In der Therapie konnte ich bisher anschauen, woher diese Gedankenmuster kommen. Ist natürlich sehr schwer und aufwühlend, weil man da direkt in der Kindheit landet und das, was ich durch meinen Vater erlebt habe.
Als Kind musste ich mich praktisch immer anpassen, um zu überleben. Konnte eigene Bedürfnisse nie äußern, zumindest nicht in Gegenwart meines Vaters. Er hat mich bereits seit Kindergartenalter dazu benutzt, um seine Eifersucht gegenüber meiner Mutter zu stillen. Um an Informationen zu kommen. Mich ausgehört. Da reichte es, wenn ein fremdes Auto vor der Wohnung meiner Mutter stand. Seine Wut, ließ er dann häufig an mir aus. Als Kind wusste ich das natürlich nicht einzuordnen. Hatte permanent Angst vor ihm. Das ging über mehrere Jahre so, bis wir (ich lebte bei meiner Mutter) aus der Stadt auszogen und mein Vater ein gerichtliches Verbot hatte, sich meiner Mutter zu nähern.
Ich als Kind spielte meistens eher die Nebenrolle. Davor musste ich alle 2 Wochen zu meinem Vater am Wochenende, das war gerichtlich so geregelt. Leider hört beim Gericht kaum einer das Kind wirklich an, bzw. was dieses will.
Ich war im Umgang mit Gleichaltrigen nach dem Kindergarten praktisch nicht mehr in der Lage, Freundschaften aufzubauen und verbrachte meine Jugend mehr oder weniger alleine. Die ersten depressiven Anzeichen, kamen mit 14 Jahren. Seit dem begleiten diese mich.
Ich habe mich immer nach Freunden oder auch den ersten Freund gesehnt. Ich sage es euch auch ehrlich. Ich bin jetzt 26 Jahre alt. Wenn ich vor einem Supermarkt eine Gruppe Jugendlicher stehen sehe, wie die Spaß miteinander haben, kommen mir bis heute die Tränen. Nicht, weil ich diesen das nicht gönne, sondern weil ich es selbst nie erlebt habe.
Als ich 20 wurde, fing ich das erste Mal mit den ‚Dating-Apps‘ an. Völlig naiv und keine Ahnung von irgendwas, stieß ich direkt auf einen Mann, der mir das Blaue vom Himmel erzählte, um mich ins Bett zu bekommen. Hernach sagte er dann, wie ich diese sche*sse denn ernst nehmen konnte.
Danach ging es meistens im selben Muster weiter. Man schrieb. Traf sich. Es kam nicht zu einer Beziehung. Letztes Jahr, kam es zum ersten Mal dazu und diese zerbrach schließlich, auch wenn ich ihn anbettelte, mir doch erstmal die Zeit in der Klinik zu geben. Für ihn war ich dann jedoch gestorben, Weil es ihm zu anstrengend war.
Ich falle schnell auf schöne Worte hinein. Das ist auch mein Problem. Daher die Angst, vor dem neuen Mann. Am Anfang bekomme ich häufig gesagt, dass man meine Angst sogar ‚süß‘ findet. Bis man halt wirklich merkt, was diese Angst beinhaltet oder wie schwer es ist, damit umzugehen.
Es waren einfach Erfahrungen dabei, die mich nachhaltig geprägt haben. Ich traf vor 2 Jahren zum Beispiel einen Mann, mit dem schrieb ich kaum. Wir gingen was essen und nach einer Stunde verglich er mich mit einem Film, wo die Charaktere keine Emotionen haben. Dass ich super da rein passen würde. Er fragte mich, was meine Ziele im Leben sind, ich antwortete und er unterbrach mich mit den Worten, Dass ich im Leben doch bestimmt nicht glücklich sein könnte.
Das hat extrem gesessen, bis heute. Obwohl ich diesen Menschen kaum kannte. Auch ein anderer meinte, dass ich eine geisteskranke Person sei, ich schon merken werde, wie mich Männer meiden werden, nachdem ich nicht so warmherzig reagierte, wie er das wollte.
Bei der Person, mit der es zur Beziehung kam, konnte ich praktisch von Anfang an nicht glauben, dass er mich wirklich mag. Hübsch findet. Lustig findet. Wiedersehen will. Ich war ständig im Gedankenkarussel gefangen und brachte dies nach außen.
Eine ambulante Therapie habe ich in den letzten 3 Jahren leider bisher nicht gefunden. Viele führen kaum mal Wartelisten oder man muss Monate auf einen Platz warten oder man hört nie wieder etwas. Mir ist bewusst, dass ich eigentlich eine langjährige Traumatherapie benötige.
Und ja.. Die Sehnsucht nach einem Partner, ist natürlich da. Der mit mir diesen Weg geht. Den ich lieben kann, der mich liebt und etwas in mir sieht.
Ich sehe schon auch gute Qualitäten in mir. Ich liebe Tiere. Ich bin sehr emphatisch und kann Menschen schwer leiden sehen. Ich versuche mir meine innere Verzweiflung oft nicht ansehen zu lassen, achte auf mein Auftreten. Mein Aussehen. Habe Werte und Wünsche. Mir ist Ehrlichkeit und Kommunikation sehr wichtig und versuche dies zu leben.
Es ist einfach sehr schwer, jemanden zu finden, der bleibt.