifel und Angst zu begraben.

Und nun holst du dir das wieder zurück. Niemand ist es wert, das man sich um 180° dreht.

Wenn Frankenstein jemanden kennenlernt, ihn verformt und dann behauptet, das ihm das Ergebnis nicht gefällt - wessen Schuld ist es dann? Und warum hat Frankenstein Dich dann "aufgerissen" - wenn ihm dein Ich-Sein schon anfänglich nicht genug gefiel um dich mit Manipulation so zu ändern - das es zu seinen Socken passt

25.10.2020 17:50 • x 2 #8


jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von rinchen:
Ich habe sogar schon daran gedacht, mir therapeutische Hilfe zu suchen.. Werde ich dort überhaupt ernst genommen? "Reicht" das, um eine Therapie anzufangen?

Für ne Anpassungsstörung reicht es, nach allem, was ich gelesen habe - 25 Stunden Kurzzeittherapie sind dann schon drin.

25.10.2020 17:52 • x 1 #9


rinchen


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Wie kann ich standhaft bleiben?
Alles in mir möchte sich zu ihm wenden, ihn in der Arm nehmen und einfach "alles wieder gut" spüren. Wie schaffe ich es, diesem Drang zu widerstehen, ihn wieder nah zu lassen?

Ich bin gerade bei meinen Eltern. Aber ich vermisse ihn so sehr und wenn er mich jetzt anschreiben würde, könnte ich für nichts garantieren... Dabei möchte ich das alles nicht. Ich weiß, dass er mir nicht gut tut und mir für die Zukunft nur schadet. Es ist schrecklich. Ich fühle mich so ausgeliefert und bestimmt.

26.10.2020 22:26 • #10


rinchen


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Ich hätte niemals gedacht, dass es so schwer sein wird ohne dich.
Ich fühle mich ohnmächtig und unfähig, lebenslos und machtlos. Wie soll das eigentlich gehen, ohne dich?

26.10.2020 22:37 • x 1 #11


LillyP


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Zitat von rinchen:
Wie kann ich standhaft bleiben?

Mir hat es sehr geholfen, es wie einen Dro.entzug zu sehen. Es ist hart. Ich war im März tief drinnen. Es wird besser und du schaffst es, auch wenn man es eine Zeit nicht sehen kann.

26.10.2020 22:43 • x 1 #12


Eva88


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Ich sage mir immer wieder, dass er mir nicht gut tut und erinnere mich an die gemeinen Worte und Taten, die mich so verletzt haben.

Es ist halt wie ein Horrorfilm, wo das Opfer die Stufen zum Keller runtergeht und mit jedem Schritt denkt man als Zuschauer: Nicht weiter gehen, nicht weitergehen! Und das sagen wir dir hier auch. Und du solltest es dir auch sagen.

26.10.2020 22:50 • x 1 #13


Emma75

Emma75


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Zitat von rinchen:
Ich bin gerade bei meinen Eltern.

Bleib dort noch eine Weile und schilderte ungeschönt, wie er mit Dir umgegangen ist. Es ist wichtig, durch die Erzählung Deiner Erlebnisse Deine Wahrnehmung wieder zurecht zu rücken. Denn die hat er völlig verdreht und Dir ständig die Schuld an seinem unmöglichen Verhalten gegeben. Blockiere ihn auf dem Handy und antworte nicht mehr. Er wird versuchen, Dich wieder einzuwickeln und weil er Dich lange kennt, weiß er auch auf welche Knöpfe er dafür drücken muss. Sorge dafür, dass Du Dir dieser Knöpfe bewusst wirst und sie ihm nicht mehr zugänglich machst. NO KONTAKT. Bis Du einigermaßen stabil bist und zumindest Organisatorisches (am Besten über dritte) klären kannst. Schütze Dich vor ihm!

26.10.2020 22:55 • x 3 #14


Lebensfreude

Lebensfreude


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alleine kommste da nicht raus. Aber mit Hilfe Deiner Familie.
Mir hat meine Familie geholfen.
Ich hatte auch keine Freundinnen mehr.

26.10.2020 22:58 • x 1 #15



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