Liebe Claudia,
Zitat:Ich bin mit meinem Freund seit fast 12 Jahren zusammen und denke jetzt über eine Trennung nach.
Wir kommen beide super miteinander klar, haben die gleichen Vorstellungen vom Leben, Ziele und Träume. Soweit alles toll, nur verhungere ich emotional bei ihm.
Er ist nicht fähig mich in den Arm zu nehmen, mich zu küssen, kuscheln usw.
Wenn ich kuscheln möchte, dann erträgt er es nur ganz kurz. Es kommt immer gleich Abwehr, es sei zu dicht, es drückt hier oder da.
Wenn ich zu ihm sage er soll mich mal in den Arm nehmen, dann schafft er das für keine 5 Sekunden. Lasse ich dann nicht los, dann drückt er so doll das es wehtut oder er drückt mir auf die Rippen was dann ja auch weh tut und ich los lasse.
Küssen? So flüchtig zur Begrüßung und zum Abschied. Mehr ist nicht drin.
Der S. ist dementsprechend, kein Küssen, kein streicheln, bzw. möchte er mich so anfassen wie es für ihn gut ist.
In 12 Jahren hat er mir nicht einmal gesagt das er mich liebt. Wenn ich ihm 'Ich liebe dich' gesagt habe, bekam ich als Antwort entweder nichts oder 'Danke'.
Ich glaube er hat es geschafft 3 oder 4 mal zu sagen ' Ich hab dich lieb'. Ist aber auch schon ewig her.
Ich muss das nicht ständig gesagt bekommen, wenn denn sein Handeln etwas mehr danach wäre.
Ende letzten Jahres musste ich mein Pferd einschläfern lassen. Er war bei der Diagnose und beim einschläfern mit dabei. Ich war nur am heulen und er steht daneben, hat mich nicht einmal in den Arm genommen, nicht eine Berührung oder ein Wort um mich zu trösten.
Vor fast zwei Jahren starb mein Opa, auch da gab es keinen Trost von ihm.
vergiss nicht, dass all die Jahre ohne Nähe Dir extrem viel Energie genommen werden haben und es sich so geschwächt, wie Du Dich jetzt fühlst, unmöglich anfühlen kann, nochmal neu anzufangen.
Leicht ist es nicht, aber nicht unmöglich.
Und bedenke, dass es zwar zunächst immer einfacher ist, unter dem Partnner zu leiden, so weh es auch tut, als allein zu sein und mit den eigenen Defiziten und Baustellen konfrontiert zu sein.
Langfristig aber lohnt es sich natürlich, sich seinen Schwierigkeiten zu stellen. Statt sich zu einem anderen Mann zu flüchten.
Und es kann sein, dass Du selbst ein Näheproblem hast, wenn Du auch zeitweilig mit anderen Männern Nähe erlebst.
Liebt man so lange einen so unnahbaren Menschen, hat man meistens selbst Angst vor Nähe. Angst Liebe anzunehmen.
Ich war auch lange mit einem Mann zusammen, der mir nicht so viel Nähe geben konnte, wie ich es mir wünschte. Das war allerdings mit dem, was Du erlebst, nicht vergleichbar. Er war sehr schmusig, immer für mich da usw., aber dennoch auf geheimnisvolle Weise unnahbar.
Ich warf ihm das ständig vor, kämpfte um Nähe, wähnte mich als diejennige, die im Vollkontakt ist

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bis wir uns trennten und ich dann nach Jahren wieder offen für einen Mann war und seither das Problem, wenn auch in sehr softer Form, genau anders herum erlebte. Ich wollte danach unbedingt einen Mann, dem ich richtig nah sein kann. Und seither beklagen sich meine Partnner darüber, dass ich so "verschlossen" bin, trotz all der Schmusereien usw.
Ich bin zärtlich, lasse mich richtig ein usw., aber ich musste erkennen, dass ich selbst nicht genügend Nähe zulassen kann. So scheint es jedenfalls zu sein. Das will ich Dir nicht unterstellen, aber wenn Du es 12 Jahre mit diesem Mann ausgehalten hast, er Deine große Liebe auf den ersten Blick ist, ist das nicht unwahrscheinlich.