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Histrionische Persönlichkeitsstörung in Beziehungen?

tamtam

tamtam


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Hallo ihr Lieben,

wie ich ja schonmal geschrieben habe, leide ich selber an einer Persönlichkeitsstörung von Typ Borderline.

Ich muss hier mal eine Lanze für Betroffene brechen: Wir haben uns das nicht ausgesucht. Gerade wenn eine Krankheitseinsicht besteht, kämpfen wir stark dagegen. Ich versuche oft sogar, Leute davor zu schützen.

Ich habe meinem Ex-Partner nach drei Wochen von meiner Krankheit erzählt. Ich habe ihn gebeten, zu lesen, sich Unterstützung zu holen. Seine Antwort war immer die selbe: Wir müssen es schaffen als Paar ganz individuell damit umzugehen. Das stimmt aber nicht. Menschen mit Persönlichkeitsstörungen haben Verhaltensmuster die sie durchbrechen müssen. Dabei können Partner helfen (u.a. in dem sie sich nicht auf die Spielchen einlassen).

Ja, wir dürfen anderen nicht weh tun. Ich tue es manchmal aber nicht weil ich ein böser Mensch bin. Ich habe in den vergangenen Jahren viel über mich gelernt, ich habe eine Therapie angefangen.

Mann muss sich entscheiden ob man mit jemanden, der so krank ist zusammen sein will (wie auch mit einem Rollstuhlfahrer, etc.) Wir sind in unseren Gefühlen, in unserem Denken eingeschränkt aber wenn wir an uns arbeiten haben wir auch die Chance auf ein gutes Leben. Dafür brauchen wir einen Partner, der unsere Krankheit kennt und sie nicht (und oft aus dem allerbesten Absichten) verschlimmert.

Mein Ex wollte mich retten ... damit hat er uns beide kaputt gemacht, weil er voll auf meine Ticks eingegangen ist. Das fiese dabei ist, dass dadurch selbst mir schlechter ging.

Ich dachte er ist stark genug aber das war er nicht. Nicht für mich. Jetzt bin ich selber und alleine stark für mich, wahrscheinlich der beste Weg.

Es tut mir leid, was ich ihm angetan habe aber es war nie aus böser Absicht. Ich hoffe er kann mir irgendwann verzeihen.

11.01.2015 22:19 • #16


saxana


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Liebe mrs. Hyde,
Liebe tamtam,

Ich bin sprachlos über so viel mut, ehrlich zu euch zu stehen! Alle hochachtung!

Ja, ich weiß, dass ihr das nicht wollt und ja, ich weiß, dass ihr im grunde sehr liebenswerte menschen seid.
Etwas schlimmes (muss ja nicht gleich missbrauch sein) ist euch widerfahren, so dass ihr zunächst nur dieses handlungsschema gelernt habt. Ihr wurdet nicht geliebt um eurer selbst willen, sondern nur, wenn ihr euch so gegeben habt, wie man euch sehen wollte. Und liebesverlust von einer sehr frühen bezugsperson ist nunmal ein gemeiner verrat an der kinderseele. Mit schlimmen folgen.
Selbstverständlich habt ihr nicht gleich bei der geburt gebrüllt: ich will, dass du mich schei. behandelst. Ich will mal darunter leiden: unter der unsäglichen angst, von liebe verlassen zu werden.

Mein ex hatte einen mix aus histrionik und borderline. Ich hab gelesen, was das zeugs hält. Ja, ich habe seine art zu denken und zu handeln sehr wohl verstanden. Aber ich habe mich dabei so sehr vergessen, dass ich nicht nur psychisch, sondern auch physisch am ende meiner kräfte war. Er hatte nichts eingesehen und wollte sich auch keine externe hilfe holen.
Und so lief ich langsam leer...

Ich würde mich über einen regen austausch sehr freuen, damit ich noch besser verstehen kann und damit ich euch vielleicht in diesem geschützten anonymen rahmen erklären kann, wie man einiges als nichtbetroffene versteht, wenn ihr in eurem modus seid.

Ich habe tolle bücher gelesen von heinz peter röhr. Was mir an ihm so gefällt, ist, dass er nicht aburteilt, sondern sehr warm beschreibt, wie die andere welt aussieht.

Liebe grüße saxana

11.01.2015 23:09 • #17



Histrionische Persönlichkeitsstörung in Beziehungen?

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saxana


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Liebe Tafira,

ja, nach etwas mehr als einem Jahr bin ich vom Abgrund weg...
Das, wie du es erlebt hast, würde ich alles bejahen. Man ist zunächst sehr fasziniert von der traumhaften Vielfalt der Übereinstimmungen. Man fühlt sich angekommen wie im siebten Himmel, weil diese sehr emotionalen Menschen Dinge tun oder sagen, die wir nicht im Leben erhofften. Erst später bekommt man dann mit, dass es leere Worthülsen waren.
Im Moment des Überschwangs haben sie es sicherlich auch so empfunden, nur die Gefühle überschwappen sie regelmäßig von einem ins andere Extrem. Die sind irgendwie nicht so fest verankert.

Für uns, die unter solchen Gefühlsschwankungen nicht leiden, ist das alles wie eine Achterbahn der Gefühle. Völlig überdreht im Kopf, weil nichts so richtig ist, wie es scheint.
Er hat mir das Gefühl gegeben, das großartigste für ihn zu sein. Aber in einer Konfliktsituation, nämlich dann, wenn er meinen Verlust witterte, kekste er so übermäßig aus.

Zu Beginn der Beziehung überhäufte er mich mit Superlativen und mit einigen Storys, die mich glauben machen sollten, dass er der tollste Mensch überhaupt ist. Später dann entlarvten sich die Storys als Lüge. Er hat das nur getan, um sich besser darzustellen. In einer Konfliktsituation habe ich mal gesagt: weißt du überhaupt, dass ich dich mag, so wie du bist? Höre auf mit den Lügen. Leider brauchte er es...
Er hat den Zusammenhang nicht erkannt, dass er mit den Lügen alles zerstört und ihn kilometerweit in den Keller abschießen. Für ihn war das nichts.

Nach einer off-Zeit erklärte er mir, er wäre in der Klinik gewesen, weil er nicht ein noch aus wüsste und die Beziehung retten wollte. Er beschrieb detailliert das Klinik-zimmer und all die Vorträge, die er mit Begeisterung wahrnahm. Später erfuhr ich von seinem Vater: alles nicht wahr. Damit konfrontiert, log er einfach noch ein bisschen mehr drauf und bezichtigte mich, ich würde lügen. Und in der Konsequenz drohte er mit Selbstmord. Dann wurde ich wieder weich. Ich hätte konsequent sein sollen, und die Beziehung abbrechen sollen. Sofort! Aber mein Mitleid war zu groß...

Ich war so durcheinander, das kannste mir glauben. Ich verstehe bei so etwas die Welt nicht mehr. Erst lügen, dann mich beschuldigen und wenn alles nichts nützt, mit Selbstmord drohen. Diese Vorfälle hatte ich mehr als genug.

Schlussendlich musste ich die Notbremse für mich ziehen. Der Körper spielte total verrückt. Diese schei. Achterbahnen der Gefühle, dieses ständige manipulieren, diese Schwüre - nie dazu geboren, Wirklichkeit zu werden.

Aber geliebt habe ich ihn - mit jeder Faser meiner Seele. Deshalb dauerte die Trennungsverarbeitung auch so irre lange.
Man sagt, die Partner sind emotional abhängig gefangen und erleben eine Art Trauma. Wir bekommen das Trauma aufgedrückt, was sie selbst erleben mussten.

Schön, dass du hier schreibst! In einem anderen Thread tummel ich mich auch rum, aber es ist schon noch ein Unterschied, ob man es mit einem waschechten Narzissten zu tun hatte, oder aber mit einem Histrioniker.

Histrioniker sind nicht halb so garstig wie die Narzissten und Borderliner haben nur ein Problem: Sie glauben nicht an die Liebe und dass sie liebenswert sind - und reagieren so im Überschwang.

LG Saxana

11.01.2015 23:40 • #18


Mrs.Hyde


Das hat ja nichts mit rationalem Verstehen zu tun. Klar weiß ich rational, dass ich durch Lügen der Beziehung den Boden nehme. Aber wie ich schon schrieb: es verselbstständigt sich. Ich denke ja nicht: komm, erzähl das und das, damit dies und jenes passiert.
Ich habe - was meine Person betrifft - selten frei erfunden. Meist war irgendwo ein wahrer Kern. Es gab auch immer mal wieder längere stabile Phasen. Aber sobald von irgendwoher Druck kommt, weiche ich aus.
Anders als überall beschrieben ist es aber nicht so, dass ich mir meine Lügen selbst glaube. Ich habe "lediglich" ein Problem damit, dass ich nicht weiß, was meinem Anerkennungsbedürfnis zuzurechnen ist und was echte Gefühle sind. Ich weiß manchmal gar nicht, wie ich selbst eigentlich wirklich bin.
Dann wieder gibt es Phasen in denen komme ich gut zurecht und denke, dass ich gar kein großes Problem habe und ich damit schon zurecht komme. Dass ich nur etwas ruhiger und zufriedener werden muss.

Ich bin zum Psychologen gegangen, weil die letzte Trennung für mich so heftig war. Ich hab den armen Kerl emotional so unter Druck gesetzt, wollte ihn praktisch zwingen mich zu lieben....und habe dabei zu allen, wirklich allen, Mitteln gegriffen. Meine Freundin sagte dann, so geht das nicht weiter. Und ich will das ja auch nicht, denn, wie gesagt - es ist sehr ermüdend über die Jahre. Deswegen bin ich hin.

12.01.2015 00:13 • #19


Mrs.Hyde


Ich glaube übrigens an die Liebe. Ich glaube auch, dass ich ein liebenswertes Mädel bin, eigentlich.
Es GIBT ja ein paar Dinge, bei denen ich mir sicher bin, dass ich sie um meinetwillen und aus mir selbst heraus gerne und ganz gut mache (singen zum Beispiel oder vorlesen).
Um bei dem Beispiel zu bleiben: das ist etwas, was ich dann und deswegen aber nur SEHR vorsichtig Preis gebe bzw. zeige. Es verletzt mich zu tief, wenn jemand nicht richtig zuhört oder kritisiert (und sei es nur, weil derjenige gar nicht weiß, was für ein sensibler Moment das ist). Das ist dann wirklich wie ein körperlicher Schock. Mit Herzrasen, tauben Händen, schwitzen....
Ich bin tierlieb. Ich hab noch nie jemanden im Stich gelassen, oder hängen lassen der Hilfe brauchte. Ich koche sehr gut und gerne. Ich fotografiere ganz gut. Ich bin gern in meinem (sehr schönen) Garten. Und ich glaube, ich schreibe ganz gut.

Andererseits (das wäre dann Mrs Hyde) bin ich eben auch skrupellos manipulativ, verlogen und promiskuitiv (weil ich nicht Nein sagen kann, wenn mir einer gefällt und der mir Avancen macht) und kann leider überhaupt keine Prioritäten setzen, weil die eben ständig abhängig sind von anderen und äußeren Umständen. Das macht Planungen mit mir leider schwierig.

12.01.2015 00:37 • x 1 #20


saxana


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Liebe Mrs. Hyde,
ein wahrer Kern war bei meinem auch immer. Aber viel dazugedichtet, aufgebauscht usw.
Dies hat sich dann tatsächlich verselbständigt, wenn ich nachfragte. Da verstrickte er sich immens.

Ich habe auch oft Druck, auf Arbeit, zu Hause, mit Behörden.
Aber ich kann dann immer noch rational handeln. Selbst, wenn meiner mir mit Selbstmord drohte, blieb ich klar im Überlegen. So nach dem Motto: wenn einer durchdreht, muss der andere klar überlegen und sachlich handeln.
Also ich bin schon ordentlich krisenfest. Im Job muss ich manchmal Wunden behandeln, die ich nicht so sehen will. Aber für den Moment bleibe ich gelassen und handele, was zu tun ist.

Mein ex hat so emotional überreagiert. Flucht war meistens die einzige Variante. Er war überhaupt nicht konfliktfähig und sah in jedem Konflikt das Ende der Beziehung. Und dann rannte er weg und machte sehr unüberlegte Dinge.
Wenn wir uns dann wieder sahen, hatte er fast keine Erinnerung mehr an die Zeit dazwischen. So, als ob es nicht gespeichert wurde.

Ich habe mal gelesen, dass solche Menschen tatsächlich unter Druck "ausblenden". Dann sind sie voll überschwemmt von Emotionen und einer riesigen Angst. Nicht mehr in der Lage, klar zu denken. Das Unterbewusstsein übernimmt dann wohl absolut die Regie.

Ist das bei dir auch so?

LG Saxana

12.01.2015 00:41 • #21


saxana


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Ach liebe Mrs. Hyde, du schreibst echt süß! Muss nur mal kurz den Akku laden und bin gleich wieder da.

12.01.2015 00:44 • #22


saxana


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So, bin wieder da...
Diese "störungen" treten ja nicht überall auf - nur im zwischenmenschlichen. Es sind interaktionsstörungen.
Meiner hat auch die leiseste kritik, noch so sanft vorgebracht, als unheimlichen angriff gewertet.

Ich rede mit händen. Einmal hatten wir eine auseinandersetzung und ich fuchtelte so mit der einen hand (zeigefinger) rum. Und plötzlich kekste der voll aus, schubste mich und schlug auf den tisch.
Ich konnte nur noch in deckung gehen.

Später erklärte er mir, dass seine pflegemutter so mit ihm geschimpft hat und das das zeichen war: gleich gibts senge.
Woher sollte ich das wissen? Da kam bei ihm was hoch...
Er nahm wohl alles wesentlich intensiver wahr - war gleich auf angriff. Und das ist es dann wohl: eine gewisse überemotionale bewertung.

Ich glaube gerne, dass du gut singt, weil wer gerne singt, kann das auch. Ich glaube auch, dass du die anderen dinge gut kannst. Es sind ja, wie gesagt, störungen im bereich der interaktion/beziehungsstörungen.

Aber warum könnte er mich manipuliert haben, wenn ich ihn doch offensichtlich so liebte? Konnte er es nicht glauben und brauchte immer stärkere beweise? Er hat ja zugegeben, dass er mich manipuliert hat, damit ich tun soll, was er braucht.

Lg saxana

12.01.2015 01:09 • #23


Mrs.Hyde


Ja, das hatte ich auch schon. Nachher tat es mir oft leid, aber grade, wenn ich gelogen hatte...ja, dann war es oft so,dass ich dachte: jetzt biste drin, dann zieh es jetzt auch durch.
Ich habe mich dabei eben auch viel davon leiten lassen, was mein Partner von mir erwartete. Ich glaube, wenn er gesagt hätte: du, wir sollten heiraten. - Ich hätte es getan. Weil es sich nichtmal falsch angefühlt hätte und der nächste folgerichtige und erwartete Schritt gewesen wäre.

12.01.2015 01:19 • #24


Mrs.Hyde


Ich habe immer manipuliert um Konflikte zu vermeiden, alles "noch etwas perfekter" zu machen oder um ihn dazu zu bringen, etwas zu tun.
Irgendwann sieht man aber dann, was nicht von der Hand tu weisen ist: wenn du nicht weißt, oder nicht sicher bist, wer/wie du selbst bist und ob deine Gefühle echt sind....Dann fährt das Ding vor die Wand. Weil du immer Verzweifelter nach Hinweisen suchst, die dir Gewissheit verschaffen sollen - und wer sucht, der findet. Aber ich fand immer so viel unterschiedliches Zeug, dass ich nachher nur noch verwirrter war. Ich schwankte stündlich zwischen großer Liebe, Trennung, tiefer Scham, Hoffnung, Selbstzweifeln - das kann kein Schwein aushalten.
Also schubst man den Partner in eine Entscheidung.
Und sei es, dass man den Zustand so lange rauszögert, das der Partner das Handtuch werfen muss.

12.01.2015 01:27 • #25


Mrs.Hyde


Mein Ex hat mich sehr geliebt. Aufrichtig.

Wie viel nutzt das aber alles, wenn du selbst nicht weißt, ob du liebst?!
Man versucht, über die Liebesbekundungen vom Partner in dieses Gefühl zu finden. Weil die Hauptsache ja ist, dass der andere MICH toll findet. Und damit ist man dann ja erstmal auch glücklich.
Aber selbst mit ner Störung kannst du dein Hirn im Alltag ja nicht ewig lange verA.en. Dass da nämlich ein Gegenüber ist, der was erwartet. Der richtig viel erwartet. Von mir. Mich. Und ach,...Der MICH eigentlich gar nicht kennt. Weil ich es auch nicht tue.

12.01.2015 01:32 • #26


Jay da B


Zitat von Mrs.Hyde:
. Mich. Und ach,...Der MICH eigentlich gar nicht kennt. Weil ich es auch nicht tue.


Liebe Mrs. Hyde,
ich gebe Saxana recht....es ist echt rührend, wie Du schreibst.

Ich hab zwei pubertierende Töchter. Deren Verhalten ähnelt phasenweise dem von Dir beschriebenen.
Nun, jetzt bin ich der Papa und erwachsen und es ist mein Fleisch und Blut. Und dennoch ist es ...heavy.

Eine Eigenart der Liebe ist, dass man sie nicht sehen oder halten kann. Man muss sie fühlen und dran glauben. Und sie kommt und geht tatsächlich.
Man muss wohl ganz klein anfangen, wenn das alles zu beängstigend ist.

Das mit dem Singen und Vorlesen. Kompliment...es gibt kaum was, was so unmittelbar direkt von Dir kommt, wie Singen. Der direkte Blick in deine Seele.
Eine gewisse Empfindlichkeit ist doch verständlich.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich findest.

12.01.2015 09:53 • #27


Tafira


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Liebe saxana,

genau das ist mir passiert: Emotionale Abhängigkeit und Trauma. Ich stecke da nooch mittendrin!

Und auch das was du beschreibst, dieses immer mehr Bestätigung zu wollen immer noch mehr Anerkennung zu fordern, kenne ich sehr gut. Egal was ich für ihn gemacht habe und auch meine Töchter, kaum hab ich mich umgedreht, da führte er sich so auf also würde ich ihn wie Luft behandeln und fing erneut an mit seinem Gebaren.

Selbst jetzt nach der Trennung versucht er diese Bestätigung zu bekommen, in dem er ordentlich auf die Tränendrüse drückt bei mir und wissen MUSS wie sehr ich leide, denn das bedeutet für ihn ja das ich ihn liebe.... ich verstehe das Menschen, die schlimmes erlebt haben in frühester Kindheit, ein großes Bedürfnis nach Anerkennung und Bestätigung haben, auch bei mir war nicht immer alles rosig - ganz im Gegenteil. Nur würde ich nicht auf die Idee kommen über die Grenzen von anderen zu trampeln, bzw. wenn es passieren sollte, würde es mir aufrichtig leid tun.
Nicht so bei meinem Ex... wenn so was passiert ist, dann hat er es zum einen abgestritten, ließ ich nicht locker, was manchmal eine stundenlange diskussion mit sich brachte, dann kam ein "ja, aber" oder gerne auch ein "du aber auch".... naja eben alles andere als Einsicht und so bin ich auf diesen Verletzungen sitzen geblieben. Irgendwann habe ich dann angefangen zu handeln, also nicht mehr zu diskutieren sondern habe mich dann zurück gezogen um das ganze mit mir auszumachen. Meinen Ex hat das stark verunsichert und aus seiner "Verlegenheit" heraus hat er mir dann Vorwürfe gemacht, das ich nichts zu einer gut funktionierenden Beziehung beitrage.
Ich hatte also keine Möglichkeit mit entstandenen Verletzungen umzugehen - konnte sie nicht zeigen, nicht verarbeiten.
Schlussendlich hat er mich gefragt, was denn eigentlich meine Vorstellungen von einer erfüllten Beziehung sind. Das hat mich echt umgehauen, denn wir hatten zum einen oft darüber gesprochen und hatten auch endlose diskussionen darüber - es war als ob sein Gedächtnis wie ausgelöscht gewesen ist.
Ich fasse mir ans Herz und sagte ihm dass eine gute Kommunikation für mich sehr wichtig ist....da meinte er doch glatt das er mir wohl dann nicht so wichtig sei, denn ich würde ja nicht mehr mit ihm reden. Ich konnte gar nicht mit ihm reden, er hat jeden ansatz zerstört, jedes wort verdreht, ist ausgewichen, wechselte sprunghaft das thema, alles abgestritten, nichts gelten lassen ....ein ganz normales gespräch war nicht mehr möglich....
Ich bin mir nicht sicher, ob das was ich hier zu beschreiben versuche, deutlich genug rüber kommt. Ich stecke da echt noch tief drin und schaffe es nur bedingt mich damit zu beschäftigen, weil es so weh tut. Von daher habe ich zur zeit keinen besonders klaren kopf...

12.01.2015 10:08 • #28


tamtam

tamtam


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Ich möchte erstmal dazu sagen, dass eine Beziehung mit jemandem der eine Therapie verweigert aus meiner Sicht nicht machbar ist. Wenn wir von anderen Menschen verlangen, unsere Herausforderungen zu akzeptieren, dann sollten wir gleichzeitig alles dafür tun, diese so gering wie möglich zu halten.

Ich bin jetzt seit einer Woche von meinem Ex getrennt. Es ist aus, Schluss, ich hoffe nicht mehr. Ich vermisse ihn sehr aber ich habe ihn nicht einmal kontaktiert (leider hat er es gestern gemacht was dazu führte, dass es mir sehr schlecht ging), ich habe nichts impulsives getan (keine S. bei anderen Männern, kein Selbstverletzung usw.). Das ist alles sehr schwer für mich, vielleicht sogar noch schwerer als für andere. Wir haben aber auch die Fähigkeit, Leid zu ertragen.

Ja wir sind traurige Seelen, wir können uns nicht vorstellen, dass uns jemand lieben kann. Das wurde bei uns nicht so angelegt. Deshalb denken wir, wir müssen manipulieren und falsche Realitäten schaffen, damit andere Menschen bei uns bleiben.

Wir können es nicht aushalten, dass jemand bei einer bestimmten Sache nicht mit uns übereinstimmt, denn wir denken dann geht er.

Rational gesehen glaube ich, mein Ex liebt mich. Ich glaube sogar er hat noch nie einen Menschen so sehr wie mich geliebt. Das er gegangen ist zeigt mir, wie sehr er am Ende gelitten hat.

Es sind traurige Krankheiten, denn wir sind verlorene Seelen auf der Suche nach Liebe. Finden wir sie, zerstören wir sie, weil wir nicht daran glauben.

Ich vermisse ihn sehr und ich hoffe, er verarbeitet diese Trennung und hasst mich nicht. Ich vermisse ihn.

12.01.2015 10:51 • #29


Tafira


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Hallo tamtam, da sagst du etwas sehr wichtiiges und ich bewundere dich dafür das du so offen mit dieser Herausforderung umgehst!

Ich frage mich nämlich, ob mein Ex sich darüber im klaren ist und dazu stehen kann, dass er unter einer Persönlichkeitsstörung leidet. Denn ja nur dann würde eine Therapie Sinn machen. Mir gegenüber hat er es nicht zugegeben, hat verlangt das wir nicht mehr über das Thema reden.Das habe ich akzeptiert, denn ich konnte sehen wie fertig ihn das macht. Allerdings war mir spätestens dann klar, dass sich in unserer Beziehung nichts ändern wird und ich wusste das ich anfangen muss mich von ihm zu verabschieden... das war ungefähr letztes Jahr Anfang Oktober. Ich habe ihn gebeten sich eine Wohnung zu suchen und Anfang November ist der dann ausgezogen.

Einerseits hatte ich wieder mehr Luft zum Atmen und andererseits habe ich ihn schrecklcih vermisst. Auch die Auseinandersetzung auf wen ich mich eigelassen habe begannen; ein schmerzhafter Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist.
Seit dem Auszug hatte er noch mehr fragen an mich als zuvor, und es waren immer eine Menge Fragen gewesen. Es drehte sich immer um unsere Beziehung, um meine Gefühle für ihn - sprich er war stark verunsichert, weil ich nicht mehr in der Nähe war und mich schlechter kontrollieren konnte. Da er mir nicht vertraute, und wie ich da feststellte, auch nicht vertraut hat, begann er extrem eifersüchtig zu werden. Ich habe mich immer mehr distanziert, wollte mit negativem und gefühlsschwerem so wenig wie möglich in Kontakt kommen. Es war wichtig, denn ich wäre sonst komplett untergegangen. Ich liebte ihn und musste Stück für Stück feststellen das er im Grunde genommen nur durch mich Gefühle "empfand"...machte, was ich tat ...fühlte, was ich fühlte - ich kann das bis heute nicht begreifen oder will es vielleicht einfach nicht wahrhaben, das es so ist... dann müsste ich ja los lassen und dazu bin ich noch immer nicht bereit - es tut zu weh.
Auch wenn ich mich ihm gegenüber anders verhalte... ich ziehe die Trennung nach außen hin konsequent durch, was mich unendlich viel kraft kostet. Aber ich habe Angst ihm meine Gefühle zu zeigen, aus Angst das er sie missbrauchen könnte..
Schlimm ist es, das ich und das ist ja schon seit Monaten so, nicht sagen kann was ich wirklich denke und fühle. Ich habe das Gefühl zu platzen, wenn ich es nicht irgendwann rauslassen kann ohne das mir danach ein dolchstoss versetzt wird.

Auch wenn es sehr weh tut glaube ich nicht, das er mich absichtlich verletzen wollte. Er muss schlimmes durchgemacht haben und ich wünsche ihm nur das Beste! ...da bin ich ganz bei dir tamtam

12.01.2015 11:31 • #30



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