Hat das Warten und Loslassen überhaupt Sinn ?

j.p.

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Hallo an alle,
ich habe bereits zwei Beiträge mit meiner Geschichte hinterlassen und auch viele andere gelesen. Ich möchte jetzt mal eine neue Diskussion anregen.

Und zwar frage ich mich seit einigen Tagen, ob das Loslassen des Expartners und das Warten und dabei seinen eigenen Weg nicht aus den Augen verlieren, überhaupt einen Sinn macht ?

Wenn man verlassen wurde, weil der Partner keine Kraft mehr für die Beziehung hatte, oder sich seiner Gefühle nicht mehr so sicher war, um an der Beziehung festzuhalten, oder es so viele Streits gab, dass man glaubt, hier keine Lösungen mehr zu finden, wie kann man dem Menschen irgendwann überhaupt wieder vertrauen lernen ? Wer einfach aufgibt, obwohl man sich einmal für die Beziehung/Ehe und die Liebe zum anderen entschieden hat, weil sich einem Komplikationen in den Weg stellen - welcher Art auch immer - kann man da wieder neues Vertrauen fassen lernen ?

Ich frage mich das jetzt die ganze Zeit, weil sich für mich selbst halt langsam auch die Frage stellt, ob ich ihn überhaupt noch als meinen Beziehungspartner zurück haben möchte, weil ich Angst hätte, dass er immer wieder weglaufen würde, wenns schwierig wird und ich Angst hätte, kein Vertrauen mehr fassen zu können. Und ohne Vertrauen macht das ganze wenig Sinn, oder ?

Vielleicht habt Ihr hier selbst Meinungen oder Erfahrungen ?!

Viele Grüsse
Jacki

03.09.2002 12:46 • #1


Catrin

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Hallo Jacki,
mir geht's im Moment auch so wie dir. Wir haben öfter mal Streit (den man klären kann, denn wenn zwei ständig einer Meinung sind, ist einer zuviel.. 8)), zuletzt einen Mordsstreit. Er flüchtet dann, redet nicht mehr, will zurückgebettelt werden und als highlight ist er jetzt gleich mal für ein paar Tage aus meinem Leben verschwunden. Kann ich nicht brauchen so ein Verhalten. Die Dinge schreien nach Klärung. Dann kommt er zurück, will mit mir "in die Kiste" springen und alles ist wie vorher? Neee, nicht mit mir. Flüchten bringt ja eh nichts. Die Probleme flattern alle mit hinterher, egal wohin man fährt. Ich finde das unreif.
Ich habe mich natürlich nicht gemeldet, war nicht leicht, aber es ging. Seit gestern ist er wieder "aufgetaucht", schickte SMS und rief an. Er will mich unbedingt sehen, die letzten Tage wären höllisch gewesen...etc...nun ja, es war SEIN Wille, mal kurz in die Hölle zuschauen. Ich habe mir inzwischen eine dicke Mauer um mich herumgebaut. Ob er es schafft, sie einzureißen? Mitleid? Nein, ist keine Basis für eine Beziehung. Ist nur eine Frage der Zeit, wann es kaputtgeht.

Viele Grüße
Catrin

04.09.2002 09:10 • #2


Dom

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Hallo j.p.!

Sehr gute Frage! Ist wohl auch nicht ad hoc zu beantworten, denke ich. Vielleicht gibt es hier auch nicht „die“ Lösung, sondern jeder soll für sich herausfinden, ob es eine Möglichkeit gibt...

Was mich betrifft, so muss ich klar folgendes antworten: „NEIN“!

Es gaben keine Streits, weil halt keine Kommunikation mehr stattfand. Es gab keine Differenzen, weil man sich nicht mehr mitteilte. Es gab lediglich eine Ebene des – so möchte ich es jetzt nennen – „Cohabitierens“...

Vertrauen ist etwas sehr delikates. Es ist schwer zu erhalten, leicht zum beben zu bringen, noch leichter zum Fall zu bringen. Ist es einmal zu Boden gegangen, ist ein Aufstehen nur unter sehr bestimmte Voraussetzungen denkbar. Und diese Voraussetzungen sind deswegen schon nicht erfüllt, weil eines der „Partner“ aufgab, anstatt sich dem Kampf zu stellen. Es bleibt immer der bittere Geschmack des Zweifels zurück. Nun: Vertrauen und Zweifel... Passt irgendwie nicht ganz zusammen!
Vertrauen heißt nicht, keinen Fehler machen. Es heißt vielmehr genug Achtung vor dem Partner zu haben, genug Respekt und Aufrichtigkeit zu haben, zu wissen, dass man auch über sg. Fehler miteinander sprechen kann und soll. Vertrauen heißt auch verzeihen können, wenn die Aufrichtigkeit gegeben ist...
Liege ich da etwa falsch?

Viele Grüße vom

Dom

04.09.2002 11:53 • #3


Ehemaliger User

Hallo j. p.
wie gut kann ich das verstehen. Die Vertrauensfrage hat es ganz schön in sich. Wenn ein Mensch Dir geschworen hat, in guten wie in schlechten Zeiten bei Dir zu sein, und Dich dann verlässt, weil die guten Zeiten schon etwas zurückliegen, wie kann man da wieder Vertraunen fassen.
Vielleicht ist es auch eine Charakterfrage. Wenn dieser Mensch bereit ist zu gehen, wird er es immer wieder sein, es sei denn, er verändert grundlegend seinen Charakter (sofern das überhaupt möglich ist) und die Frage, ob er dann noch der Mensch ist, den man liebte, ist auch noch zu klären.
Da ich verheiratet bin ist es auch für mich die Frage, wie ich zu meinem Wort stehe, solange z. B. keine Trennung endgültig ausgesprochen und vollzogen ist. Bin ich dann bis zum Scheidungsurteil an mein Wort gebunden? Schwer vorstellbar.
Was also ist eine angemessene Frist, um jemand die Rückkehr zu ermöglichen und was sind die Maßstäbe, die an eine solche Rückkehr anzulegen sind.
-- Kleiner Einschub: ich wüßte übrigens gern mal, wieviele von den Paaren, die Kai Pflaume wieder zusammengebracht hat, noch immer zusammen sind. --
Dies j.p. ist meine erste Erfahrung (und geb es Gott, die letzte), so kann ich nur sagen, daß mein Gefühl mit dem Verstand kämpft und ich die Vertrauensfrage noch immer nicht abschließend beantwortet habe.
Schöne Grüße
Frank
(Nordlicht)

04.09.2002 13:35 • #4




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