Zitat von Staropramen:In der Großfamilie lernst du von Anfang an Rücksichtnahme und Verantwortung, sich gegenseitig unterstützen usw.
Mh, aber wo ist die Grenze zw. Rücksichtnahme und sich dauerhaft verstellen müssen, sich verbiegen müssen. Für mich persönlich bedeutet Familie: Mund halten, Mund halten, Mund halten, sei ruhig, nicht jetzt, das war schon immer so...Familie bedeutet für mich, keine eigenen Gedanken, Werte und Erfahrungen aufbauen zu dürfen, nicht ich selbst sein zu können und und und...
Diese Pauschalisierungen hier finde ich echt irre! Familie ist so und so...die Wegwerfgesellschaft ist so und so...es wimmelt hier nur so von Allgemeinplätzen, furchtbar. Geht es vielleicht auch mal ein bisschen weniger pauschalisierend? Nicht jeder hat das Glück, in einer stabilen Familie groß zu werden und nicht jeder hat das Glück, in einer liebevollen Familie groß zu werden und nur weil Papi und Mami soo schön lange zusammen sind, muss das nichts Gutes sein. Das sind doch keine Werte an sich: Zeit als Messlatte für die Qualität einer Beziehung zu nehmen ist einfach sinnfrei. Da muss man sich offenbar schon von au0en nach innen langhangeln, denn es ist doch anders herum: wenn eine Partnerschaft läuft, mit allem Drum und Dran, dann hält sie auch.
Aber hier wird versucht das Pferd von der anderen Seite aufzuzäumen: oh, nichts hält mehr...die Leute (ihr seid auch die Leute) sind so oberflächlich, so vergänglich, so so so und so geworden. Ihr könnt doch alle hier jeder nach seiner Fasson nach den eigenen Idealen leben! Wieso muss man die anderen immer mit einer gewissen Großkotzigkeit vor die Füße rotzen nach dem Motto: Wer lange zusammen ist mit jemandem, der ist ein besserer Mensch, führt ein besseres Leben und du solltest das auch so machen und wenn du das nicht machst, dann stimmt was mit dir nicht. Sorry, aber das ist sowas von mittelalterliches Denken: rückständig, intolerant und offenbart, dass das eigene Leben eben nicht so vollkommen glücklich und schönd und und und ist...denn nur wer nicht zufrieden mit sich ist, denkt, anderen sagen zu müssen, was für sie richtig und falsch ist.
Ich persönlich käme nie auf die Idee hier jemandem zu sagen, dass etwas mit ihm nicht stimmt, nur weil nach einigen Jahren Beziehung die Luft raus ist und man sich ggf. nichts mehr zu sagen hat. Lebt doch euer Leben. Wenn ihr dann weiterhin in dieser Beziehung sein wollt, daran arbeiten (woran denn? Dass die Luft raus ist...?), dann macht das. Aber können wir uns hier bitte auch mal darüber einigen, dass es hier Meinungen gibt die zu akzeptieren sind und nicht nur Menschen, die aufgrund ihres Lebensweges, ihrer Erfahrungen und und und ihre eigenen Entscheidungen treffen und kann man das nicht auch mal akzeptieren, ohne zu werten?
Ist das zu viel verlangt in der heutigen Zeit?
Das musste jetzt wirklich mal raus. Und ganz ehrlich: Aus meiner Sicht, sind die "für immer und ewig Leute" die, die es sich ganz besonders gern bequem machen in einer Beziehung. Es erfordert schon ein bisschen was an Anstrengung, wenn man sich auf einen neuen Partner einlässt. Man wird ja auch immer wieder anders gespiegelt. Egal, ich hör jetzt auf. Ich glaube, dass hat keinen Sinn. Der Thread ging um Liebe und was wird draus gemacht: Schade, dass man die Liebe nicht mehr vertraglich dingfest machen kann wie früher und überhaupt: Früher war alles besser?
Noch was aus dem Nähkästchen: Meine Omi war mit meinem Opi weit über 50 Jahre verheiratet. Ein schönes Paar, meistens sehr liebevoll, nie wirklichen Streit, Arbeitsteilung und und und...die beste Ehe, die ich als Kind je gesehen habe, von außen. Nach dem Tod meines Opis sagt Omi zu mir: Den Mann, den ich damals so geliebt habe, durfte ich nicht heiraten...und ich liebe ihn noch immer! So, da habt ihr eure Ehe, die ewig hält und Liebe, die auch ein Leben lang hält...will man sowas, ja? Ich nicht. Für die Fassade leben finde ich ganz persönlich erbärmlich.