Liebe Sternenglanz,
auch ich finde, dass du das großartig gemacht hast und immer noch machst.
Es ist ja so: Ein ungutes Bauchgefühl oder starke Indizien, dass da etwas nicht stimmt, haben viele. Schwer ist es aber, darauf dann auch zu hören. Denn das bedeutet, dass man dann ja - wie jetzt in deinem Fall - nötigenfalls auch die Konsequenzen ziehen muss. Und das tut weh. Es tut weh, weil man wieder allein ist und die Hoffnung fahren lassen muss, dass man jetzt jemanden an seiner Seite hat. Es tut weh, weil man sich erneut mit dem Alleinsein abfinden muss. Es tut weh, weil man, wenn man sich von dem Menschen verabschieden muss, ja auch auf alles Schöne verzichten muss. Und Schönes (schöne Momente, schöne Stunden, Vorzüge, die der andere hat) gibt es ja zweifellos auch.
Es erfordert also Mut und Kraft, so etwas zu beenden. Es bedeutet auch eigenen Verzicht. Es bedeutet, das Alleinsein wieder zu ertragen. Das ist der eigentliche Grund, warum viele es nicht schaffen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und solche Beziehungen zu beenden. Und je länger man das mitmacht, desto schwerer wird es, weil man immer tiefer drinsteckt in dieser unguten Dynamik und weil man sich an den anderen und die Beziehung mit ihm ja auch gewöhnt hat.
Du hast den Mut und die Kraft und darauf kannst du stolz sein.
Nur in zwei Dingen möchte ich dir widersprechen:
Zitat von Sternenglanz:Nagt die Nummer an meinem Selbstwert? Definitiv
Warum? Gerade den hast du doch ganz eindeutig verteidigt! Hast du dich einlullen lassen? Nein. Hast du dir die Schuld zuschieben lassen? Nein. Hast du ihm seine Mitleidsnummern durchgehen lassen? Nein.
Wieso also nagt es an deinem Selbstwert?
Und ebenso das:
Zitat von Sternenglanz:schlimm ist, ist dieses Gefühl gedemütigt worden zu sein. Das kratzt richtig hart.
Das sehe ich wie oben.
Er hat versucht, dich zu demütigen. Aber du hast es doch nicht zugelassen. Du hast dich ganz klar da rausgezogen und dir nicht einreden lassen, es läge an dir. An deinem unberechtigten Misstrauen zum Beispiel. An deiner angeblich unberechtigten oder übertriebenen Eifersucht. Du hast dir den Schuh also nicht angezogen. Inwiefern fühlst du dich also gedemütigt? Genau das hast du nicht zugelassen.
Im Gegenteil: Er wird sich gedemütigt fühlen, weil du ihm durch deine Konsequenz klargemacht hast, dass er mit seiner Nummer bei dir eben nicht durchkommt. Er ist es, der sich jetzt ertappt fühlt. Deutlicher hättest du ihm gar nicht machen können, dass du ihm nicht glaubst, als damit, dass du den Kontakt beendet hast und dich nicht von ihm einlullen lässt. Auch wenn er es nie zugeben wird:
Du hast
ihn gedemütigt (so wie er es auch verdient hat) und nicht umgekehrt.
Was da mit seinen WhatsApps und mit seinem Umzug wirklich war, wird wohl nie jemand genau erfahren. Auch nicht, ob und was da wirklich mit anderen Frauen lief.
Viel schlimmer finde ich übrigens auch sein Verhalten anschließend, also nachdem du ihn zur Rede gestellt hast. Das spricht wirklich Bände.
Insofern ist es wurscht, was da konkret lief oder auch nicht.
Mit jemandem, der so reagiert, hättest du nie Konflikte austragen können. Der wäre dir immer wieder mit Ausweichnummern und Schuldumkehr gekommen.
Insofern: Sei froh, dass es jetzt beendet ist. Mit dem wärst du nicht glücklich geworden.
Die Fähigkeit, gemeinsam mit Konflikten, Problemen oder Meinungsverschiedenheiten umgehen zu können, ist ja das A und O jeder Beziehung. Wenn das nicht funktioniert, funktioniert auch die Beziehung nicht. Denn niemand kann erwarten, dass es so etwas in einer Beziehung nie geben wird. Das wäre illusorisch.
Insofern: Egal, ob er Frauengeschichten hatte oder inwieweit - das spielt eigentlich keine Rolle.
Aber sein Verhalten, nachdem du ihn darauf angesprochen hast, das spielt eine verdammt große Rolle.
Du hast nichts verloren. Schon gar nicht deinen Selbstwert oder deine Würde. Nur einen Kontakt, mit dem ohnehin nicht glücklich geworden wärst.