Mir geht es eigentlich ganz gut. Nicht nur eigentlich ... es geht mir relativ gut. Ich denke ganz oft darüber nach, warum es mir so gut geht. Und dann komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass die Trennung richtig war, auch wenn ich sie selbst nicht vollzogen habe. Ich fand unsere Beziehung auch schon seit Jahren nicht mehr richtig gut. Ich war unglücklich. Aber ich habe mich selbst wohl nie ernst genug genommen. Auch hätte ich selbst mich niemals getrennt. Vermute ich mal. Oder habe ich mich nicht getrennt, weil ich ihn so sehr geliebt habe? Das frage ich mich die ganze Zeit. Warum habe ich es ausgehalten, wo ich doch so oft genervt war und Trennungsgedanken hatte?
Die wichtigste Frage aber, die ich mir derzeit immer stelle, ist: Wenn ich doch selbst so unglücklich war und finde, dass die Trennung richtig war, warum bin ich dann so verletzt? Warum bin ich so furchtbar eifersüchtig auf seine Neue? Warum kann ich ihn nicht einfach loslassen? Wäre es anders, wenn ich selbst neu verliebt wäre? Was hält mich eigentlich auf?
Resultieren diese Gefühle daraus, dass ich ihn noch liebe oder ist das einfach nur verletzte Eitelkeit?
Mir geht es doch gut. Ich habe eine Arbeit, ich habe Freunde, Familie etc., ich habe meinen Sohn, ich habe eine schöne neue Wohnung, ich genieße es, Entscheidungen ganz für mich allein zu treffen, ich genieße es, mich nicht mehr von den Dingen nerven zu lassen, die mich an meinem Ex immer genervt haben ... es gibt so viele positive Seiten an dieser Trennung ... warum tut es dann bloß noch so weh? Warum bin ich immer noch wütend auf ihn und seine Feigheit? Mir hätte doch das Gleiche passieren können. Oder etwa doch nicht?
Ich lese hier ganz viel im Forum ... und lese auch ganz oft, wie oft alle hier noch oft weinen, bestimmte Orte nicht aufsuchen können, nicht schlafen können ... das ganze Spektrum halt ... und ich frage mich: Warum habe ich das nicht mehr oder kaum noch? Ich kann wunderbar schlafen. Konnte ich schon ziemlich schnell nach der Trennung. Ich weine selten und wenn, dann nur ein paar Tränen. Ich bin traurig, wenn ich glückliche Paare und Familien sehe, aber es wirft mich nicht aus der Bahn. Ich vermisse jemanden an meiner Seite, aber ist das wirklich ER?
Ich weiß, Ihr könnt mir meine Fragen auch nicht beantworten, trotzdem wollte ich meine Gedanken mal loswerden.
