Doppeljob
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sicher habt ihr diese oder ähnliche Fälle schon 1000fach durch. Aber jeder Fall ist für den/die Betroffenen eine Katastrophe und daher hoffe auch ich, hier ein bisschen Unterstützung in meiner Denkweise zu bekommen.
Im Jahr 2019 bin ich sehr krank geworden. Ich war dann 1,5 Jahre immer wieder in verschiedenen Krankenhäusern und Rehas und habe mich nach und nach wieder erholt und mein Leben wieder in den Griff bekommen, sowohl beruflich wie auch privat. Seit 13 Jahren war ich - bis letzten Sommer - mit meinem Partner zusammen. Er hat mich in dieser schweren Zeit unterstützt, war da für mich, ein eher stiller Mann, der nicht viel redet, was ich aber schon die ganzen Jahre kannte und akzeptiert habe, denn in den wenigen Situationen, wo wir uns tatsächlich mal gestritten haben (5 x in 12 Jahren) wurde eben nicht gestritten, sondern. .er verstummte komplett. Die Gründe für die Streitereien waren immer dieselben. Ich habe ihn wieder mal und immer wieder dabei "erwischt", dass er sich Zuspruch und Anerkennung (die er von mir aber immer und sehr liebevoll bekommen hat) parallel im Netz in teils absolut unterirdischen Foren geholt hat. Ich habe nie bewusst spioniert, sondern seinen Laptop nutzen dürfen, um etwas zu recherchieren und zwei entsprechende Foren waren geöffnet mit eindeutigen Nachrichten. Er hatte schlichtweg vergessen, die Seiten zu schließen. Immer wieder mal. Was mich besonders verletzt hat: er hatte sich immer wieder dort angemeldet, wenn es ihm beruflich schlecht ging. Statt seinen Frust mit mir, wie üblich, zu teilen, kam diese Sucht nach virtueller Anerkennung wieder. Die schlimmste Demütigung war, als ich beim letzten Mal zufällig auf das Datum seiner Anmeldung schauen konnte: er hatte sich vier Jahre zuvor, als ich wegen einer psychischen Erkrankung nach einer körperlichen in einer Klinik befand, dort wieder angemeldet und laut Zeitstempel 16.000 (!) Stunden dort verbracht, Herzchen, Knutschflecken und Nachrichten gesammelt. Damit konfrontiert folgte wieder tagelanges Schweigen und mir-aus-dem-Weg-gehen. Ich war sowas von am Boden.
Dann, letztes Jahr, war für uns beide ein sehr anstrengendes Jahr. Ich war 6 Wochen in einer Reha, zu der ich nicht hin wollte, die aber nötig war. Ich wollte dort nicht hin aus dem einfachen Grund: ich hatte so sehr Panik davor, dass er die Zeit wieder nutzt, um in den Foren zu surfen und sich auszutauschen. Da er mehrmals im Jahr auf Messen ist, hatte ich innerlich inzwischen eine solche Angst, dass er sich auch mit den Frauen dort trifft, denn er hat sich auch Frauen zum Chatten gesucht, die genau in den Städten der jeweiligen Messen befinden. Trotzdem bin ich natürlich gefahren. Nach der Reha war alles wie immer, sehr schön für mich, ich habe die gemeinsame Zeit mit ihm super genossen, wir haben zusammen Urlaub gemacht, alles war toll, nach dem Urlaub stand ein Umzug meiner Mutter an, der uns körperlich, aber auch mental an unsere Grenzen gebracht hat. Beide, nicht nur mich oder ihn. 2 Wochen danach hatte ich eine unglaubliche Sehnsucht danach, mal wieder in den Arm genommen zu werden. Von ihm kam zu der Zeit sehr wenig. Als ich es eines Nachts versuchte, mich durch Kuscheln anzunähern, hat er mich abgewiesen. Am nächsten Tag habe ich ihn, traurig wie ich war, darauf angesprochen, dass mir unsere Zweisamkeit fehlt und wir doch jetzt wieder mehr Zeit füreinander hätten. Da ist er explodiert. Er wäre schon seit einem Jahr unglücklich, ich wäre nach meiner Erkrankung nicht mehr dieselbe, er hat viele kleine Situationen aufgeführt, die ihn gestört haben und angeblich hätte er irgendwann aufgehört, mit mir darüber zu reden, weil mit mir nicht zu reden wäre. Komisch nur, weil er nie was gesagt hat. Niemals. Ich wusste bis zu dem Moment gar nicht, dass er unglücklich war. Es folgte, was immer folgte: er sprach 4 Wochen nicht mit mir. Er ging aus dem Zimmer, wenn ich dort war. Er zog ins Gästezimmer. Er kochte sich sein eigenes Essen. Er schaute über mich hinweg, als wäre ich gar nicht da. Es war mental tödlich für mich, denn ich liebte diesen Mann so sehr und habe jahrelang alles für und mit ihm gemeinsam gemacht. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Versuche, mit ihm in Ruhe zu reden, verliefen im Sand bzw in seinem Schweigen. Als ich ihn eines Tages bat, noch mal mit mir zu reden, sagte er: es gibt nichts mehr zu reden, es ist hier und jetzt vorbei. . Mir blieb nur Selbstschutz. Ich bat unseren Vermieter, eine leer stehende Wohnung im Nachbarhaus zu bekommen. Erst mal weg.
Ich zog aus. Das war Anfang Oktober 22. Im Laufe der nächsten Zeit merkte ich, wie er mir immer aus dem Weg ging, wenn wir uns zufällig trafen. Bat ich ihn um etwas (mir noch ein Teil aus unserem gemeinsamen Haushalt zu geben oder mir in der neuen Wohnung etwas zu installieren), dann machte er das sofort. Er übernahm Nachzahlungen von Strom und Nebenkosten für mich, obwohl wir abgemacht hatten, dass ich mich daran beteilige. Gab es ganz allgemein noch offene Fragen, wurden diese von ihm kurz und knapp beantwortet, aber oft unterschwellig genervt und unterstellend. Er verhielt sich immer, als hätte er extreme Schuldgefühle mir gegenüber. Sahen wir uns, zog er den Kopf ein, manchmal drehte er sich in seiner Haustür um und wartete, bis ich weg war. In einem einzigen Brief von ihm kam der Satz, er wäre sich bewusst, dass die Art und Weise, wie er sich von mir getrennt hatte "wohl nicht ganz okay gewesen wäre", aber ein Zurück zu mir gäbe es für ihn nicht. Eine Entschuldigung seinerseits kam sowieso niemals.
Ich habe ihm nicht bewusst hinterher geschrieben und ihn völlig in Ruhe gelassen, damit er wieder runter kommt, von was auch immer ihn bedrückt hat. Denn all seine Gründe, warum er Schluss gemacht hat, waren - sorry - pillepalle. Die hätte man alle lösen können, wenn wir miteinander gesprochen hätten. Wie das bei anderen Paaren auch üblich ist.
Wir hatten nie eine gesunde Streitkultur. Das ist mir inzwischen klar geworden. Wir hätten - sicher beide - öfter mal auf den Tisch hauen müssen. Ich habe das immer vermieden, da wir beide Beziehungen hinter uns hatten, in denen müßig gestritten wurde und ich wollte nie die Harmonie unserer Beziehung durch zickiges Gezanke stören. So habe ich dann auch diese Chattereien immer wieder verdrängt und mich sogar dafür entschuldigt - immer wieder - dass ich auf seinem Laptop (obwohl mit seiner Erlaubnis) darüber gestolpert war. Ich habe mich entschuldigt dafür, nicht er, wohlgemerkt!
Lange Rede, kurzer Sinn: wir sind seit 8 Monaten jetzt getrennt. Am Anfang hat mich die unbändige Wut angetrieben, meinen Umzug in die Nachbarschaft durchzuziehen. Alleine. Mich hat die Wut darüber angetrieben, dass er mir bis heute nicht gesagt hat, was ihn wirklich gestört hat. Warum er alles, was gut war, plötzlich ins Negative dreht. Er hat mich mit gefühlten 1000 offenen Fragen quasi von einer Minute auf die andere in die Wüste geschickt, nach fast 13 Jahren, ohne Erklärung. Die letzten Monate waren für mich ein Schleuderkurs aus Schuldgefühlen, offenen Fragen, Selbstzweifel, verzweifelter Liebe, Rückzug und immer wieder diese Wut, die mich umtreibt. Seit ein paar Wochen ging es mir dann besser, die Abnabelung lief und ich grübelte nicht mehr so viel. Insgeheim war ich mir auch sicher, dass ich eigentlich froh sein müsste, dass die Trennung auch bedeutet, dass Schluss ist mit den demütigenden Verletzungen, immer wieder auf der Hut sein zu müssen, ob und was wieder virtuell hinter meinem Rücken ablaufen könnte, denn: einmal mit diesem Zweifel infiziert kam ich aus dieser Schleife nicht mehr raus, denn ich wollte diesem Mann ja vertrauen, immer wieder, aber immer gab es dieselbe Klatsche.
So, und jetzt stecke ich fest! Ich komme gefühlsmäßig nicht weiter und merke, wie ich immer weiter in die Depression - die bei mir diagnostiziert ist und die ich seit 4 Jahren, meist erfolgreich bekämpfe - abrutsche. Ich kann nicht loslassen. Meine Therapeutin meinte, ich solle ihn anschreiben und ihm schreiben, wie ich mich fühle. Ich persönlich finde das ziemlich daneben. Ich bin keine Narzisstin, die ihn stalkt und immer wieder anschreibt. Ich leide eher nur für mich. Warum auch bei ihm also nochmals Wunden aufreißen, mich wieder in Erinnerung bringen, wo er doch selber sicher im Prozess des Entliebens steckt, wenn er nicht sogar schon drüber hinweg ist, denn in den letzten 2 Wochen hatte er öfter Besuch einer Frau. Vielleicht nimmt mich das auch unterbewusst mit, dass bei ihm der Abnabelungsprozess offenbar und mit einer neuen Frau an seiner Seite so viel schneller läuft als bei mir. Ich bin nicht eifersüchtig, sondern ich bemitleide die beiden eher. Ihn, dass er sich auch in einer neuen Beziehung sicher nicht ändern wird (denn in unserer Beziehung konnte er sich meiner Liebe, Aufmerksamkeit und Unterstützung absolut sicher sein) und ihn seine Sucht nach virtueller Anerkennung mit so vielen Kontakten, die er hat, sicher immer weiter begleiten wird und sie, weil sie sicher auch irgendwann merken wird, dass sie ihn mit diesen Kontakten hinter ihrem Rücken teilen muss und nie sicher sein kann, ob er sich nicht auf seinen Messen mit ihnen trifft. Ich werde es ihr natürlich nicht sagen, falls ich sie mal kennenlerne. Verrückterweise gönne ich es ihm nämlich, glücklich zu werden, auch aus Liebe und weil ich diesem Mann einfach nicht auf lange Sicht böse sein kann. Selbst wenn ich wollte. Nachtragend sein steckt (manchmal: leider) nicht ihm mir.
Ich lenke mich nach besten Kräften ab. Ich habe eine tolle Familie (Mutter, Sohn, seine Freundin), die mich immer wieder brauchen, aber auch auffangen. Hab mich meet5 angeschlossen, unternehme immer wieder was mit den Menschen dort, lerne auch sehr nette Menschen kennen, aber komme ich nachhause, falle ich sofort wieder in mein Loch und bekomme das große Heulen. Nach Monaten, in denen es voran ging, geht es gefühlmäßig bei mir aktuell nicht mehr vom Fleck. Wer von euch kennt das und hat Tipps? Wie gesagt, ich mache alles, um nach vorne zu kommen, aber der Kopf, das Herz versagen mir im Moment ein Weiterkommen. Sorry für den langen Text, aber ohne die Hintergründe und auch die Info, was ich schon alles probiert habe, um aus der Schleife raus zu kommen, könnte ja niemand gezielt antworten. Für einen neuen Mann an meiner Seite habe ich übrigens im Moment weder den Blick noch einen Platz im Herzen frei und fände es unfair, jemandem Hoffnung auf eine neue Beziehung zu machen, solange ich über die vergangene noch nicht hinweg bin und diesen neuen Partner lediglich als Ersatz zu sehen oder, um mir fehlende Zweisamkeit und Streicheleinheiten zu holen. Danke, falls jemand mir antworten möchte.