Hope1968
Gast
Ich fühle mich wie betäubt und kann es noch gar nicht glauben dass ich diesen Schritt wirklich gegangen bin.
Mein Ex-Partner - es fällt mir äußerst schwer, das Wort "Ex" zu schreiben oder auch nur zu denken - leidet ärztlich diagnostiziert an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ, gemischt mit Borderline und narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Er ist meine ganz große Liebe und wir hatten einerseits anfangs eine äußerst intensive und innige Beziehung. Andererseits ist er ein sehr dominanter Mensch, sehr rechthaberisch, stur und extrem auf sich selbst bezogen. Alles musste sich immer nur um ihn drehen. Er wollte ständig nur bewundert werden und er war sich selbst am wichtigsten. Obwohl er der erste Mann in meinem Leben war der mich in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat und mir auch immer gezeigt hat, dass ich ihm "vermeintlich" das wichtigste bin. Bei ihm stand ich immer an erster Stelle. vor allem anderen. (In vorherigen Beziehungen habe ich das so nie erlebt.) Aber nur solange, wie sich alles nur um ihn gedreht hat.
Irgendwann habe ich gemerkt dass ich mich selbst völlig vergessen habe, dass ich mein ICH fast verloren hatte und dass sich mein gesamtes Leben und mein gesamtes Sein nur noch um IHN gedreht hat. Meine Bedürfnisse hatte ich völlig hinten angestellt.
Da er krankheitsbedingt die letzten fünf Jahre nicht arbeiten konnte und ich freiberuflich tätig bin und mir somit meine Zeit mit meinen beruflichen Terminen so einteilen kann wie ich es möchte, war er die ganze Zeit zuhause und hatte nichts besseres zu tun als mich total unter seiner Kontrolle zu halten und mich in Beschlag zu nehmen. Er bestimmte den gesamten Tagesablauf, wann und wie wir was machten. Ich musste mich immer nach ihm richten.
Irgendwann habe ich mir das nicht mehr gefallen lassen und habe angefangen mich verbal zu wehren um auch mal meine Bedürfnisse durchzusetzen. Oh mein Gott, wenn ich nur vorher geahnt hätte was dann auf mich zugekommen ist. Er hat mich wiederholt verbal schwer gedemütigt, ständig versucht mich zu manipulieren und zu dominieren, hat mich ständig emotional erpresst, hat mich immer wieder körperlich angegriffen so dass ich mehrmals Verletzungen hatte die ärztlich behandelt werden mussten und was habe ich gemacht? Bin weiter bei ihm geblieben. Immer wieder habe ich gehofft dass er endlich aufwacht und merkt was er mir antut und dann sein Verhalten ändert.
Was für ein Trugschluss. Obwohl er sich anfangs immer wieder für sein Fehlverhalten entschuldigt und Besserung gelobt hat. Was aber nicht wirklich passiert ist. Es hat sich nichts verändert. Im Gegenteil.
Nach zwei Jahren Beziehung in der wir tagtäglich zusammen waren, habe ich meine Wohnung die ich zwanzig Jahre (!) gehabt habe, aufgegeben und bin zu ihm gezogen. Weil ich ihn so sehr geliebt habe und sicher war dass er der EINE ist und wir den Rest unseres Lebens zusammen verbringen werden. Wie kann man sich selbst so täuschen und sich vormachen dass so ein Mensch der Richtige für einen ist, obwohl man ganz genau weiß dass man eigentlich die ganze Zeit nur leidet.
Ich war ständig niedergeschlagen und bedrückt, körperlich und seelisch sehr erschöpft und ausgelaugt, da er meistens den ganzen Tag lang ständig geredet hat und es sehr anstrengend ist, einen Menschen an seiner Seite zu ertragen der so redselig ist und niemals ruhig sein und den Mund halten kann. Er hat niemals Rücksicht auf mich genommen, hat mich emotional nicht unterstützt, hat Null Einfühlungsvermögen usw.
Ich bin normalerweise ein sehr lebenslustiger und fröhlicher Mensch der gerne und viel lacht und viel draußen unterwegs ist wenn Zeit dazu ist. Mit ihm ist mir das Lachen vergangen weil er mich immer so niedergedrückt hat mit seiner Dominanz. Meine Familie hat das auch gemerkt und immer wieder gesagt dass ich mich sehr zum negativen geändert hätte. Ich bin richtig krank geworden dadurch.
Kaum dass ich offiziell in seiner Wohnung gelebt habe, hat er ständig - wenn er seine emotionalen Krisen hatte - zu mir gesagt ich solle verschwinden, ich solle meine Sachen packen und gehen, er wolle mich nicht mehr bei sich haben usw.
Endlose Tiraden und stundenlanges lamentieren waren an der Tagesordnung. Er hat ständig Streit angefangen, hat sich ständig angegriffen gefühlt obwohl ich ganz normal mit ihm kommuniziert habe. Dann ist er ständig abgehauen und stundenlang weggeblieben. Wenn er wieder nach Hause kam, hat er sich aber nicht beruhigt, sondern wieder weiter gestritten.
Nichts konnte ich ihm recht machen. Egal was ich gesagt oder nicht gesagt, getan oder nicht getan habe, es war immer falsch in seinen Augen. Es war einfach unerträglich diese emotionale Unausgeglichenheit. Gerade saßen wir abends noch zusammengekuschelt ganz friedlich und einträchtig vor dem Fernseher, brauchte es nur irgendeinen Funken, irgendein (in seinen Augen) falsches Wort, was auch immer, schon ist er explodiert und ausgerastet und hat mit mir gestritten. Egal um welche Tages- und Nachtzeit.
Das Ende vom Lied war, dass ich letztes Jahr immer wieder nach einer Wohnung für mich gesucht und jetzt vor wenigen Wochen endlich eine passende gefunden und bekommen habe.
Ich wollte mich nicht ganz von ihm trennen, ich wollte nur einen Rückzugsort für mich haben, an den ich gehen kann wenn er wieder seine schlechten Phasen hat.
Mit der Zeit bin ich auch aggressiv geworden und habe zurück geschrien, wenn er ständig am maulen und motzen war und mich ohne Grund kritisiert hat.
Es war der reinste Psychoterror von seiner Seite aus. Er hat überhaupt nicht verstanden dass ich auch noch ich selbst bin und sein möchte und dass ich auch meine Bedürfnisse und Interessen habe.
Schließlich bin ich ja nicht sein Hündchen dass mit dem *beep* wedelt und sofort angedackelt kommt wenn er sozusagen mit dem Finger schnippt.
Es war für ihn unverzeihlich dass ich auch meine Bedürfnisse erfüllen möchte und meinen Interessen nachgehen möchte.
Durch ihn bin ich ziemlich nachlässig geworden, habe mich nicht mehr richtig um wichtige Dinge gekümmert usw.
Jedenfalls hat er stundenlang geweint als ich ihm erzählt habe dass ich eine Wohnung für mich gefunden habe und bei ihm wieder ausziehen werde.
Das hat er mir nicht verziehen. Fortan hat er mich bestraft mit Nichtbeachtung, völliges Desinteresse, er hat keine Zeit mehr mit mir verbracht, wir haben nicht mehr zusammen gegessen, keinen Abend und keine Nacht mehr zusammen verbracht, es gab keinerlei Zuneigung oder Zärtlichkeit, nichts. Er hat sich überhaupt nicht mehr um mich gekümmert. Die letzten Wochen haben wir uns kaum gesehen und wenn dann nur zwei bis drei Stunden und er hat wieder angefangen mit mir zu streiten.
In den letzten Jahren habe ich ihm so oft versucht klarzumachen was falsch läuft und was er besser machen sollte damit unsere Beziehung eine Zukunft hat, aber immer kam auch sein südländisches Temperament zum Vorschein und es kam immer wieder der Spruch dass er sich von einer Frau gar nichts sagen lassen würde.
Ich bin Mitte vierzig und er ist sechs Jahre älter als ich. Aber er ist so unreif, so kindisch, so intolerant, so stur, so dermaßen verbohrt, so streitsüchtig, so rechthaberisch und so trotzig. Ich war extrem verzweifelt, bin extrem traurig und enttäuscht und kann mit der ganzen Situation überhaupt nicht umgehen. Der Gedanke dass ich jetzt wieder alleine bin ist einfach unerträglich denn er war für mich immer mein Mann. Auch wenn wir nicht verheiratet waren, er war immer mein Mann für mich.
Die ersten zwei Jahre unserer Beziehung hat er dreimal zu mir gesagt dass er mich irgendwann heiratet. Wir hatten einmal ein ausführliches Gespräch deswegen. Ich hätte ihn auch geheiratet wenn er nicht so streitsüchtig wäre und mich nicht so gedemütigt und mich nicht körperlich angegriffen hätte.
Er hat mehrfach gesagt dass ich die Liebe seines Lebens bin. Die Liebe seines Lebens? Behandelt man die so? Dass ich nicht lache.
Da ich es absolut nicht mehr ertragen habe, meine persönlichen Grenzen waren schon bei weitem überschritten, habe ich mich heute definitiv von ihm getrennt. Meine restlichen Sachen aus seiner Wohnung geholt, Schlüssel getauscht und Punkt. Ich kann nicht mehr.
Wie es jetzt weitergeht? Ich weiß es nicht. Keine Ahnung. Ich weiß nur eins. Dass ich diesen Mann mit allen Fasern meines Herzens über alles liebe, auch wenn er mir sehr viel schlimmes angetan hat - so hat er doch auch seine äußerst positiven Seiten, seinen Charme usw.
Wenn man einen Menschen so sehr liebt und sich trotzdem von ihm trennen MUSS um sich selbst zu schützen, dann ist das eine Extremsituation. Zumindest für mich.
Ich weiß dass er mich auch liebt, auch wenn immer wieder behauptet wird Menschen mit derartigen Persönlichkeitsstörungen könnten angeblich nicht lieben.
Man kann Menschen mit Persönlichkeitsstörungen nicht verallgemeinern. Man muss immer die Umstände sehen warum dieser Mensch so geworden ist.
Diese Menschen sind KRANK nicht verrückt oder irre. Es hat ja Gründe warum sich eine solche Persönlichkeitsstörung entwickelt.Solche Menschen sind nicht absichtlich böse, sondern die Lebensumstände haben dazu geführt dass sie krank geworden sind. Kein Mensch wird böse geboren.
Das soll keine Entschuldigung für sein Verhalten sein, nur eine Erklärung.
Ich habe mich fast zerstören lassen durch diese Beziehung und fühle mich einerseits erleichtert dass ich gerade noch rechtzeitig aufgewacht bin.
Leider ist ER nicht aufgewacht, so dass es keine gemeinsame Zukunft geben kann. So gerne ich das auch gewollt hätte.
Ich würde mich freuen wenn ihr mir eure Erfahrungen mit ähnlichen Situationen mitteilen würdet und wie ihr mit eurer persönlichen Geschichte umgeht oder gelernt habt umzugehen.
Ich fühle einfach nur extremen Schmerz dass ich den Menschen dem ich am meisten vertraut habe, nun doch verloren habe obwohl ich diesen Mann niemals verlieren wollte. Aber die Umstände haben die Trennung quasi erzwungen. Er fehlt mir unendlich denn es gab auch wunderschöne Zeiten...
Hope1968
