Strayheart
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Ich habe mich hier angemeldet weil ich ein Problem in meiner Ehe habe. Ich bin 35, habe einen 4 Jahre alten Sohn mit meinem Mann. Ich bin mit ihm seit 5 Jahren verheiratet, seit 8 Jahren ein Paar. Seit einem halben Jahr schwärme ich für einen anderen Mann und bin zunehmend unzufrieden in meiner Ehe, was aber an mir und meiner Psyche liegt.
Dazu: ich hatte eine sehr wilde und rebellische Jugendzeit. Ich war zwei Jahre in Therapie, das war mit Anfang 20.
Danach hatte ich für mich immer den Einduck, dass sich diese "wilde" Seite gelegt hat, bis Jos auftauchte.
Wie kommt es zu "zwei Seelen"? Ich bin sehr ambivalent, konnte einige Charakter Züge und Vorlieben trotz Therapie nie ablegen. Die sind einfach da. Ich mag Punkmusik. Ich mag aber auch im Abendkleid ins Konzert gegen und Rachmaninow hören. Ich mag Walzer tanzen und genauso gerne auf dem Reaggaekonzert sein. Ich mag Hotel und draußen schlafen. Ich mag Porsche und VW Bus. Ich mag Hunde und Katzen...
Ich habe meinen Mann damals geheiratet, weil ich wirklich der festen Überzeugung war, dass ich ein ruhiges Leben des Durchschnitts leben kann und mir das auch gut tut. Ich dann nicht mehr so zerrissen bin. Das hat zu Beginn auch gut funktioniert . Ich bin ein sehr geselliger Mensch. Mein Mann so gar nicht. Zu Familientreffen kommt er notgedrungen meistens mit. Treffen mit Freunden sind eher selten. Mein Mann bedient den "Normaloteil" in mir. Ich gehe arbeiten, wir haben ein Haus, Katzen, einen Hund. Wir haben ein Auto und führen eben dieses ganz normale Leben.
Blöderweise hat sich im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise die politische Haltung meines Mannes in eine Richtung entwicklt, die für mich mit meiner Vergangenheit nur äußerst schwer erträglich ist. Es geht da auch gar nicht drum, welche Partei man wählt, sondern um das Menschen- und Weltbild das dahinter steht. Über Politik können wir ohne Streit gar nicht mehr sprechen. Mich ekelt seine Haltung an, ich finde sie zudem einfach dumm. Ihm geht es umgekehrt wohl genau so. Wir lassen daher solche Themen. Aber das kann ja nun auch nicht des Pudels Kern sein?
Jedenfalls habe ich dann Jos kennengelernt. Und der wiederum bedient die andere Seite. Politisch sehr aktiv, unkonventionell, anarchistisch, musikalisch....eben all die Dinge, die mein Mann nicht ist bzw. geradezu das Gegenteil.
Ich merke, wie sehr mir das in all den Jahren gefehlt hat. Die Geselligkeit, die Diskussionen, die Zwanglosigkeit.
Ich kann und will meinem Mann daraus gar keinen Vorwurf machen, es war meine Entscheidung damals und ich habe sie bewusst getroffen. Ich bin mir auch voll darüber im Klaren, dass ich mit Jos genau das andere wieder vermissen würde. Der wiederum würde nämlich niemals mit mir ins Theater gehen. Einerseits genieße ich den Kontakt, andererseits merke ich, wie sich meine Zerrissenheit dadurch tatsächlich wieder verschlimmert. Ich kriege das nicht harmonisch übereinander.
Und jetzt bin ich unglücklich und könnte jedesmal brechen, wenn ich meinen Mann über Tagespolitik und Co reden höre...und denke dabei an den Anderen.